Mehr Wissen über technische Berufe: das Projekt „MINT-Kolloquium“

Eine Umfrage unter nordhessischen Oberstufenschülern zeigte: Sie kennen kaum Firmen in der Region und deren Ausbildungsplatzangebot. Hier setzt seitdem das „MINT-Kolloquium“ des Netzwerks MINT im Werra-Meißner-Kreis e. V. – Witzenhausen an: eine jährliche Veranstaltungsreihe bringt Unternehmen und Schüler zusammen.

Handlungsfelder:

Berufliche Ausbildung, Berufsorientierung, MINT

Zielgruppen:

Schulabgänger, Schüler

Bundesland:

Hessen

Ausgangslage und Ziele

Die großen, überregionalen Namen haben sie schon gehört. Doch welche Firmen es eigentlich alles vor ihrer Haustür gibt – und vor allem: Welche technischen Berufe man dort alles lernen kann – dazu ist das Wissen bei den Oberstufenschülerinnen und -schülern in Nordhessen überschaubar, wie eine Umfrage des Vereins MINT im Werra-Meißner-Kreis e. V. – Witzenhausen vor einigen Jahren zeigte. Weil es aber zahlreiche Unternehmen in der Region gibt, die dringend Azubis suchen, startete der Verein 2009 das Projekt „MINT-Kolloquium“. Ziel des Projekts: Die Schülerinnen und Schüler besuchen Firmen in ihrer Nähe und erfahren dort im Gespräch ebenso wie im praktischen Tun, was das jeweilige Unternehmen eigentlich produziert und welche Ausbildungsmöglichkeiten es dort gibt. Idealerweise entscheiden sich dadurch viel mehr junge Leute für eine Ausbildung in den örtlichen Firmen und bleiben der Region vielleicht auch später als Fachkräfte erhalten.

Maßnahmen

Mit Beginn jedes Schuljahres startet im Werra-Meißner-Kreis eine neue Veranstaltungsreihe des „MINT-Kolloquiums“. Zwischen September und Februar finden sechs Kolloquien in ausgewählten Firmen der Umgebung statt. Bestandteil jeder Veranstaltung ist ein praxisorientierter Vortrag. Die Schülerinnen und Schüler in den Oberstufen der Gymnasien und Fachoberschulen erhalten Infoflyer und können sich zu einer, mehreren oder allen Veranstaltungen anmelden. Wer an mindestens vier Kolloquien teilnimmt, erhält ein Zertifikat, das in der Bewerbungsmappe durchaus einen guten Eindruck macht. Gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern besuchen sie ausgewählte Firmen. Dort erfahren sie im Gespräch einiges über Produktionsabläufe und Ausbildung, dürfen die Fertigung besichtigen und werden meist auch in die Produktion eingebunden, um ganz praktisch zu erfahren, worauf es ankommt. Technische Berufe stehen dabei im Mittelpunkt, denn gerade dort bildet sich zunehmend der Fachkräftemangel heraus.

Ergebnisse und Erfolgsfaktoren

Im Netzwerk wird jede einzelne Veranstaltung jeder Reihe evaluiert. Auch die Schulen erhalten die Auswertung. An jedem Kolloquium nehmen durchschnittlich 30 bis 40 Schülerinnen und Schüler teil, der Verein stellt rund 35-40 Zertifikate pro Veranstaltungsreihe aus. Mit dieser Quote ist der Verein sehr zufrieden, er spiegelt nach Überzeugung der Akteure ein hohes Engagement wider, zumal die Veranstaltungen mit Absicht an Freitagnachmittagen, also in der Freizeit der Jugendlichen stattfinden. Immer wieder berichtet die örtliche Presse über die Reihe oder kündigt einzelne Veranstaltungen an, was hilft, das Projekt immer bekannter zu machen. War es anfangs noch eine Herausforderung, genügend Firmen zu gewinnen, ist die Zahl der Interessenten inzwischen groß und ausreichend. Auch auf Seiten der Schulen wird die Veranstaltungsreihe gut angenommen. Dies liegt nach Ansicht des Vereins vor allem an dem Praxisbezug der Kolloquien: Die Schülerinnen und Schüler erfahren aus erster Hand und sehr anschaulich, was Ausbildung heute bedeutet und welche Chancen sich ihnen in der Region bieten.