Netzwerkarbeit als Strategieprozess anlegen

Welche strategischen Aufgaben sind bei der Netzwerkarbeit zu bewältigen? Welche Prozesse müssen dafür in Gang gebracht werden? Beispiele verschiedener Netzwerke zeigen interessante Ansätze auf.

Ähnlich wie die Arbeit von Organisationen profitiert auch die Arbeit von Netzwerken von einem strategischen Vorgehen. Damit gemeint ist ein gemeinsam gestalteter Prozess, in dem Analyse, die Ableitung von Zielen und Maßnahmen, deren Umsetzung und Erfolgskontrolle sowie eine entsprechende Anpassung von Zielen und Maßnahmen aufeinander folgen.

Eine solche Formulierung und Ausarbeitung von Prozessschritten gibt der Netzwerkarbeit die nötige Struktur und den beteiligten Akteuren durch die klare Abgrenzung von einzelnen Arbeitsabläufen einen „roten Faden“, der wiederum Orientierung und Transparenz im Hinblick auf die Arbeit des gesamten Netzwerks schafft.

Die gemeinsame Analyse des Fachkräftebedarfs und der vorhandenen Fachkräftepotenziale in der Region ist die Grundlage und markiert zugleich den ersten Schritt, um überhaupt konkret passende Ziele und Maßnahmen für regionale Probleme und Bedürfnisse entwickeln zu können.

Viele Akteure nutzen für die Analyse den Arbeitsmarktmonitor der BA, andere geben Studien bei Forschungsinstituten in Auftrag oder führen selbst welche durch, wobei der Fokus solcher Analysen durchaus unterschiedlich sein kann. Während der Arbeitsmarktmonitor der BA vor allem Arbeitsmarktdaten aufbereitet und Vergleichsmöglichkeiten herstellt, geben Unternehmensbefragungen Aufschluss über die Sicht der Unternehmen auf den regionalen Status Quo zum Thema Fachkräftebedarf und -sicherung.

Analysemöglichkeiten

Die „Ems-Achse“ hat für die regionale Strukturanalyse ein unabhängiges Forschungsinstitut mit der Erstellung einer eigenen Studie betraut.

Die Netzwerke „Barnimer Netzwerk Fachkräftesicherung“ und „Netzwerk Fachkräftesicherung Uckermark“ haben dagegen eigene Unternehmensbefragungen vor Ort durchgeführt. Die erhobenen Daten wurden anschließend intern ausgewertet und für die Zieldefinition, die Entwicklung und für die eventuelle Anpassung der Maßnahmen genutzt.

Auch die „Allianz pro Fachkräfte“ hat ergänzend zu den Daten des Arbeitsmarktmonitors der Bundesagentur für Arbeit Daten aus Kammerbefragungen bei regionalen Unternehmen hinzugezogen. Generell gilt, dass die Qualität der zu definierenden Maßnahmen und Ziele sehr von einer sorgfältigen Analyse sämtlicher verfügbarer Quellen profitiert, sowohl Arbeitsmarktdaten als auch Unternehmensbefragungen.

Anpassung von Zielen und Maßnahmen

Bei der Festlegung von Zielen und Maßnahmen gilt es, aus den Erkenntnissen der Analyse Handlungsfelder mit Potenzial zu identifizieren und daraus abgeleitet Aktivitäten zu definieren.

Die Studie der „Ems-Achse“ beispielsweise deckte eine erhebliche Lücke zwischen den benötigten hochqualifizierten Fachkräften und vorhandenem Potenzial auf. Daraus wuchs die Einsicht, dass sich die gut aufgestellte mittelständisch geprägte Wirtschaft und die ländlich geprägte Region als Ganzes besser vermarkten und aktiv um Fachkräfte werben müssen. In Projektentwicklungsworkshops entstanden dann zahlreiche Ideen für Maßnahmen.

Ems-Achse Mobil, Quelle: "Ems-Achse Jobmotor Nordwest"

Ein Beispiel ist das Internetportal zur interaktiven Kommunikation samt Jobbörse, um junge Menschen in der Region zu halten, sowie die Fachkräfteservicestellen als erste Anlaufstellen für Neuankömmlinge.

Auch das Ems-Achse-Mobil mit dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins zu zahlreichen Jobmessen und Hochschulen in Deutschland fahren, um neue Fachkräfte für die Region zu gewinnen, ist so entstanden.

Die „Allianz pro Fachkräfte“ entwickelte das Servicepaket „Willkommen in der Metropolregion Nürnberg“ für Neuankömmlinge. Es enthält eine Sammlung aller wichtigen Informationen für Zuziehende und soll die Ankunft erleichtern. Dabei werden insbesondere Karrierechancen sowie die Freizeitinfrastruktur, Betreuungsmöglichkeiten und Bildungsstrukturen für Kinder aufgezeigt und Unterstützungsangebote für die Jobsuche der Partnerin bzw. des Partners unterbreitet. Eine zügige Realisierung solcher ersten Erfolge ist für eine ambitionierte Fortsetzung der Arbeit sehr hilfreich. Denn genau hier stellt sich unter Beweis, dass man nicht nur beraten und analysieren, sondern auch gemeinsam handeln kann. Und in der Regel befördern schnelle, auch kleinere Erfolge die Motivation sich weiter zu engagieren und sich gegebenenfalls auch nachhaltiger an der Netzwerkarbeit zu beteiligen.

Die „Allianz pro Fachkräfte“ in Nürnberg konnte beispielsweise durch das „Willkommensprojekt“, das gemeinsam mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung durchgeführt wird, 20 ausländische Studierende nach dem Studium an Arbeitgeber in der Region vermitteln und sie dadurch in der Region halten. Der erste Erfolg zeigte die Handlungsfähigkeit der Allianz und bildet jetzt die Grundlage für die weiteren Aktivitäten.

In Heilbronn war es ähnlich: Durch die Unterstützung des Netzwerks „Erschließung der Bildungspotenziale von Menschen mit Migrationshintergrund“ konnten in einem ersten Schritt bereits 110 Geringqualifizierte im Rahmen der „Initiative zur Flankierung des Strukturwandels“ (IFlaS) ihren Berufsabschluss nachholen. Dies wird durch eigene Lehrgänge in ausgewählten Betrieben ermöglicht. Damit können zertifizierte Teilqualifikationen erworben werden, die Geringqualifizierten eine Chance auf dem Arbeitsmarkt geben.

Evaluation

Um von ersten Erfolgen aus weiter zu kommen, ist es wichtig, erreichte Ziele und auch die Zusammenarbeit zu evaluieren. Das bedeutet einen permanenten Abgleich zwischen vereinbarten Zielen und den Ergebnissen, die man durch Maßnahmen erreicht hat, sowie eine Anpassung von Maßnahmen und Herangehensweisen. Falls eine Maßnahme nicht wirkt und ein Ziel nicht erreicht werden kann, fällt das im Zielnachhaltungsprozess auf. Die Maßnahme kann dann korrigiert und so gegengesteuert werden.

Ein Beispiel für die Evaluierung von Maßnahmen bietet die „Ems-Achse". Sie prüft ihre Maßnahmen anhand von festgelegten Kennzahlen.Wie viele Messekontakte gab es beispielsweise auf Jobmessen oder wie viele Bewerberinnen und Bewerber konnten an Unternehmen vermittelt werden? Einmal im Monat trifft sich die Fachkräftemanagerrunde zur Besprechung. Dabei werden auch die vorher gesetzten Kennzahlen mit den Ist-Werten verglichen. Dann wird z. B. geprüft, wie viele Interessierte, Neuankömmlinge oder Unternehmen in den Servicestellen beraten werden konnten und ob es neue Themen gab, die aufgegriffen werden müssen.

Bis zum Ende des Jahres möchten die Servicestellen zum Beispiel mindestens 200 Kontaktanfragen bearbeitet haben. Wenn das Angebot der Servicestellen zu wenig genutzt werden sollte, will man in den Unternehmen verstärkt Werbung für den Service-Gutschein machen. Dieser wird von den Unternehmen im Bewerbungsgespräch an die Bewerberinnen und Bewerber ausgehändigt und bietet wichtige Informationen für den Zuzug in die Region.