Medienbeobachtung Oktober 2018

Die Medien berichten auch im Oktober umfassend über die zunehmenden Fachkräfteengpässe in immer mehr Branchen. Besonders stark betroffen sind offenbar kleine und mittlere Betriebe, erfahren wir aus mehreren Zeitungen, die eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft aufgreifen. Viele regionale Medien stießen indes auf ungewöhnliche Methoden, wie dem drohenden oder bereits eingetretenen Fachkräftemangel beizukommen wäre. Das Spektrum innovativer unternehmerischer Ideen reicht von Sabbatzeiten über eine Mitarbeiter-WG bis zum bezahlten Sonderurlaub an Tagen, die in anderen Bundesländern Feiertage sind.

Außerdem wird deutlich, wie wertvoll die Arbeit von Netzwerken ist. Sowohl aus Niedersachsen als auch aus Sachsen berichten Medien von der Bündelung von Kräften, um etwa die Duale Berufsausbildung zu stärken, verstärkt Fachkräfte aus dem Ausland zu akquirieren oder Fachkräfte zur Rückkehr in ihre Heimat zu bewegen. Das Innovationsbüro Fachkräfte für die Region unterstützt solche Ansätze. Hier unsere Medienauswahl Oktober:

Überregionales

Vom Fachkräftemangel sind offenbar zunehmend kleine und mittlere Unternehmen betroffen. „Bei Jobs und Ausbildungsberufen, die vor allem von KMUs nachgefragt werden, klafft die größte Personallücke“, berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) im Oktober unter Berufung auf eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Bei Mittelständlern mit weniger als 50 Beschäftigten bleibe inzwischen jede dritte Stelle unbesetzt. Auch der Kölner Stadt-Anzeiger griff die Studie auf. 2017 seien ihr zufolge rund 72 Prozent aller offenen Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben gewesen, sprich: in Berufen, für die es mehr Stellen als verfügbare Fachkräfte gibt. 2012 habe diese Quote erst bei 47 Prozent gelegen.

Welt-Autorin Ute Blindert ist der Auffassung, Fachkräfte gebe es, man müsse sie nur finden. Unternehmen könnten selbst viel dazu beitragen, welche Mitarbeiter sie finden. „Warum tun Unternehmen nicht alles dafür, die Fachkräfte zu finden, zu umwerben und zu binden, die da draußen offen oder verdeckt auf der Suche sind?“, fragt die Autorin – und macht einige Vorschläge, die von der Optimierung der Website über die innovative Gestaltung der Stellenanzeigen bis zur stärkeren Präsenz auf Arbeitgeber-Bewertungsplattformen reichen. Allesamt nicht neu – aber nach Ansicht des „Welt“-Beitrags zu wenig ausgeschöpft.

Sie arbeiten durchschnittlich 56 Wochenstunden und sind offenbar dennoch zufrieden. „Dieses Fazit ziehen deutsche Start-up-Gründer über ihren beruflichen Alltag“, berichtete die WirtschaftsWoche mit Bezug auf den aktuellen „Start-up-Monitor“, den die Interessensvertretung Bundesverband Deutsche Startups (Startup-Verband) und die Beratungsgesellschaft KMPG im Oktober vorlegten. Die durchschnittliche Größe der untersuchten Start-ups sei im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen, allerdings stoße die Personalsuche an Grenzen: „Der Kampf um Fachkräfte setzt Start-ups besonders zu: Sie sind gerade in frühen Phasen auf Mitgründer oder Mitarbeiter mit speziellen Kenntnissen in IT, Vertrieb oder Organisation angewiesen“, heißt es in dem Bericht. „Drei von vier Start-ups geben heute bereits an, Schwierigkeiten beim Recruiting von IT-Fachkräften zu haben.“

 

Regionale Meldungen

„Südwestfalens Unternehmen locken Fachkräfte mit Sabbatzeiten“, lautet ein Beitrag der Westfalenpost von Anfang Oktober. Das Sabbatical, also eine längere Auszeit, werde für Betriebe zu einem immer wichtigeren Instrument, um Beschäftigte an sich zu binden, vielleicht sogar zu gewinnen. „Das müssen gute Arbeitgeber im Köcher haben, um attraktiv für Mitarbeiter zu sein“, zitiert die Lokalzeitung den Personalleiter von Infineon am Standort Warstein. Das Unternehmen habe Sabbaticals in einer Gesamtbetriebsvereinbarung geregelt und biete sie seit vielen Jahren an.

Die Stadtwerke Bielefeld verfolgen einen anderen innovativen Ansatz, um Beschäftigte zu binden. Sie gründeten eine einsatznahe Wohngemeinschaft, berichtete die Zeitung für kommunale Wirtschaft Ende Oktober. Ein Azubi und zwei Fachkräfte in der Probezeit seien die ersten Bewohner der „Mitarbeiter-WG“. Die möblierte Vier-Zimmer-Wohnung biete drei Plätze und sei dieses Jahr von Azubis des Kommunalversorgers hergerichtet worden. „Der Sinn ist es, für Azubis und für Fachkräfte von außerhalb der ostwestfälischen Großstadt als Arbeitgeber attraktiver zu werden“, schreibt das Blatt, „eine moderne Variante der Werkswohnung also.“

Auch in Schleswig Holstein gehen Unternehmer ungewöhnliche Wege zur Fachkräftegewinnung und -bindung. Wie die Lübecker Nachrichten berichteten, gewährt der Chef einer Lübecker Marketing-Agentur seinen rund 60 norddeutschen Mitarbeitern an vier katholischen Feiertagen bezahlten Sonderurlaub. „Andere Unternehmen bieten ihren Angestellten Dienstwagen, freie Getränke oder freies Mittagessen“, zitiert die Zeitung den Geschäftsführer der Agenturgruppe mit Standorten in Lübeck, Hamburg, Berlin und Nürnberg, „wir halten die zusätzlichen freien Tage für nachhaltiger, denn über die freut man sich jedes Mal aus Neue.“

In Niedersachsen gibt die Fachkräfte-Initiative des Landes seit einigen Jahren wichtige Impulse zur Fachkräftesicherung. Nun legte sie einen aktualisierten Aktionsplan vor, der von der Wirtschaft begrüßt wird. Wie das Nachrichtenportal CELLE HEUTE berichtete, begrüßt die IHK Niedersachsen (IHKN) den Aktionsplan, er treffe den richtigen Nerv. „Vor allem lobt die IHKN das Bekenntnis zur Stärkung der Dualen Berufsausbildung“, heißt es in dem Artikel, „die Verbesserung einer frühzeitigen Berufsorientierung – speziell an Gymnasien – sei daher ein wichtiger Schritt.“ Als positiv würde die IHKN darüber hinaus bewerten, dass die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland – insbesondere auch aus Drittstaaten – einen weiteren Schwerpunkt des Aktionsplanes bilde.

Netzwerk-Nachrichten

Auch in Sachsen klagen immer mehr Betriebe über Fachkräfteengpässe. Im sächsischen Lauta diskutierten im Oktober Firmenchefs und Netzwerkexperten über die aktuelle Lage. Wie die Lausitzer Rundschau berichtete, appellierte Reno Rössel vom Fachkräftenetzwerk Oberlausitz, verstärkt auch auf Rückkehrer zu setzen. „Neun von zehn Fachkräften wollen inzwischen in die Heimat zurückkehren. Vier tun es. Doch die Tendenz ist steigend“, zitiert die Zeitung Reno Rössel. Zahlreiche Initiativen wie die Kampagne „Heimat für Fachkräfte“, Fachkräftebörsen wie „wieder da“, Jobportale wie „Jobs Oberlausitz“ oder Agenturen wie „Come Back Elbe-Elster“ würden inzwischen zwischen Rückkehren und Unternehmen vermitteln. „Einige“, heißt es, „begleiten auch den Prozess des Rückkehrens wie die ‚Servicestelle Heimat‘ des Fachkräftenetzwerkes.“

 

Schlaglicht Arbeiten 4.0

„Wir brauchen Qualifizierungsprogramme“, forderte Björn Böhning, Leiter der neuen Denkfabrik zur digitalen Arbeitsgesellschaft im Bundesarbeitsministerium, im Oktober im Deutschlandfunk. Im Gespräch mit der Journalistin Sarah Zerback zeigt sich Böhning überzeugt, „dass eine menschenzentrierte Digitalpolitik der richtige Weg ist für eine Digitalisierung, die nicht nur der Technologie nützt, sondern auch den sozialen Bedingungen“. Es gehe darum, den Transformationsprozess sozial zu gestalten. „Das heißt: Wenn wir demnächst darüber sprechen müssen, dass wir vom Automotor im Automobilsektor in einen digitalen und Elektromotor hinein müssen, dann brauchen wir Weiterbildungsprogramme, Qualifizierungsprogramme, die es Beschäftigten ermöglichen, diese Transformationsbrücke zu beschreiten.