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Medienbeobachtung September 2018

Es ist noch keine Einigung, wie die Medien betonen. Aber immerhin hat sich die Bundesregierung auf Eckpunkte für ein Zuwanderungsgesetz verständigt. Die Nachricht kam bei Redaktionsschluss dieser Medienschau Anfang Oktober. Wir halten sie für wichtig genug, um sie in die Medienschau September aufzunehmen und nicht einen Monat zu warten.

Doch auch der September war, wie immer, voll von Nachrichten zum Thema Fachkräfte, richtiger: zum Mangel an Fachkräften in immer mehr Regionen und Branchen. So klagen inzwischen auch immer mehr Start-ups über zunehmende Schwierigkeiten, ihre ersten offenen Stellen adäquat besetzen zu können. In bestimmten Mangelberufen gibt es laut einem Bericht der FAZ überhaupt keine oder nur ganz wenige Bewerber.

Hoffnung verbreitet der Chef der Monopolkommission in Sachen Arbeiten 4.0: Er ist überzeugt davon, dass die technologische Revolution die Arbeitsplätze besser macht.

 

Überregionales

Die Bundesregierung hat sich auf Grundzüge für die Zuwanderung von Fachkräften aus Staaten außerhalb der EU verständigt. Wie Zeit online und viele andere Medien berichten, dürfen ausländische Fachkräfte zur Arbeitsplatzsuche für sechs Monate einreisen. Ziel des Gesetzes sei es, „bei der Gewinnung qualifizierter Fachkräfte aus Drittstaaten deutlich erfolgreicher“ zu werden. „Insgesamt richten wir unsere Bemühungen am Bedarf unserer Volkswirtschaft aus und berücksichtigen die Qualifikation, das Alter, Sprachkenntnisse, den Nachweis eines konkreten Arbeitsplatzangebotes und die Sicherung des Lebensunterhaltes in angemessener Weise“, zitiert „Zeit online“.

In Deutschland klagen inzwischen nicht mehr nur etablierte Unternehmen über Fachkräftemangel, sondern neuerdings auch Start-ups. „Junge Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen“, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf eine Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern von Unternehmen, deren Gründung maximal zehn Jahre zurückliegt. Fast zwei Drittel von ihnen finden die Rekrutierung demzufolge schwierig oder sehr schwierig. Zudem bremse der Mangel an geeigneten Arbeitskräften die Expansionspläne der jungen Unternehmen, schreibt die FAZ.

 

Regionale Meldungen

Damit sich neu zugezogene ausländische Fachkräfte und ihre Familien in der neuen Heimat wohl fühlen, bieten die Stadt Düsseldorf, der Landkreis Mettmann und die IHK Düsseldorf mit dem Expat Service Desk zahlreiche Angebote. Der Lokale Anzeiger Erkrath berichtete im September über eine Bustour, bei der internationale Beschäftigte und ihre Familien die Region kennenlernen konnten.

Die Bundesstadt Bonn will junge Fachkräfte mit einer neuen Werbekampagne gewinnen. „Klarspüler“, „Straßenkünstler, „Schutzengel“ und „Waldmeister“ würden bei der Stadt Bonn ihren Dienst verrichten, berichtet die Bonner Rundschau. Allerdings im übertragenen Sinn. „Dahinter verbergen sich in Wahrheit Mitarbeiter, die in Kläranlagen und im Bauamt sowie im Jugend- und dem Forstamt eingesetzt werden“, heißt es in der Lokalzeitung. Die ungewöhnlichen und humorvollen Berufsbezeichnungen seien Teil der neuen Kampagne „Bonn macht Karriere“, mit der die Stadt in einem immer härter werdenden Wettbewerb mit anderen Kommunen und Behörden sowie der Wirtschaft Fachkräfte gewinnen wolle.

 

Schlaglicht Arbeiten 4.0

Der Digitalisierung der Arbeitswelt und den mit ihr verbundenen Chancen und Risiken widmete sich im September eine Diskussionsveranstaltung beim „young+restless Breakfastclub whatnext“ in der Telefónica Digital Lounge in Berlin. Wie der Freitag berichtete, ging es dabei auch um die Rolle des Staates. Während Roland Wolf, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e.V. für Zurückhaltung seitens des Gesetzgebers plädiert habe, habe die Sprecherin für Arbeit 4.0 der Fraktion DIE LINKE im Bundestag gefordert: „Die Politik hat sehr wohl eine Verantwortung, wenn es um gesellschaftlichen Wandel geht.” Gestritten wurde laut „der Freitag“ zum Beispiel über das Arbeitszeitgesetz. Die Arbeitsbelastung durch die Digitalisierung nehme deutlich zu, war ein weiterer Kritikpunkt – anderer Diskussionsteilnehmer gingen dagegen davon aus, „dass die Belastungen und Gefährdungen auf lange Sicht abnehmen werden.“

 

Für Achim Wambach ist die Sache klar: „Die technologische Revolution macht Arbeitsplätze besser“, betonte der Chef der Monopolkommission im September im Interview mit dem Tagesspiegel. Die Digitalisierung sei anders als frühere technische Veränderungen. „Es fallen nicht unbedingt die einfachen Tätigkeiten weg, sondern die Routinejobs, die es ja auch in der Mittelschicht gibt“, sagte Wambach im Interview mit der Berliner Tageszeitung. „Dagegen werden wir auch in Zukunft Menschen in der Alten- und Krankenpflege brauchen. Oder im Supermarkt.“ Für die Unternehmen heiße das: Sie „müssen ihre Mitarbeiter weiterbilden und in neue Bereiche führen“.