Medienbeobachtung September 2020

Gleich mehrere Medien griffen im September aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf: Offenbar haben die Unternehmen in Deutschland immer größere Schwierigkeiten, offene Stellen für IT-Fachkräfte zu besetzen. Wie die Statistik auch zeigt, steigen zugleich IT-Ausbildungsberufe bei jungen Leuten im Ansehen. In diesem Zusammenhang macht eine Reportage im „Handelsblatt“ auf sogenannte „Coding Bootcamps“ aufmerksam. In wenigen Wochen können sich Fach- und Führungskräfte zu Datenspezialisten qualifizieren. Die Einstiegshürden sind laut dem Medienbericht allerdings hoch.

Interessant auch ein Bericht im Fachmagazin „Neue Landschaft“. Immer mehr Mittelständler setzen offenbar auf Social Media als Recruiting-Instrument. Außerdem spielt das Gehalt weiterhin eine wichtige Rolle im Wettbewerb um Talente.

Erfreuliche Nachricht aus der Netzwerk-Szene: In Hessen ging im September mit Unterstützung des Innovationsbüros ein neues Fachkräftenetzwerk an den Start! Zudem berichteten lokale Medien über Veranstaltungen im Rahmen der bundesweiten „Aktionswochen Fachkräftesicherung 2020: Menschen in Arbeit – Fachkräfte in den Regionen“, die das Innovationsbüro im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales begleitet.

In unserem „Schlaglicht Arbeiten 4.0“ greifen wir diesmal einen Medienbericht auf, der das Augenmerk seiner Leserinnen und Leser auf die gesundheitlichen Vorteile digitaler Kompetenz lenkt – und einen Bericht, der den Fachkraft-Kollegen der Zukunft vorstellt: einen Roboter, der zum Beispiel Maschinen be- und entladen, entgraten oder ein Programm starten und beenden kann.


Überregionales

Unternehmen in Deutschland fällt es immer schwerer, offene Stellen für IT-Experten zu besetzen. Das teilte das Handelsblatt im September mit. „Mehr als zwei Drittel der Firmen berichteten von Schwierigkeiten, IT-Fachkräfte einzustellen“, heißt es unter Berufung auf neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Vier Jahre zuvor habe noch weniger als die Hälfte der Unternehmen Probleme dieser Art angegeben. „Der wachsende Bedarf an IT-Fachkräften in den Unternehmen“, schreibt die Tageszeitung, „löst auch ein zunehmendes Interesse an einer entsprechenden Ausbildung aus.“ In der Rangliste der am stärksten besetzten Ausbildungsberufe in Deutschland sei der Beruf „Fachinformatiker/-in“ von Platz 20 im Jahr 2009 auf Platz 8 im vergangenen Jahr vorgerückt. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) griff dieses Thema auf.

„In zwölf Wochen zur IT-Fachkraft“ – so ist ein anderer Artikel im Handelsblatt überschrieben – wäre da natürlich eine ideale Lösung. Das Handelsblatt berichtet von Express-Ausbildungen für Quereinsteiger. Die Autorin und der Autor besuchen ein sogenanntes „Coding Bootcamp“ in Köln, ein Crashkurs für Fach- und Führungskräfte, die Programmieren lernen möchten. Nach zwölf Wochen dürften sie sich „Data Scientist“ nennen, heißt es in der Reportage, und weiter: „Ein gefragter Job; gerade im Bereich Big Data, also der Verarbeitung und Auswertung riesiger Datenmengen, herrscht in vielen Unternehmen Mangel an guten Leuten.“ Aber: Wer an einem Bootcamp teilnehme, brauche den unbedingten Willen, sich durchzubeißen, zitiert das Handelsblatt einen Bootcamp-Anbieter. Um Frustrationen zu vermeiden, würden die meisten Akademien anspruchsvolle Auswahlverfahren vor ihre Kurse schalten – unter anderem um Leute auszusieben, die nur auf die hohen Gehälter in der Branche schielen.

Mit dem Wettbewerb um Talente insgesamt befasste sich die FAZ im September. „Eine zentrale Frage in diesem Zusammenhang ist die nach dem Gehalt“, befindet die Autorin und fragt: „Um wie viel besser stehen Akademiker eigentlich mit Blick auf das Einkommen aufs ganze Berufsleben gerechnet da – vor allem, wenn man bedenkt, dass Menschen mit Berufsausbildung viel früher ins Arbeitsleben starten können? Antworten liefert laut FAZ eine aktuelle Analyse der Internetplattform Gehalt.de. Grundlage bilden sogenannte „Lebenseinkommen“, also addierte Jahresgehälter des gesamten Berufslebens. „Akademiker haben klar die Nase vorn“, schreibt die Autorin – im Schnitt lägen ihre Lebenseinkommen um knapp eine Million Euro über denen von Personen mit beruflicher Ausbildung. Dennoch hätten junge Fachkräfte einen Startvorteil. Zu differenzieren sei zudem zwischen Berufen und Branchen.

Um neue Fachkräfte zu gewinnen, setzen offenbar immer mehr Mittelständler Social Media ein. Dies berichtet das Fachmagazin Neue Landschaft unter Berufung auf die Ergebnisse der European SME Survey, für die die KfW gemeinsam mit anderen europäischen Förderbanken mehr als 2.500 Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien und dem Vereinigten Königreich befragt habe. „Aktuell setzen rund 40 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland Social Media für die Rekrutierung ein, im europäischen Durchschnitt sind es sogar 46 Prozent“, heißt es in dem Beitrag. XING, Facebook und LinkedIn seien dabei zurzeit die am meisten genutzten Plattformen von Personalleitern. „Mithilfe eines eigenen Profils wollen die Unternehmen hier potenzielle Bewerber auf sich aufmerksam machen“, schreibt das Fachmagazin. Dieser Trend des sogenannten „Passive Sourcing“ werde ergänzt durch das „Active Sourcing“. „Dabei“, so der Bericht, „durchsuchen Personalleiter gezielt die zu Bewerbungszwecken erstellten Profile von Nutzern und schreiben aktiv Jobsuchende an, die einen viel versprechenden Lebenslauf sowie die passenden Qualifikationen haben.“


Regionale Meldungen

Das Land Brandenburg setzt auf Fachkräfteeinwanderung aus dem Ausland und hofft dabei auch auf Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten. „Potenziell gehen wir von ungefähr 1.600 Fachkräften per annum aus“, zitierte die Tageszeitung Welt Mitte September den brandenburgischen Wirtschaftsminister. Es gäbe derzeit Nachfrage aus Indien, Malaysia und Indonesien, vor allem im Gaststättenbereich. Nach Überzeugung des Ministers sei diese Fachkräftegewinnung ein wesentlicher Baustein, damit allein lasse sich das Problem des Fachkräftemangels aber nicht lösen. „Denn bis 2030 werde ein Rückgang von rund 210 000 Erwerbstätigen im Land erwartet“, heißt es in dem Zeitungsbericht.

Auch das Sauerland sucht Fachkräfte. Dazu startete die Wirtschaftsförderung Schmallenberg Unternehmen Zukunft (SUZ) jetzt eine neue Marketingoffensive. Einem Bericht des Sauerlandkuriers zufolge soll die neue „Greencard Schmallenberg“ den Wirtschaftsstandort stärker hervorheben und überregional bekanntmachen. Ihre Erfinder verstehen die „Greencard“ als Eintrittskarte in die Wirtschafts- und Tourismusregion Schmallenberg, das Projekt soll helfen, Fachkräfte von außen zu gewinnen und Familien für die Region mit ihren vielen Facetten zu begeistern.

In Rheinland-Pfalz hat sich ein neuer Fachkräfteverband gegründet. Wie die Rheinpfalz im September mitteilte, schlossen sich rund 100 Erzieherinnen und Erzieher zu einem neuen Kita-Fachkräfteverband zusammen. „Wir wollen damit die Lücke schließen, dass wir keinen eigenen Berufsverband haben“, zitiert die Tageszeitung die Vorsitzende. Es sei gut, dass sich Gewerkschaften um höhere Tarife für die Beschäftigten bemühten. Der neue Fachkräfteverband wolle sich vor allem für eine möglichst hohe Qualität der frühkindlichen Bildung in den Kindertagesstätten einsetzen. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin sagte laut „Rheinpfalz“, es sei gut, „wenn sich die Fachkräfte austauschen, zusammentun, ihre Stimme in der Gesellschaft stärken und so dazu beitragen, dass ihre wertvolle Arbeit noch stärker gesehen wird.“


Netzwerke

Zu den vielen vom Innovationsbüro Fachkräfte für die Region unterstützten Fachkräftenetzwerken in Deutschland ist ein weiteres hinzugekommen: Bei einem Gründungsworkshop hoben Vertreterinnen und Vertreter des Kreises, des Kommunalen Jobcenters, der Kreishandwerkerschaft, der örtlichen Industrie- und Handelskammer, der Kreisvolkshochschule, der AVM gGmbH Rüsselsheim, des DGB und der katholischen Betriebsseelsorge im September das Netzwerk Fachkräftesicherung aus der Taufe, berichtete das Darmstädter Nachrichtenportal Echo. Moderiert wurde der Workshop von Jan Kuper und Jasmin Günther vom Innovationsbüro. Das erste inhaltliche Netzwerkprojekt wird sich laut dem Bericht mit „Qualifizierungspartnerschaften“ befassen. „Dabei geht es darum, den Fachkräftebedarf von Unternehmen zu erkennen – unter anderem ist eine Umfrage geplant – und Menschen auf die entsprechenden Bedarfe hin zu qualifizieren“, heißt es in dem „Echo“-Beitrag.

Auch während der Corona-Pandemie bleibt die Fachkräftesicherung für viele Unternehmen und Regionen eine wichtige Aufgabe. Unterstützung gab es auch dieses Jahr wieder vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Berliner Innovationsbüro – und zwar in Form der „Aktionswochen Fachkräftesicherung 2020: Menschen in Arbeit – Fachkräfte in den Regionen“. Zum Auftakt machte beispielsweise das regionale Nachrichtenportal Oberpfalz Aktuell auf das Projekt mit bundesweit rund 80 Veranstaltungen aufmerksam. „Die Aktionswochen bilden die Möglichkeit, das regionale Engagement zur Fachkräftesicherung öffentlich zu würdigen“, heißt es in dem Bericht.

Aus Anlass der bundesweiten „Aktionswochen Fachkräftesicherung 2020“ hatte die Arbeitsagentur Oberhavel in die „Casa Reha“ nach Glienicke eingeladen, wie die Märkische Oderzeitung im September berichtete. Die Einrichtung mit 128 Bewohnerinnen und Bewohnern und mehr als 120 Mitarbeitenden zeige Wege auf, wie Personal gehalten und gewonnen werden kann, schreibt der Autor. Wichtig für die Motivation seien Anerkennung und Aufmerksamkeit gegenüber den Mitarbeitenden, zitiert er die Heimleiterin. Das geschehe auf mehreren Ebenen. So gebe es beispielsweise Prämien für Mitarbeitende, die neue Kolleginnen oder Kollegen werben. Außerdem würden die Angestellten von Leistungsprämien, Mitarbeitertagen, Ausflügen sowie internen und externen Weiterbildungsmaßnahmen profitieren.


Schlaglicht Arbeiten 4.0

„Digitale Kompetenzen steigern Wohlbefinden und Produktivität“, lautet die Überschrift eines Berichts im Ärzteblatt. Unter bestimmten Voraussetzungen könne sich die Digitalisierung der Arbeitswelt positiv auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten auswirken, teilte die Fachzeitung im September mit und berief sich dabei auf eine gemeinsame Studie der Krankenkasse Barmer und der Universität St. Gallen. Vor allem digitale Profis würden von neuen Arbeitsplatzkonzepten profitieren. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass digitale Kompetenzen zum Umgang mit neuen Technologien einen wichtigen Hebel darstellen, um die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Beschäftigten positiv zu beeinflussen“, zitierte das „Ärzteblatt“ den Vorstandsvorsitzender der Barmer.

Laut einem Bericht des Fachmagazins konstruktionspraxis haben vor allem mittelständische Unternehmen Schwierigkeiten, bei längeren Ausfällen durch Krankheit oder Elternzeit oder bei kurzfristigen Arbeitsspitzen die fehlende Fachkraft kurzfristig zu ersetzen. Genau für diesen Fall habe das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU zusammen mit dem Lösungsanbieter Industrie-Partner einen mobilen Roboter entwickelt, der autonom Werkzeugmaschinen bedienen könne. Er sei bereits im Einsatz und könne von Unternehmen gebucht werden. Der Roboter werde direkt vor die zu bedienende Werkzeugmaschine gestellt und arbeite dann eigenständig genau die Arbeitsschritte ab, die sonst von der Fachkraft ausgeführt werden. „Er kann beispielsweise die Maschine be- und entladen“, heißt es in dem Artikel, „das Spannsystem steuern, entgraten oder das Programm starten und beenden.“