Wie kleine Firmen Fachkräfte gewinnen: das Programm „dreipunktnull“

Kleine und mittlere Betriebe abseits der großen Metropolen haben es häufig schwer im Wettbewerb um die besten Fachkräfte. Dank des unternehmensübergreifenden Personalentwicklungsprogramms „dreipunktnull“ können Betriebe in Remscheid, Solingen und Wuppertal ihre Arbeitgeberattraktivität deutlich steigern.

Handlungsfelder:

Weiterbildung, Unternehmensthemen

Zielgruppen:

Facharbeiter, Unternehmen

Bundesland:

Nordrhein-Westfalen

Ausgangslage und Ziele

Das Bergische Land ist nicht nur von schöner Landschaft geprägt, sondern auch Heimat vieler erfolgreicher Unternehmen. Doch obwohl zahlreiche kleine und mittlere Betriebe (KMU) attraktive Arbeitgeber für Akademiker sind, werden sie von dieser Zielgruppe nur unzureichend wahrgenommen. Gleichzeitig suchen Hochschulabsolventen häufig speziell nach Unternehmen, die sie beim Einstieg weiter fördern und dabei insbesondere überbetriebliche Qualifikationen vermitteln.

Wie lassen sich KMU dabei unterstützen, im Wettbewerb um Fachkräfte konkurrenzfähiger zu werden, und wie können sie Potenzialkräfte dauerhaft an sich binden – aus diesen Fragen entstand in der Region Bergisches Städtedreieck Remscheid, Solingen, Wuppertal die Idee zu „dreipunktnull“, einem überbetrieblichen Traineeprogramm, das schon bald zu einem umfassenden Personalentwicklungsprogramm erweitert wurde.

Maßnahmen

„dreipunktnull“ richtet sich an Potenzialträger in Unternehmen, die bald oder mittelfristig Schlüsselpositionen in diesen Unternehmen einnehmen sollen oder könnten. In der Regel sind das Beschäftigte mit einem abgeschlossenen Studium, Techniker, Meister oder andere Fachkräfte mit ersten Erfahrungen in einer Schlüsselposition. Meist zehn bis 15 Nachwuchskräfte aus bergischen Unternehmen durchlaufen über einen Zeitraum von zwölf Monaten überbetriebliche Weiterbildungsmaßnahmen. Die einzelnen Bausteine des Programms umfassen ein auf die Bedürfnisse der Teilnehmer und der Unternehmen konzentriertes Qualifizierungspaket, ein professionelles Mentoring-Angebot und einen intensiv begleiteten Prozess mit gemeinsamen Projektarbeiten in den beteiligten Unternehmen. Damit bietet sich den Teilnehmern die Möglichkeit, neue Formen der Zusammenarbeit zu erproben und wertvolle Kontakte zu knüpfen.

Die Bergische Entwicklungsagentur (BEA) war die durchführende und organisierende Stelle des Verbundprojektes. Unterstützt wurde sie vom Netzwerk Bergisches Fachkräftebündnis. Als Pilotprojekt wurde „dreipunktnull“ von 2009 bis 2012 gefördert und den Unternehmen kostenneutral angeboten. Nach der Pilotphase wurde das Programm an die Unternehmensberatung Beck und Consorten übertragen, die bereits bei der Entwicklung beteiligt war. Sie bietet das Programm seit 2013 gegen Teilnahmegebühren an, die von den Unternehmen, die Teilnehmer entsenden, übernommen werden.

Ergebnisse und Erfolgsfaktoren

Mussten die bergischen Firmen anfangs erst von dem Programm, insbesondere der Kooperation mit anderen Betrieben überzeugt werden, ist es längst zum Selbstläufer geworden. Immer mehr KMU spüren, dass das Programm bei den teilnehmenden Fachkräften zu einer höheren Bindung ans Unternehmen führt. Mit „dreipunktnull“ können die KMUs ihren Potenzialträgern ein Angebot machen, das vergleichbar ist mit Trainee- und Personalentwicklungsprogrammen von großen Unternehmen. Damit steigern sie ihre Arbeitgeberattraktivität bei den akademischen Bewerbern sowie ihre Wettbewerbsfähigkeit im Kampf um die Talente.

Das jeweils 12-monatige Programm erfährt ab Herbst 2017 seine neunte Auflage. 2017 ist zudem das Jahr einer zweifachen Expansion: Beck und Consorten konzipierten zum einen, sozusagen als „Spin-off“, ein Programm für Führungsnachwuchskräfte, zum anderen startete Anfang 2017 „dreipunktnull“ mit einer ersten Gruppe am neuen zweiten Standort Mülheim/Ruhr. Weiteres positives Ergebnis: ein immer dichteres Netzwerk der bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer.