ROUNDUP/IW-Studie: Deutschland braucht mehr Fachkräfte aus Drittstaaten

BERLIN (dpa-AFX) - Für den Erhalt von Wachstum und Wohlstand ist die deutsche Wirtschaft laut einer neuen Studie zunehmend auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen.

So habe in den vergangenen Jahren ein Beschäftigungsaufbau stattgefunden, der ohne Zuwanderung kaum möglich gewesen wäre, teilte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Mittwoch mit. Nun komme es darauf an, die Attraktivität für international mobile Fachkräfte zu erhalten und zu steigern sowie mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Land zu gewinnen, so dass sie dann auch in Deutschland bleiben.

Zwischen Juni 2012 und Juni 2017 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten laut IW insgesamt um 2,88 Millionen auf den Rekordwert 32,16 Millionen. Dabei habe die Beschäftigung von Inländern um 1,61 Millionen und die von Ausländern um 1,28 Millionen zugenommen, so das Institut unter Berufung auf die Bundesagentur für Arbeit.

Die Zunahme der Ausländerbeschäftigung in den vergangenen fünf Jahren war mit 889 000 wesentlich durch EU-Zuwanderer getragen. Nur 386 000 kamen aus Drittstaaten. Auf längere Sicht aber sei Deutschland auf Zuwanderer aus diesen Ländern angewiesen, da auch die anderen EU-Länder vom demografischen Wandel betroffen seien und Arbeitskräfte bräuchten.

Ein Grund des wachsenden Fachkräftemangels ist das Älterwerden der Gesellschaft auch in Deutschland. Im nächsten Jahrzehnt werden laut IW die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge 1955 bis 1969 altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.

Zuletzt waren laut IW 68 Prozent der Albaner in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 58 Prozent der Bosnier und 53 Prozent der Serben. Flüchtlinge aus Afghanistan, Irak oder Syrien sind noch vergleichsweise selten regulär beschäftigt.

Deutschland sei zwar attraktiv für international mobile Fachkräfte. Das zeige die Zuwanderung aus Indien mit einem Anstieg der hier beschäftigten Inder um 20 000 auf 37 000 binnen fünf Jahren. Das IW forderte aber, die Kriterien für die Vergabe von Aufenthaltstiteln und die Verfahren müssten transparenter und besser nachvollziehbar werden. Deutschland müsse zudem verstärkt junge Menschen mit den entsprechenden Grundqualifikationen für eine betriebliche oder universitäre Ausbildung und einen späteren Verbleib im Land gewinnen.

Die Grünen-Wirtschaftspolitikerin Kerstin Andreae warf der Regierungskoalition vor, qualifizierte Zuwanderung zur Arbeitsplatzsuche sei bei ihren Vorschlägen nicht vorgesehen. "Aus unserer Sicht geht das an der unternehmerischen Realität vorbei."

Unterdessen teilte das Statistische Bundesamt mit, dass es eine Wende auf dem Ausbildungsmarkt gegeben habe. Erstmals seit 2012 begannen vergangenes Jahr wieder mehr junge Menschen eine Ausbildung in Deutschland. 2017 schlossen rund 514 900 junge Menschen einen neuen Lehrvertrag ab. Als Ursache für die Wende vermuten die Statistiker nun die zunehmende Ausbildung von Flüchtlingen. Belegen lasse sich dies aber noch nicht, betonen sie./bw/DP/fba

Die vollständige Studie finden Sie hier.

Quelle: dpa