Zu zweit kommen und bleiben: das Projekt „JobFÜR2“

Fachkräfte zu gewinnen ist für viele Betriebe eine Herausforderung. Diese steigt noch, wenn auch die Partner mitkommen und hier arbeiten wollen. Das zu organisieren können vor allem kleinere Unternehmen oft nicht schaffen. In Ostwürttemberg hilft ihnen die dortige Fachkräfteallianz mit dem Projekt „JobFÜR2“.

Handlungsfelder:

Integration und/oder Zuwanderung, Dual Career

Zielgruppen:

Facharbeiter, Studierende, Unternehmen

Bundesland:

Baden-Württemberg

Ausgangslage und Ziele

Die Bewerbung liest sich gut, das Gespräch verläuft vielversprechend, der Vertrag mit der neuen Fachkraft ist beinahe unter Dach und Fach – da stellt sich heraus, dass der Bewerber nur in die Region ziehen möchte, wenn es auch für seine Partnerin eine Jobperspektive gibt…

Gut ausgebildete Paare mit einem attraktiven Job sind bei einem Stellenwechsel eine Herausforderung für das Personalmanagement. Wenn ein Umzug zur Diskussion steht und ein Partner seinen Job aufgeben müsste, kann es durchaus passieren, dass sich derjenige, der am neuen Ort ein Jobangebot hat, doch noch gegen den Stellenwechsel entscheidet.

In Ostwürttemberg ist der Fachkräftebedarf hoch, die Unternehmen möchten sich als attraktive Arbeitgeber präsentieren. Dazu gehören inzwischen auch „Dual Career“-Angebote im selben Betrieb oder in der Nähe, was aber viele Personalabteilungen gerade kleinerer Unternehmen nicht garantieren und organisieren können. Genau da setzt „JobFÜR2“ an. Ziel des Projekts ist es, auch für den Partner oder die Partnerin einer sich bewerbenden Fach- oder Führungskraft einen Arbeitsplatz in Ostwürttemberg zu finden.

Maßnahmen

2013 gestartet, zählt das Projekt „JobFÜR2“ der Fachkräfteallianz Ostwürttemberg inzwischen rund 40 Firmen, kommunale Arbeitgeber und Hochschulen als Partner. Sie alle tauschen aktuelle Jobgesuche untereinander aus. Zusätzlich können sie den Firmenverteiler von Südwestmetall, dem Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg, nutzen. Außerdem stellen weitere Partner Datenbanken und Serviceangebote zur Verfügung. So informiert etwa die Agentur für Arbeit alle Unternehmen des Netzwerks über offene Stellen und bietet ihnen einen persönlichen Ansprechpartner aus dem Arbeitgeber-Service. Im Fachkräfteportal der Region Ostwürttemberg kann ebenfalls nach aktuellen Jobangeboten recherchiert werden. Die Netzwerkpartner können zudem über die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Ostwürttemberg die eigenen Jobseiten einbinden lassen. Darüber hinaus bieten die Kommunen ein individuelles Standortcoaching an.


Dieser engmaschige Austausch macht es möglich, dass Firmen ihren Bewerbern kurz- oder mittelfristig auch eine regionale Jobperspektive für den Lebensgefährten oder die Lebensgefährtin in Aussicht stellen können. Wann immer ein Partner-Bewerberprofil passt, kann der Personaler direkt Kontakt mit den für die jeweilige Qualifikation passenden Unternehmen aufnehmen. Die IHK Ostwürttemberg koordiniert das Netzwerk, ist Ansprechpartner für interessierte Firmen, die sich am Netzwerk beteiligen wollen, und organisiert regelmäßige Netzwerktreffen.

Ergebnisse und Erfolgsfaktoren

Offenbar kommt es bei Bewerbungsgesprächen mit potenziellen Fach- und Führungskräften gut an, dass die Firmen ihnen auch eine „JobFÜR2“-Perspektive bieten können. Dies zeigen die regelmäßigen positiven Rückmeldungen der Betriebe. Nach und nach entsteht so eine positive Willkommenskultur, die sich herumspricht. Die Zahl der Fälle, in denen das Netzwerk konkret eingeschaltet wird, um für die Lebensgefährtinnen oder Lebensgefährten von Bewerbern aktiv zu werden, ist mit durchschnittlich zehn pro Jahr dennoch überschaubar. Hier gibt es noch Luft nach oben.