Arbeitsfähige Strukturen für Netzwerke entwickeln und umsetzen

Wie gelingt eine verbindliche Zusammenarbeit? Welche Infrastruktur ist dafür notwendig und welche finanziellen als auch personellen Ressourcen werden benötigt? Anhand mehrerer Beispiele wird das dargestellt.

Trotz aller Freiwilligkeit, mit der sich Netzwerkpartner zusammentun, ist verlässliche Zusammenarbeit die Grundlage eines erfolgreichen Netzwerks. Sie beruht auf Vertrauen und einer funktionierenden Kommunikation der Beteiligten untereinander, aber durchaus auch auf einer gemeinsamen Vereinbarung oder Erklärung zur Zusammenarbeit.

In ihr halten die Netzwerkakteure Ziele, Aufgaben, Beiträge sowie Absprachen zur Art und Weise ihrer Zusammenarbeit fest und geben sich damit auch ein Regelwerk. Dies hat den Vorteil, dass alle Beteiligten sich mit den Zielen und Aufgaben im Netzwerk durch ihre Unterschrift einverstanden erklären, sie aber dennoch ihre institutionelle Eigenständigkeit bewahren.

Solche Vereinbarungen können als schriftliche Kooperationsvereinbarung gestaltet sein, oftmals münden sie aber auch in einer weiteren Institutionalisierung, wie z. B. der Gründung eines eigenen Vereins oder einer GmbH, in denen die Akteure Mitglieder mit eigenen Rechten und Pflichten sind.

Beispiele von Kooperations- und Organisationsstrukturen

Die drei Hauptakteure des Netzwerks „Erschließung der Bildungspotenziale von Menschen mit Migrationshintergrund“ in Heilbronn haben beispielsweise eine Vereinbarung eines Maßnahmenpakets unterschrieben, in der sie die gemeinsamen Absichten und Ziele schriftlich festhalten.

Auch der „Allianz pro Fachkräfte“ liegt eine Kooperationsvereinbarung zwischen der IHK Nürnberg für Mittelfranken und der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit zu Grunde, der sich die weiteren Partner mit einer Absichtserklärung angeschlossen haben.

Die „Ems-Achse“ wiederum ist als Verein organisiert und bietet mit Vorstand sowie der Mitgliederversammlung eine feste Struktur, die einen  Meinungsaustausch zwischen vielen unterschiedlichen Partnern ermöglicht. Der Austausch in den kleineren Arbeitskreisen erlaubt eine schnelle Problemlösung und Weiterentwicklung der einzelnen Maßnahmen.

Zwei Beispiele von Kooperationsvereinbarungen finden Sie hier.

Infrastruktur und Finanzierung

Die Infrastruktur von Netzwerken kann verschiedene Formen haben. Manche Netzwerke lehnen sich an vorhandene Strukturen der Netzwerkpartner an. Die „Allianz pro Fachkräfte“ beispielsweise hat ihren Koordinator bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken angesiedelt. Andere schaffen völlig neue Strukturen durch die Einrichtung einer Geschäftsstelle, wie beispielsweise die „Ems-Achse“, die darüber hinaus noch eigene Servicestellen in den einzelnen Landkreisen unterhält.  

Die finanzielle und personelle Ausstattung ist ebenfalls von Bedeutung für die Netzwerkarbeit und kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Einige Netzwerke werden ganz oder teilweise aus Mitteln der Kommunen, des Landes, des Bundes oder der EU gefördert. Erste Informationen zu den Möglichkeiten stellen die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie sowie die Förderdatenbank Nachhaltige Regionalentwicklung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung zur Verfügung.  

Andere Netzwerke wiederum sind in bestehende Strukturen so eingebunden, dass Kosten nur für einzelne Maßnahmen anfallen, die von den Beteiligten direkt getragen werden können. Wieder andere Netzwerke nutzen die Vereinsform und erheben Mitgliedsbeiträge oder entscheiden sich für Mischformen der Finanzierung. So sorgen die Mitgliedsbeiträge der „Ems-Achse“ beispielsweise neben Förderbeiträgen für eine solide finanzielle Grundlage der gemeinsamen Arbeit. Einzelne Netzwerkmitglieder wie die Agenturen für Arbeit, die IHKs oder Wirtschaftsförderer können ebenfalls ihre Expertise im Bereich der Projektförderung einbringen.

Einer muss sich kümmern 

Wesentlicher Bestandteil eines Netzwerks ist in der Regel ein „Kümmerer“, der als Koordinator das Bindeglied zwischen allen Akteuren bildet und das Netzwerk zusammenhält. Sie oder er pflegt es in Form von Kontaktaufnahmen sowie der Organisation von Arbeitstreffen und ist Ansprechpartnerin bzw. Ansprechpartner zu jeder Sachlage. Die Koordinatorin oder der Koordinator kann die Rolle der Netzwerkvertretung nach außen übernehmen. Es ist außerdem von Vorteil, wenn in den Vereinbarungen zur Netzwerkarbeit auch Konfliktregeln abgestimmt werden, in denen u. a. die Rolle der Koordinatorin oder des Koordinators als neutrale Person festgelegt ist. So kann sie oder er die Moderation übernehmen und zwischen den einzelnen Akteuren auf einer eindeutigen und bekannten Grundlage vermitteln.

Eine sehr effektive Form der strukturierten Zusammenarbeit haben die beiden Netzwerke „Barnimer Netzwerk Fachkräftesicherung“ und „Netzwerk Fachkräftesicherung Uckermark“ entwickelt. Sie sind zwar in zwei Landkreisen tätig, haben aber eine gemeinsame Koordinatorin und die gleichen Partner jeweils aus ihrer Region. Lediglich die kooperierenden Unternehmen, die projektbezogen mit den Partnern zusammenarbeiten, variieren. Die Koordinatorin hält den Kontakt sowohl zu den Betrieben, als auch zu den unterschiedlichen Netzwerkgremien: Das Steuerungsgremium besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der jeweiligen institutionellen Akteure und stellt den Austausch untereinander sicher. Auf Landkreisebene gibt es verschiedene thematische Arbeitskreise, denen sich neben den öffentlichen Institutionen der Netzwerke auch private Akteure anschließen können. Unterhalb dieser Ebene gibt es die einzelnen Arbeitsgruppen, die spezifische Maßnahmen organisieren und umsetzen.

Die beiden Netzwerke nutzen die bereits vorhandenen Strukturen und die personellen wie finanziellen Ressourcen der Netzwerkpartner. Einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beteiligten Institutionen werden für Aufgaben und Projekte der Netzwerke freigestellt. Es gibt keine eigene Geschäftstelle der Netzwerke. Die Agentur für Arbeit Eberswalde stellt stattdessen eine Mitarbeiterin für die Gesamtkoordination zur Verfügung. Einen Teil der Kosten übernimmt die Agentur für Arbeit Eberswalde, den anderen Teil finanzieren die Partner, aber auch Bildungsträger und Unternehmen.