Medienbeobachtung Oktober 2020

Corona überall. Unserer Medienbeobachtung liegen zwar Stichworte wie „Fachkräftemangel“ oder „Fachkräftesicherung“ zugrunde, dennoch erzielt man derzeit kaum einen Treffer, bei dem es nicht auch um Corona geht. Mal geht es darum, dass Corona den Wettbewerb um Fachkräfte verstärke, mal darum, dass die Nachfrage nach Fachkräften zwar steige, aber weit hinter den Vor-Corona-Zeiten liege. Auch in den Regionen dreht sich in der Berichterstattung über das große Fachkräfte-Thema vieles um den Zusammenhang mit dem noch größeren Corona-Thema. Klar ist aber: Der Fachkräftemangel ist und bleibt ein Medienthema. Auch im Oktober.

Wichtige Stichworte bei den Meldungen aus einzelnen Regionen: zunehmende Vernetzung und innovative Ideen, um Fachkräfte zu gewinnen und zu sichern. In Augsburg sollen sie sogar an das meistbietende Unternehmen versteigert werden, während sich in Osnabrück sogar die Bürgerinnen und Bürger damit befasst haben, was eigentlich „typisch Osnabrück“ ist und mit welchen Argumenten man Fachkräfte in die Region (zurück-)holen kann.

Im „Schlaglicht Arbeiten 4.0“ werfen wir diesmal einen Blick in die Zukunft der Logistikbranche und eine gedeihliche Zusammenarbeit in Zeiten des Homeoffices. In einem weiteren Beitrag geht es um Weiterbildung in Zeiten der Digitalisierung.


Überregionales

„Wir fördern Anerkennung“ heißt ein neues Siegel des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). „Gedacht ist es für Arbeitgeber, die Beschäftigte dabei unterstützen, dass deren ausländische Berufsabschlüsse anerkannt werden, die Vielfalt schätzen und die Weiterbildung vorantreiben“, berichtet im Oktober das handwerksblatt. Unternehmen aus dem IHK- und Handwerksbereich könnten sich unter www.siegelcheck.unternehmen-berufsanerkennung.de um das Siegel bewerben, heißt es weiter. Die Betriebe könnten mit dem Siegel auf ihren Firmenfahrzeugen, auf ihren Internetseiten, in ihrer E-Mail-Signatur oder im Geschäft damit werben, dass sie sich engagieren. „Mit dem Siegel zeigen Betriebe auch, dass es sich lohnt, bei Ihnen zu arbeiten und sie sprechen neue Fachkräfte an“, zitiert das „handwerksblatt“ den ZDH-Generalsekretär.

Laut jüngstem „Hays-Fachkräfte-Index“ nimmt die Nachfrage nach Fachkräften wieder Fahrt auf, war im Oktober auf FinanzNachrichten.de zu lesen. Der Index sei im Vergleich zum zweiten Quartal 2020 um 16 Punkte angestiegen, liege allerdings immer noch deutlich unter dem Niveau der vergangenen drei Jahre. Die Nachfrage nach Fachkräften habe sich jedoch für die einzelnen Spezialisierungen unterschiedlich entwickelt. Den stärksten Zuwachs im Vergleich zum Vorquartal würden Life-Sciences-Spezialisten, Sales- und Marketing-Spezialisten sowie Personalexperten verzeichnen. „In der IT“, heißt es in dem Beitrag, „stieg die Nachfrage im Vergleich zum Vorquartal am stärksten bei IT-Security-Spezialisten, Datenbankentwicklern sowie Webentwicklern an.“

„Corona verstärkt den Wettbewerb“ um Fachkräfte, titelt Markt und Mittelstand im Oktober. Das Magazin beruft sich dabei ebenfalls auf eine Studie des Personalberatungsunternehmens Hays und bringt dazu ein Interview mit dessen Geschäftsführer Alexander Heise. „Ob Ingenieure, IT-Fachleute oder Finance-Profis – überall dort, wo es bislang zu wenige Leute gab, wird es auch künftig zu wenige Leute geben“, sagt Heise. Er beobachte zudem, dass hiesige Unternehmen ihre Lieferketten derzeit vermehrt lokal aufbauen würden. „Solche Relokalisierungstendenzen sehen wir bei großen Konzernen wie bei kleineren Mittelständler gleichermaßen, und zwar quer durch alle Branchen“, heißt es in dem Interview. Die Folge: Immer mehr Unternehmen würden im selben Talentpool fischen, der Wettbewerb ums Personal nehme zu.    

Rund jeder achte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland hat einen Job unterhalb seines eigentlichen Ausbildungsniveaus. Dies berichten im Oktober mehrere Medien, darunter der Schwarzwälder Bote, unter Berufung auf eine Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Frakion Die Linke im Bundestag. Gezählt wurden Menschen, die einen Berufsabschluss haben, aber nur eine Helfertätigkeit ausüben, also einfache Routinearbeiten, sowie Menschen mit akademischem Abschluss, die als Helfer oder Fachkraft arbeiten. „Überproportional betroffen sind Frauen und Menschen in Ostdeutschland“, ist in dem Zeitungsbericht zu lesen. „Bei ihnen liegen die Anteile von Arbeitnehmern mit höherer formaler Qualifikation als nötig im Vergleich jeweils über denen der Männer beziehungsweise der Menschen in Westdeutschland.“ Gleichzeitig gehe aber auch rund jeder achte Beschäftigte einer Arbeit nach, für die seine oder ihre formale Qualifikation eigentlich gar nicht reicht.

Einen nicht häufig thematisierten Aspekt der Fachkräftesicherung greift it-daily.net in einem Bericht im Oktober auf; eine adäquate Nachfolgestrategie, wenn Fachkräfte kündigen. „Selbst wenn Mitarbeiter im Rahmen einer mehrmonatigen Kündigungsfrist gehen, ist es für die HR-Teams oder Personalverantwortlichen oftmals eine Herausforderung, ihre Rolle neu zu besetzen und die hinterlassene Lücke zu füllen“, heißt es in dem Beitrag. Organisationen hätten aufgrund der sich schnell entwickelnden Geschäftsanforderungen unweigerlich immer wieder unbesetzte Positionen. Durch die Entwicklung einer Nachfolgestrategie fänden sie heraus, wo die Lücken sind oder entstehen könnten und ob man diese durch gezielte Förderung intern besetzen kann. „Das Ziel einer Strategie zur Nachfolgeplanung ist es laut dem Bericht, zu einem Punkt zu gelangen, an dem eine Organisation eine Rollenkontinuität aufgebaut hat. Dazu gibt der Beitrag fünf konkrete Tipps.

„Junge Fachkräfte wollen das Rundum-Sorglos-Paket“, überschreibt die WirtschaftsWoche im Oktober ihren Beitrag über eine Umfrage bei jungen Berufstätigen. „Sie erwarten viel und sind launenhaft: Junge Berufstätige stellen Unternehmen vor Herausforderungen“, schreibt das Magazin. „Denn selbst wenn die begehrten Fachkräfte alles bekommen, was sie wollen, sind sie manchmal schnell wieder weg.“ Die Umfrage vom Frühjahr 2020 zeige ein Stimmungsbild noch vor Corona – und damit eine junge Generation von Arbeitnehmern, die bei der Wahl ihres Arbeitgebers noch mehr als bisher auf das Gesamtpaket achte. Geld sei wichtig, aber nicht alles. Zudem sei die Wechselbereitschaft sehr hoch.


Regionale Meldungen

In Bayern fehlen Fachkräfte auch in der Coronakrise. Laut Süddeutscher Zeitung (SZ) warnt die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) vor einem anhaltenden Fachkräftemangel in vielen Branchen. In Bayern gebe es nach wie vor viele Berufe, bei denen rechnerisch auf einen Arbeitslosen eine offene Stelle komme. „Zu diesen zählen laut aktuellem ‚Arbeitsmarktbarometer‘ der VBW etwa Mechatronikerinnen und Mechatroniker sowie Energie- und Elektroberufe“, heißt es in dem Bericht. Ähnlich sehe es in der Bauplanung und Vermessung, im Hoch- und Tiefbau sowie in den Gesundheitsberufen aus. „Gute Jobaussichten“, so die SZ, „bieten sich auch nach wie vor in den Informatikberufen mit einem Verhältnis von 1,6 Arbeitslosen pro offener Stelle.“

Wie die Stimme meldet, bleibt der Mangel an Fachkräften einer Studie zufolge die größte Herausforderung für viele Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg. „In nahezu allen handwerklichen Berufen gebe es einen Engpass“, heißt es unter Berufung auf eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. „Gemessen an den üblichen Kriterien blieben freie Stellen überdurchschnittlich lang unbesetzt, zudem kämen auf jede freie Stelle rechnerisch ausgesprochen wenige arbeitslose Fachkräfte.“

Laut dem lokalen Nachrichtenportal SW1.NEWS sind die Wirtschaftssektoren IT und Künstliche Intelligenz die großen Digitalisierungsgewinner. In den vergangenen Monaten hätten sie aufgrund der Covid19-Pandemie stark zulegen können und würden weiterhin eine Sonderkonjunktur erleben. Die Region Mainfanken GmbH wolle deshalb gemeinsam mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen Ideen für eine stärkere Vernetzung entwickeln. Bei einem Treffen seien die Beteiligten sich einig gewesen: „Durch eine Intensivierung der Zusammenarbeit entstehen viele Synergieeffekte und die regionale Strahlkraft steigt.“ Insbesondere die höhere Sichtbarkeit gegenüber Investoren und dringend benötigten Fachkräften, sowie das Finden passender Projektpartner, das gemeinsame Entwickeln von Geschäftsmodellen und der regelmäßige Austausch von Know-how seien als Vorteile genannt worden.

Eine kreative Idee zur Fachkräftesuche meldet die Augsburger Allgemeine. Ein IT-Systemkaufmann habe die Jobplattform „Bid4expert24“ entwickelt. Darauf sollen Unternehmen den passenden Bewerber oder die passende Bewerberin finden – und sich im Wettstreit darum gegenseitig überbieten. Wer sich auf seiner Plattform als „Experte“ registriere, sei erstmal nur eine Nummer. „Zu Beginn sind die Experten nicht mit ihrem Namen sichtbar, nur mit ihrem Beruf und ihren Fähigkeiten“, zitiert die Zeitung den Erfinder. Stießen dann Unternehmen auf die anonymisierten Profile, könnten sie eine Freischaltung anfragen. Habe der Experte die Freischaltung genehmigt, könne das Unternehmen ihn zum Bewerbungsgespräch einladen. „Dazu muss“, so der Gründer von „Bid4expert24“, „das Unternehmen aber zuerst ein Angebot mit Gehalt, Wochenstunden, Urlaub und sonstigen Vorteilen abgeben.“

Was ist „typisch Osnabrück“? Gemeinsam mit zahlreichen Unternehmen sowie der Stadtverwaltung, dem Osnabrück Marketing und anderen Verbänden haben sich nach einem Bericht der HASEPOST zahlreiche Osnabrückerinnen und Osnabrücker den Kopf über das Typische an ihrer Stadt zerbrochen und die gemeinsame Fachkräftekampagne „Typisch Osnabrück“ von Wirtschaftsförderung Osnabrück und dem Verein für Wirtschaftsförderung in Osnabrück e. V. entwickelt. Der Startschuss für die Kampagne sei am 1. Oktober gefallen. Zielgruppen der Kampagne seien vor allem Zuzugsinteressierte, Rückkehrer und die Absolventinnen und Absolventen der Hochschulen. Ihnen allen biete die Internetseite die wichtigsten Argumente für den Standort Osnabrück.

In der Region um Ingolstadt möchte das Projekt „Adiungo“ helfen, die Fachkräftelücke von Industrieunternehmen zu schließen. Das berichtet im Oktober der DONAUKURIER. Das Projekt setze auf die Vermittlung von Menschen aus Spanien und Indien. „Sprachkurse sowie fachliche und kulturelle Unterstützung sollen dabei den Start erleichtern“, heißt es in dem Zeitungsartikel. Derzeit würden in erster Linie Fachkräfte für den Automobilbereich gesucht, mittelfristig wolle man in die Elektroindustrie einsteigen und auf lange Sicht in den Health-Care-Bereich.


Schlaglicht Arbeiten 4.0

Was die Digitalisierung der Logistik für Fachkräfte bedeutet, beleuchtet das Portal MMLogistik im Oktober in einem Beitrag. Dass sich viele Prozesse in der Logistik für eine Digitalisierung anböten, schüre Angst unter den Beschäftigten der Branche. „Der Realitätscheck zeigt aber auch: Viele Logistikunternehmen stehen hier noch am Anfang“, beruhigt die Autorin. Laut den von ihr befragten Experten würde die Digitalisierung in der Logistik nicht in großen Sprüngen ablaufen, sondern evolutionär. Zudem ließen sich viele Tätigkeiten in der Logistik nur schwer automatisieren, beispielsweise die Kontraktlogistik. Die Experten gingen nicht davon aus, dass massenweise Jobs in der Logistik verloren gehen. Vielmehr würden sich die Berufe verändern. In Zukunft müsse zwar nicht jeder programmieren können. Aber: „Logistikfachkräfte aller Bereiche müssen künftig in der Lage sein, mit computergestützten Systemen zu arbeiten“, zitiert die Autorin einen Professor für Produktion und Industriebetriebslehre.

Die Coronakrise habe ein Schlaglicht darauf geworfen, wo Unternehmen ihre digitale Umgebung umgestalten müssen, damit Zusammenarbeit flexibel und dennoch sicher gestaltet werden kann, heißt es in einem Beitrag des Portals IT-ZOOM. „Selbst nach Monaten ist die Zusammenarbeit im Homeoffice noch von Provisorien, Workarounds und der Nutzung von Endanwender-Software geprägt“, schreibt der Autor. „Hier gilt es, den Mitarbeitern eine Kommunikations- und Kollaborationsumgebung bereitzustellen, die sie für ihre Arbeit benötigen und die gleichzeitig die Daten- und Zugriffsicherheit gewährleistet, die das Unternehmen braucht.“ Er plädiert für ein modernes „Social Intranet“ als „digitaler Heimathafen“ für die Beschäftigten.

Auch der Human Resources Manager weiß, dass die Corona-Krise „die Art und Weise wie wir zusammenarbeiten und lernen massiv“ verändert. Deshalb gewinne Qualifizierung auch für gut ausgebildete Beschäftige an Relevanz. „Um den Innovationsstandort Deutschland zu stärken, brauchen wir gerade jetzt eine neue Weiterbildungskultur“, heißt es in dem Beitrag. Maßnahmen wie das „Qualifizierungschancengesetz“ und das neue „Arbeit-von-morgen-Gesetz“ böten gute und richtige Ansätze, gingen aber noch nicht weit genug und zielten vor allem auf die Förderung von gering qualifizierten Arbeitnehmern. „Um die Krise zu bewältigen, muss auch die Weiterbildung qualifizierter Fachkräfte staatlich unterstützt werden“, schreibt der Autor unter Berufung auf eine Umfrage des VDI-Wissensforums bei Ingenieuren und technischen Fach- sowie Führungskräften. Zunehmend gefragt und gefordert seien dabei flexible Online-Angebote. Lernen müsse individuell, mobil und „on demand“ möglich sein – genau dann, wenn Wissen benötigt werde.