Bahn frei für die Teilzeitausbildung – das Format „Brunch & Talk“

Das Netzwerk Teilzeitausbildung Baden-Württemberg sorgt seit 2011 dafür, die Möglichkeit der Teilzeitausbildung bekannter zu machen. Mit dem Format „Brunch & Talk“ gelang es, wichtige Multiplikator*innen von der Bedeutung des Themas zu überzeugen. Es stand am Ende der zweiten Förderperiode eines landesweiten Förderprogramms – und läutete die dritte Förderperiode ein.

Handlungsfelder:

Berufliche Ausbildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Zielgruppen:

Alleinerziehende, Auszubildende, Facharbeiter, Frauen, Wiedereinsteiger

Bundesland:

Baden-Württemberg

Ausgangslage und Ziele

Das Berufsbildungsgesetz ermöglicht Menschen seit 2005 unter bestimmten Voraussetzungen, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Für viele ist dies eine einzigartige Chance, eine fundierte Berufsausbildung mit familiären Verpflichtungen zu kombinieren. Firmen sichern sich so zusätzlichen Fachkräftenachwuchs. Bloß ist diese wichtige Botschaft immer noch nicht überall angekommen. Selbst bei Jobcentern und Wirtschaftskammern gibt es bisweilen noch Nachholbedarf, was Detailwissen zur Teilzeitausbildung angeht. Deshalb bündelt die Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik Baden-Württemberg unter dem Dach des Netzwerkes Teilzeitausbildung Baden-Württemberg seit 2011 die örtlichen Projekte, die es zu diesem Thema bereits gibt. Das Netzwerk organisiert den systematischen Austausch untereinander, wirbt öffentlich für Teilzeitausbildung und setzt sich auf Landesebene politisch für eine breitere Akzeptanz dieser Ausbildungsvariante ein. Das Land fördert aus ESF-Mitteln einige solcher Projekte. Rechtzeitig vor dem Ende des zweiten Förderzeitraumes sorgte das Netzwerk mit dem Format „Brunch & Talk“ für viel Aufmerksamkeit bei relevanten Entscheidern. Das Ziel: die Bedeutung des Themas zu verdeutlichen und eine Verlängerung der Förderung zu erreichen.

Maßnahmen

Tue Gutes und rede darüber, lautet eine Maxime, die sich das Netzwerk Teilzeitausbildung Baden-Württemberg im Herbst 2017 zu eigen machte. Es dachte sich das Format „Brunch & Talk – Bahn frei für unsere Zukunft“ aus, mit dem es auf ungewöhnliche Weise Bedeutung und Erfolge der Teilzeitausbildung herausstellen wollte. Ungewöhnlich war der Veranstaltungsort: die Straßenbahnwelt Stuttgart. Ungewöhnlich war außerdem der auf Grußworte und Vortrag zur Erwerbsarbeit und Lebenswelt junger Frauen folgende Programmteil. Denn 20 Teilzeit-Azubis aus ganz Baden-Württemberg, allesamt Frauen im Alter von 20 bis 35 Jahren, stellten sich, jeweils zu zweit, vor und gaben Einblick in ihre Ausbildung und ihr Leben zwischen Ausbildungsbetrieb und Familie. Die rund 100 Teilnehmenden aus Kammern, Ministerien, Landtag sowie von Bildungsträgern und anderen Institutionen verteilten sich auf zehn Gruppen und erhielten sehr offene, persönliche Einblicke in die Lebensrealität von je zwei Teilzeitazubis. Dazu fanden sie sich in zehn historischen Straßenbahn-Wagen zusammen.

Ergebnisse und Erfolgsfaktoren

„Wir wollten den Teilnehmenden einen ganz unmittelbaren Zugang zu dem Thema bieten, echte, unverstellte Einblicke in die vielfältige Realität“, erklärt Netzwerkkoordinatorin Ulrike Sammet. „Sie sollten noch mehr sensibilisiert werden für die Facetten eines Themas, mit dem viele sonst nur am Schreibtisch zu tun haben.“ Dies ist gelungen. Viele hätten sich nach der Veranstaltung beeindruckt und berührt gezeigt, viele hätten ihr berichtet, sich anschließend noch viel motivierter als zuvor für Teilzeitausbildung einsetzen zu wollen. Der wichtigste Erfolg: Das Land ließ die Förderung nicht auslaufen, sondern bewilligte eine dritte Förderperiode. Diese startete am 1. Januar 2018. Das Format „Brunch & Talk“ erwies sich als großer Erfolg und vertiefte den Zugang vieler Akteur*innen zum Thema. Seitdem ist der Bekanntheitsgrad der Teilzeitausbildung in Baden-Württemberg weiter gestiegen – ein Erfolg, von dem die künftigen Teilzeitazubis ebenso profitieren wie die ausbildenden Unternehmen.