Mehr Unterstützung auf Augenhöhe – die „Fachkräftezentren Handwerk“

Viele Handwerksbetriebe plagt ein zunehmender Fachkräftemangel. Doch längst nicht alle kennen die richtigen Strategien und Instrumente dagegen. Ein Verbundprojekt in Niedersachsen und Bayern ermittelt nun systematisch Wege und Methoden sowie konkrete Unterstützungsangebote, um so viele Handwerksbetriebe wie möglich erreichen und unterstützen zu können.

Handlungsfelder:

Integration und/oder Zuwanderung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gesundheitsmanagement, Unternehmensthemen, Demografie

Zielgruppen:

Facharbeiter, Unternehmen

Bundesland:

Bayern, Niedersachsen

Ausgangslage und Ziele

Das Handwerk sucht dringend nach Fachkräften. Immer mehr Betriebe können derzeit Aufträge erst zeitversetzt oder überhaupt nicht annehmen. Zwar haben viele Handwerkskammern und andere Institutionen Angebote, um Handwerksbetriebe auf neue Wege der Fachkräftegewinnung und -sicherung zu führen. Doch kennen viele Handwerksbetriebe die Unterstützungsangebote nicht, fühlen sich nicht angesprochen oder kommen nicht dazu, sie wahrzunehmen. Diese Erkenntnisse kamen in einem Erfahrungsaustausch einiger Handwerkskammern zu Tage, zu dem die Handwerkskammer Hannover eingeladen hatte. Aus dem Austausch ging eine Initiative von vier Handwerkskammern – Hannover, Braunschweig-Lüneburg-Stade, München und Oberbayern sowie Niederbayern-Oberpfalz – hervor, die daran gemeinsam etwas ändern möchten. Gemeinsam entwickelten sie das Verbundprojekt „Fachkräftezentren Handwerk“, das seit Januar 2018 für zunächst drei Jahre vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert und von der Projekt- und Servicegesellschaft mbH der Handwerkskammer Hannover gesteuert wird.

Maßnahmen

Jede der vier Handwerkskammern führt ein Teilprojekt zu einem bestimmten Schwerpunktthema durch. Ein Beispiel: Das Fachkräftezentrum der Handwerkskammer Hannover hat das Ziel, die Eigenverantwortung der Beschäftigten im Handwerk zu fördern. Dafür untersucht es in einer aufwändigen Zielgruppenanalyse mit zahlreichen Tiefeninterviews, warum viele Unterstützungsangebote bei den Betrieben nicht oder nur unzureichend ankommen. Das Teilprojekt erhofft sich konkrete Erkenntnisse zu Werten, Einstellungen, Handlungsmustern und brennenden Themen sowie zu Gewohnheiten in der Information und Kommunikation. Auf Basis der Daten sollen Typen, sogenannte „Personas“, entwickelt werden, die eine zielgruppengerechte Ansprache ermöglichen. Je spezifischer die Ansprache, sind sich die Verantwortlichen einig, desto höher die Chance, dass Angebote auch wahrgenommen werden. Zweites Beispiel: Die Handwerkskammer für  München und Oberbayern führt ein Teilprojekt zur Gesundheit und Gesunderhaltung im Handwerk durch. Ziel ist es, die Betriebsberater der Handwerkskammern in Sachen Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) zu qualifizieren. BGM gilt als wichtiger Baustein in Betrieben, um Fachkräfte zu binden, viele Handwerksbetriebe kümmern sich aber noch zu wenig darum. Die Berater sollen, wann immer sie in Betriebe gehen und dort Potenzial sehen, ihre Gesprächspartner auf BGM und entsprechende Unterstützungsangebote aufmerksam machen.

Ergebnisse und Erfolgsfaktoren

Die vier Verbundpartner haben eine Roadshow konzipiert, mit der sie möglichst viele Handwerksbetriebe  erreichen und für bestimmte Themen sensibilisieren wollen. Die Premiere fand im März 2019 in Hannover statt – eine Art „Frühstücksformat“, an dem 180 Interessierte teilnahmen. Ein Drittel davon waren Vertreter von Handwerksbetrieben, was die Veranstalter als Erfolg werten. Die Roadshow wird auch in den drei übrigen Kammerbezirken durchgeführt. Zudem hat die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz eine Broschüre für Betriebe aufgelegt, die ganz praktisch erklärt, wie die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nachhaltig gelingt. Sie stößt auf großes Interesse. Ein wichtiger Erfolgsfaktor der genannten und weiterer Maßnahmen: Sie alle sind so konzipiert, dass sie nicht nur von den vier Projektpartnern, sondern von allen Handwerkskammern in Deutschland ohne weiteres adaptiert werden können. Denn das ist die Vision der vier Kammern: Kräfte zu bündeln, damit möglichst alle Handwerksbetriebe in Deutschland, die unter Fachkräftemangel leiden, Unterstützung finden.

Links zu den Projektseiten:
HWK München und Oberbayern
HWK Niederbayern-Oberpfalz
HWK Hannover
HWK Braunschweig-Lüneburg-Stade