Studienabbrecher: Du willst nur einmal scheitern

Das Aachener Projekt „Switch“ vermittelt Studienabbrecher erfolgreich an Unternehmen, in denen sie eine verkürzte Berufsausbildung absolvieren. Für viele ist das die überraschend einfache Rettung in der Not.

Es sind schon ziemliche Horrorzahlen. Ein Drittel aller MINT-Studenten bricht das Studium ab – 36 Prozent im Ingenieurwesen und unglaubliche 50 Prozent in der Mathematik. Vielen sind die Anforderungen zu hoch, anderen die Vorlesungen zu theorielastig. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam, egal aus welchem Fach sie kommen, egal aus welchen Gründen sie abgebrochen haben: Sie tragen nun den vermeintlichen Stempel des Scheiterns. Doch ebenso wie ein Bachelorabschluss bietet auch ein abgebrochenes Studium eine neue Chance. Die Chance auf einen Bildungsweg, der einem besser liegt und an dessen Ende – bestenfalls – ein Beruf liegt, der einen erfüllt und glücklich macht.

Um Studenten diese Chance zu ermöglichen, wurde 2011 in Aachen das Projekt „Switch“ entwickelt. Der Name sagt bereits, um was es sich dreht. Studienabbrecher der Aachener Hochschulen sollen die Möglichkeit erhalten, ihren Bildungsweg zu wechseln, den Schalter umzulegen und noch einmal von vorne anzufangen, indem sie eine verkürzte Ausbildungszeit bei einem klein- oder mittelständischen Unternehmen in der Region Aachen antreten. „Es ist kein Geheimnis“, erzählt Lotta Conrads, Leiterin von Switch, „dass die MINT-Fächer seit Jahren unter einer hohen Quote von Studienabbrechern leiden. Gleichzeitig suchen die Unternehmen nach Fachkräften, und die Berufsschulen freuen sich über neue Schüler – Switch verbindet sie alle.“

Das Pilotprojekt begann 2011 mit 16 Studienabbrechern als Auszubildenden im Beruf Fachinformatik für Anwendungsentwicklung, die allesamt an regionale IT-Unternehmen vermittelt wurden konnten. Seit 2015 ist Switch Teil des Jobstarter-Plus-Programms und wird damit finanziell vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Europäischen Sozialfonds unterstützt. Angela Merkel höchstpersönlich besuchte damals die ComConsult Kommunikationstechnik GmbH, eines der teilnehmenden Switch-Unternehmen in Aachen, um sich mit dem Projekt vertraut zu machen. „Wir haben mit Frau Merkel eine Diskussion geführt, weshalb es so viele Studienabbrecher gibt“, erinnert sich Kris Ouwersloot, ehemaliger Switch-Azubi, der 2015 noch bei ComConsult gelernt hat. „Jedem, der Abitur macht, wird erst einmal unterstellt, er müsse studieren. Es gibt kaum Eltern, die ihren Kindern nach dem Abitur empfehlen eine Ausbildung zu machen.“ ...

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Quelle: faz.net, 15. März 2018 von Jessica Bürger