Azubis informieren Schülerinnen und Schüler – die „Initiative Ausbildungsbotschafter“

In Baden-Württemberg suchen viele Unternehmen händeringend nach Auszubildenden, um ihren Fachkräftebedarf zu sichern. Die „Initiative Ausbildungsbotschafter“ unterstützt sie auf besondere Weise: Sie schult Azubis als Ausbildungsbotschafter*innen, die dann an Schulen gehen und bei Schüler*innen auf Augenhöhe für Ausbildung werben und deren Fragen beantworten.

Handlungsfelder:

Berufliche Ausbildung, Berufsorientierung

Zielgruppen:

Jugendliche, Lehrer, Schulabgänger, Schüler, Unternehmen

Bundesland:

Baden-Württemberg

Ausgangslage und Ziele

Baden-Württemberg ist als herausragender Wirtschaftsstandort bekannt. Stets liegt die Arbeitslosenquote unter derjenigen der meisten anderen Bundesländer, zahlreiche Weltmarktführer haben hier ihren Sitz. Die Wirtschaft brummt – und klagt über Fachkräftemangel. Je nach Region unterschiedlich stark, doch wird er in immer mehr Firmen und Branchen spürbar. Weil Ausbildung als zentrales Mittel zur Gewinnung von Nachwuchsfachkräften gilt, setzt sich in dem Bundesland bereits seit 2011 die Initiative Ausbildungsbotschafter dafür ein, bei Schülerinnen und Schülern sowie den Firmen für die duale Ausbildung zu werben. Die Initiative geht auf das Ausbildungsbündnis Baden-Württemberg zurück und wird von 16 Trägern – zehn Industrie- und Handelskammern, fünf Handwerkskammern sowie dem Bildungswerk der baden-württembergischen Wirtschaft – mit 25 regionalen Koordinatorinnen und Koordinatoren umgesetzt. Die Koordination des Netzwerks liegt beim Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag.

Maßnahmen

Die 25 regionalen Koordinatorinnen und Koordinatoren stehen im direkten Kontakt mit Ausbildungsbetrieben. Besonders engagierte und interessierte Azubis im zweiten und dritten Lehrjahr lernen in einer eintägigen Schulung, wie man präsentiert und überzeugend argumentiert – und werden dann von den Koordinatoren als Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter an Schulen vermittelt. Dort besuchen sie den Unterricht im Rahmen der Berufsorientierung und stehen den Schülerinnen und Schülern gemeinsam mit den zuständigen Lehrkräften, häufig auch dem jeweiligen Koordinator, als Gesprächspartner zur Verfügung. Sie geben ihr Erfahrungswissen sozusagen auf Augenhöhe weiter. Die Schülerinnen und Schüler können sie mit Fragen löchern, die ihnen auf der Seele brennen. So erhalten sie einen authentischen und überzeugenden Einblick in die Arbeits- und Ausbildungswelt. Eingesetzt werden meist mehrere Ausbildungsbotschafter unterschiedlicher Fachrichtung. Je nach Schule und Thema kann aber auch gezielt ein Ausbildungsberuf oder eine Berufsgruppe im Mittelpunkt stehen.

Ergebnisse und Erfolgsfaktoren

Bis Sommer 2018 konnte die Initiative über ihre 25 regionalen Koordinatoren mehr als 14.000 Azubis dafür gewinnen, sich als Ausbildungsbotschafter schulen zu lassen und in jeweils durchschnittlich sechs Einsätzen zu engagieren. Sie machen mit, weil sie überzeugt von ihrer Ausbildung sind und ihren Erfahrungsvorsprung gerne weitergeben. Die Firmen entsenden sie gerne, weil sie selbst von Ausbildung profitieren und deshalb ihrerseits zu deren Stärkung im Bundesland beitragen möchten. Mit mehr als 200 unterschiedlichen Ausbildungsberufen decken sie dabei ein sehr breites berufliches Spektrum ab. Das Netzwerk zählt über diese sieben Jahre fast 13.000 Schuleinsätze, inzwischen sind es 2.500 pro Jahr. Erreicht wurden dadurch insgesamt 321.000 Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg. Derzeit sind 4.300 junge Ausbildungsbotschafter aktiv; zum Einsatz kommen sie in rund 40 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen des Landes. Diese schätzen an dem Projekt den direkten Kontakt zwischen Azubis, Schülerinnen und Schülern. Sie können sich in einer Weise austauschen, wie es zwischen Schülern und Erwachsenen nicht in gleicher Form möglich wäre.