Mit "Hi!GH AZUBI" Studienabbrecher gewinnen

Die einen brechen frustriert ihr Studium ab. Die anderen suchen händeringend Fachkräfte. „Hi!GH AZUBI“ eröffnet den Ex-Studierenden eine kompakte Alternative – in Unternehmen, die sich damit eine bisher kaum erreichte Zielgruppe für ihren Personalbedarf erschließen.

Handlungsfelder:

Berufliche Ausbildung, Weiterbildung, Digitalisierung

Zielgruppen:

Studienabbrecher, Studierende, Unternehmen

Bundesland:

Nordrhein-Westfalen

Ausgangslage und Ziele

Zu hohe Leistungsanforderungen, großer Finanzierungsdruck, Desillusionierung – bei einem Viertel aller Studierenden ist irgendwann ein so hohes Maß an Frustration erreicht, dass sie ihr Studium ohne Abschluss beenden. Hi!GH AZUBI eröffnet ihnen neue Perspektiven. Interessierte Studienabbrecher technischer Disziplinen vermittelt das Projekt passgenau in gewerblich-technische Ausbildungen. Allerdings je nach Vorkenntnissen aus dem Studium auf der Überholspur: Verkürzte Ausbildungszeiten und Zusatzmodule eröffnen eine attraktive berufliche Qualifizierung jenseits der Hochschule.

Davon profitieren die hochschulerfahrenen Azubis ebenso wie die Unternehmen der Region, die sich damit ein zusätzliches Fachkräftepotenzial erschließen und auf raschem Wege passgenau qualifizierte Beschäftigte gewinnen.

Maßnahmen

In Absprache mit den örtlichen Industrie- und Handelskammern absolvieren die Studienabbrecher in den Unternehmen je nach Vorkenntnis eine herkömmliche oder verkürzte duale Ausbildung, wobei unter Umständen sogar der schulische Teil entfallen kann. Zugleich können sie zwischen zusätzlichen Kompetenzbausteinen wählen, die an bereits erbrachte Studienleistungen anknüpfen. Die deshalb „High Azubis“ genannten Teilnehmer absolvieren damit einerseits in kurzer Zeit eine bundesweit anerkannte, renommierte Berufsausbildung – und erarbeiten sich gleichzeitig Zusatzqualifikationen. Damit sind sie gut gerüstet, um nach erfolgreicher Prüfung in der übernehmenden Firma durchzustarten und sich gute Aufstiegsmöglichkeiten zu erschließen.

Das Spektrum der Zusatzmodule reicht von der Vermittlung praktischer Fertigkeiten, etwa in der Metallverarbeitung, über Kommunikationstraining, Zeitmanagement und Lernstrategien bis zur Weiterbildung als Techniker/in oder Industriemeister/-in Metall. Eine „Industrie 4.0“-Lehrfabrik macht zudem Trainings auf modernstem technologischen Niveau möglich – ein Plus gerade für kleine und mittlere Betriebe. Schulungen in Betriebswirtschaft und Sprachen samt Auslandspraktikum („European Business Licence“) werten die Ausbildungszeit zusätzlich auf.

Entwickelt hat diesen Ansatz die Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement (gpdm mbH) in Paderborn in Abstimmung mit zahlreichen Unternehmen der Region. Das „Berufliche AusbildungsNetzwerk im Gewerbebereich“, kurz: „BANG“ koordiniert sämtliche Maßnahmen.

„BANG“ ist ein privates Ausbildungsnetzwerk von Unternehmen, das sich als Verein gegründet hat und in mehrere regionale Netzwerke untergliedert. In Ostwestfalen sorgt „BANG“ gemeinsam mit den Universitäten Bielefeld und Paderborn und den Fachhochschulen in Bielefeld und Lemgo für die Identifizierung interessierter Studienabbrecher und das Matching mit passenden Unternehmen.

Finanziert wird Hi!GH AZUBI aus den Beiträgen aller Unternehmen, die im Netzwerk mitwirken und Dienstleistungen nachfragen, darunter viele kleine und mittlere Betriebe.

Ergebnisse und Erfolgsfaktoren

Hi!GH AZUBI ging 2010 an den Start und ist vom Projekt zum Produkt geworden, das auch von den zwischenzeitlich entstandenen acht weiteren „BANG“-Netzwerken, etwa in Baden-Württemberg, angeboten wird. Allein in Ostwestfalen zählen die Verantwortlichen acht bis zwölf Kandidaten pro Jahr.

Eine Herausforderung gibt es allerdings nach wie vor: Eine systematische Identifizierung von und Kontaktaufnahme mit Studienabbrechern ist nach wie vor kaum möglich. Dafür ist diese Gruppe zu heterogen und wenig präsent. Insofern kann sie auch nur indirekt auf das Projekt Hi!GH AZUBI aufmerksam gemacht werden.