Neue Migrationsstudie zeigt: Zuwanderer dringend gesucht

Reiner Klingholz im Gespräch mit Stephan Karkowsky: Die Politik steht vor einer doppelten Herausforderung, zeigt eine neue Migrationsstudie. Einerseits muss sie illegale Einwanderung kontrollieren – andererseits aber auch attraktive Bedingungen für Zuwanderer schaffen, die als Fachkräfte benötigt werden.

Stefan Karkowsky: Carola Rackete ist frei. Ein italienisches Gericht ordnete gestern ihre Entlassung an aus dem Hausarrest. Der zivile Ungehorsam der Seawatch-Kapitänin hat viel in Gang gesetzt und das Thema Seenotrettung wieder ganz nach vorn gebracht. Passend dazu veröffentlicht heute (3.7.19) das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung eine Studie zur Zukunft der globalen Migration. Und die könnte man auf die grobe Schlagzeile reduzieren: Wir brauchen in Europa nicht weniger, sondern mehr Zuwanderung. Reiner Klingholz, Sie leiten das Institut. Würden Sie meiner Schlagzeile zustimmen?

Reiner Klingholz: Das ist im Prinzip richtig, denn Europa ist von allen Regionen der Welt im demografischen Wandel am weitesten fortgeschritten. Das heißt, bei uns in Europa ist die Bevölkerung am stärksten gealtert und die Nachwuchszahlen sind am geringsten. In den nächsten 15 Jahren wird sich die geburtenstarke Gruppe der Babyboomer in allen Ländern Europas in den Ruhestand verabschieden, das heißt allein für Deutschland, dass wir bis 2030 etwa fünf Millionen weniger Erwerbsfähige haben werden.

Druck von außen versus Nachfrage

Karkowsky: Ihre Studie trägt den Titel „Europa als Ziel?“. War das Ihr Hauptanliegen, zu prüfen, wie viele Migranten die Absicht haben, nach Europa einzuwandern?

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Quelle: www.deutschlandfunkkultur.de, 05.07.2019