Ältere Menschen in Beschäftigung bringen – die Vermittlungsstelle Seniorenjobs im Landkreis Mainz-Bingen

Immer mehr ältere Menschen wollen arbeiten, viele müssen es, um ihre Altersbezüge aufzubessern. Im rheinland-pfälzischen Landkreis Mainz-Bingen reagiert man innovativ auf diese Entwicklung: Die Vermittlungsstelle Seniorenjobs bringt arbeitssuchende Ältere mit Firmen und anderen Arbeitgebern zusammen.

Handlungsfelder:

Beschäftigung Älterer, Demografie

Zielgruppen:

Ältere, Unternehmen

Bundesland:

Rheinland-Pfalz

Ausgangslage und Ziele

Für bestimmte Bevölkerungsgruppen hat in Deutschland das Armutsrisiko zugenommen. Dazu zählen auch Menschen über 65 Jahren. Der Seniorenbeirat des Landkreises Mainz-Bingen entwickelte deshalb 2016 die Idee, eine Stelle einzurichten, um Nebentätigkeiten für Rentner zu akquirieren und zu vermitteln und damit Zuverdienstmöglichkeiten für Ältere zu schaffen: die „Vermittlungsstelle Seniorenjobs“. Der Kreistag beschloss einstimmig, eine solche Stelle zu etablieren. Im Mai 2016 ging das Projekt in die Konzeptionsphase, im September 2016 nahm die Vermittlungsstelle ihre Arbeit auf. Zeitgleich startete sie ihre Online-Jobbörse. Das Projekt bringt erstmals in dem rheinland-pfälzischen Landkreis Arbeitgeber und Rentner zusammen, die das gleiche Interesse haben: Jobs unterhalb der Schwelle sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Firmen finden damit versierte Fachkräfte, um zum Beispiel Spitzen abzufangen, die aktiven Älteren können ihr Alterseinkommen verbessern. Andere schätzen wiederum, wie Studien zeigen, Arbeiten als Teil der Lebensführung im Rentenalter.

Maßnahmen

Die Vermittlungsstelle Seniorenjobs ist angesiedelt bei der Leitstelle „Gut altern in Mainz-Bingen“. Eine hauptamtliche Netzwerkkoordinatorin steuert mit halber Stelle das Projekt. Kernelement ist ein Onlineportal, in dem Arbeitgeber qualifizierte Jobangebote platzieren und Senioren Jobs suchen können. Ältere Menschen finden dort aber auch juristische und praktische Informationen und Tipps rund um das Thema „Arbeiten trotz Rente“. Außerdem organisiert die Vermittlungsstelle dazu regelmäßig Informationsveranstaltungen, die im Internet frühzeitig beworben werden. Geplant ist zudem, einmal im Jahr eine Fachtagung durchzuführen, erstmals im September 2018. Zu den Aufgaben der Projektleiterin zählen zudem die Akquise der Jobs bei den Unternehmen und anderen Arbeitgebern, persönliche Beratung der Jobsuchenden, die Initiierung von Weiterbildungsangeboten und die Öffentlichkeitsarbeit.

Ergebnisse und Erfolgsfaktoren

Bis Ende März 2018 erhielt die Vermittlungsstelle insgesamt 202 Jobangebote von Unternehmen und Privatpersonen. Knapp 170 Seniorinnen und Senioren interessierten sich in den ersten anderthalb Projektjahren für einen Job. Konkret vermitteln konnte die Vermittlungsstelle 32 Beschäftigungsverhältnisse. Mit zunehmender Bekanntheit des Projektes steigt die Nachfrage auf beiden Seiten. Als Erfolge wertet die Vermittlungsstelle zudem die Erwähnung als Praxisbeispiel in der Broschüre „Länger Arbeiten“ der Bundesregierung und die Verlängerung des Projektes um zwei Jahre bis Herbst 2020. Der Kreistag beschloss das im Juni 2018 einstimmig. Damit unterstrich er die Notwendigkeit einer solchen Vermittlungsstelle – und stellte sicher, dass sie sich weiterentwickeln kann. Das ist wichtig, denn derzeit ist die Schnittmenge zwischen dem Bedarf an Zuverdienstmöglichkeiten und adäquaten Angeboten noch klein. Während im kaufmännischen Bereich sehr wenige Angebote einer starken Nachfrage gegenüberstehen, übersteigt das Jobangebot in den Bereichen Gastronomie, Aushilfe/Aufsicht und Hauswirtschaft sehr deutlich die Zahl der Interessenten. Deshalb möchte die Vermittlungsstelle ihre Kontakte zu den Arbeitgebern vertiefen und ausweiten und sich auch noch enger mit Wirtschaftskammern, Verbänden und Vereinen vernetzen.