Mit dem RingPraktikum frühzeitig den passenden Fachkräftenachwuchs finden

Bei Fachkräftemangel denken viele an entvölkerte Landstriche. Doch auch in der Großstadt haben kleine und mittlere Unternehmen Nachwuchsprobleme, weil sie mit vielen anderen Arbeitgebern konkurrieren. Dieser Herausforderung begegnen die Betriebe vom Berliner Netzwerk Großbeerenstraße e. V. mit viel Einfallsreichtum.

Handlungsfelder:

Berufliche Ausbildung, Integration und/oder Zuwanderung, Berufsorientierung

Zielgruppen:

Einwanderer, Eltern, Geflüchtete/Asylbewerber, Jugendliche, Lehrer, Schüler, Unternehmen

Bundesland:

Berlin

Ausgangslage und Ziele

Am Anfang stand eine grundsätzliche Überlegung: Was können die Unternehmen im Berliner Industrie- und Gewerbegebiet Großbeerenstraße allein stemmen und was lässt sich gemeinsam besser lösen? Schnell war man sich einig: Gerade für kleine und mittlere Betriebe könnte ein Netzwerk Vorteile bieten, etwa wenn es um Ausbildung, Fachkräftegewinnung und -sicherung oder auch „Employer Branding“ geht, also die Vermarktung der Unternehmen als attraktive Arbeitgeber und Ausbildungsstätten. Denn bis zu 20 Prozent der Ausbildungsplätze in den Netzwerkbetrieben blieben bislang unbesetzt, weil es am „Matching“ haperte, sprich: weil Bewerber und Firmen oft nicht zusammenpassten.

Um das zu ändern, entwickelte das 2008 gegründete Netzwerk Großbeerenstraße das RingPraktikum. Es widmet sich durch die intensive Vernetzung von Schule und Wirtschaft – Stichwort „Duales Lernen“ – frühzeitig dem Problem der passgenauen Besetzung von Ausbildungsplätzen. Zugleich liefert es ein strukturiertes und nachhaltiges Instrument, das im Ringen um Auszubildende zur Chancengleichheit für kleine und mittlere Betriebe beiträgt sowie Schülerinnen und Schülern den Weg in Ausbildung ebnet.

Maßnahmen

Das RingPraktikum ist ein standardisiertes Produkt, das Jugendlichen in der Berufsorientierungsphase offensteht. Zwei Mal im Jahr werden per Auswahlverfahren und unabhängig von den Schulnoten 48 Praktikumsplätze vergeben, gegliedert in fünf Berufsfelder – die sogenannten „Ringe“: Metall, Elektro, Druck und Medien, Einkauf und Vertrieb sowie Eventmanagement und Hotellerie/Gastronomie.

Wer sich erfolgreich für einen der „Ringe“ beworben hat, absolviert ein dreiwöchiges Praktikum. Dabei soll gemeinsam ein kleiner Metall-Gabelstapler in Serie produziert werden – inklusive Angebotserstellung, Materialbeschaffung und Verpackung, so dass alle „Ringe“ ihren Beitrag leisten. Auch die jungen Aspiranten für einen Beruf in der Eventbranche oder in Hotellerie und Gastronomie. Die sorgen bei der feierlichen Abschlussveranstaltung für Vorbereitung, Deko und Catering. Für alle „Ringe“ gilt zudem: Verbindliche Termine und Qualitätskriterien müssen gegenüber dem „Kunden“ Netzwerkvorstand eingehalten werden.

Innerhalb der drei Wochen lernen die Schülerinnen und Schüler jeweils zu zweit mindestens drei Unternehmen in ihrem gewählten „Ring“ kennen – und die Betriebe erleben so bis zu sechs potenzielle Auszubildende im realen Arbeitsumfeld. Wer zueinander passt, vertieft in Absprache mit den jeweiligen betrieblichen Ausbilderinnen und Ausbildern die Beziehung über ein spezielles Mentoring-Netzwerk-Programm und Ferienarbeit. Die enge Zusammenarbeit mit den Schulen sorgt schon im Vorfeld für ein gutes Matching.

Die Entwicklung des RingPraktikums im Arbeitskreis Personal & Ausbildung des Netzwerks Großbeerenstraße konnte unter anderem mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert werden. Seitdem ist es unabhängig von Fördermitteln. Denn die beteiligten Firmen sorgen selbst für die Finanzierung jedes einzelnen RingPraktikums – sie stellen das erforderliche Personal und Material.

Ergebnisse und Erfolgsfaktoren

Von den 48 erfolgreichen Bewerbern pro Durchgang treten nach der Vorbereitungsphase durchschnittlich 45 das Praktikum an, 42 beenden es. Bis zu 15 von ihnen absolvieren anschließend das Mentoring-Programm, gut die Hälfte davon unterschreibt danach einen Ausbildungsvertrag in einem der Unternehmen, die einen Praktikumsplatz zur Verfügung gestellt haben. Doch auch die übrigen Absolventen haben mit der erfolgreichen Teilnahme am RingPraktikum ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert.

Weiteres Zeichen für den Erfolg: Im Rahmen der Initiative „ARRIVO“ wurde das RingPraktikum für die berufliche Integration von geflüchteten Menschen adaptiert. So konnte das Netzwerk Großbeerenstraße gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen und über 50 Berliner Betrieben ein RingPraktikum für 300 geflüchtete Menschen realisieren.