Medienbeobachtung November 2018

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz biegt gerade auf die Zielgerade ein, es wird immer konkreter. Viele Medien berichten und bieten Einschätzungen, wir haben eine kleine Auswahl getroffen. Zudem nehmen die Medien Bezug auf mehrere neue Studien und Umfragen zu Fachkräfteengpässen. Es scheint offensichtlich: Die Engpässe nehmen zu, immer mehr Firmen beklagen den Mangel schon jetzt oder fürchten ihn in Bälde.

In ländlichen Regionen sehen sich Firmen nicht nur mit Fachkräfteengpässen konfrontiert, sondern - als direkte Folge - auch mit einem starken Wettbewerb der Unternehmen untereinander. Nicht immer ziehen die Arbeitgeber gegen die Konkurrenz in den Metropolen den Kürzeren - wenn sie nur einfallsreich genug sind. Auch die Politik auf Landes- und kommunaler Ebene lässt sich einiges einfallen, wie Beispiele aus Baden-Württemberg und Sachsen zeigen. Die Medien griffen im November einige innovative Ansätze auf.

Spannend auch ein Bericht in der "Hannoverschen Allgemeinen": In Hannover finden Firmen aus der Region auf ihrem aufreibenden Weg durch den digitalen Wandel Unterstützung beim Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0. Ein Firmenbeispiel zeigt, dass Digitalisierung auch beim Fachkräftemangel entlasten kann.

Überregionales

"Personal-Engpässe sind zum Top-Risiko geworden"
, meldet die Frankfurter Allgemeine. Sie berichtet über eine neue Studie der Unternehmensberatung Deloitte, derzufolge knapp die Hälfte der 180 befragten Finanzvorstände internationale politische Entwicklungen und steigende Lohnkosten als hohes Risiko in den nächsten zwölf Monaten sehen, zwei Drittel einen Fachkräftemangel. "Gut ein Drittel der befragten Unternehmen gab an, Mitarbeiter mit der notwendigen Berufserfahrung, passendem Ausbildungsniveau und angemessenem technischen Wissen seien schwer zu finden", heißt es in dem Artikel. Am meisten leide der Handel unter einem Mangel an Fachkräften, gefolgt von der Energie- und Konsumgüterindustrie.

Das Handelsblatt greift eine andere Studie auf: den neuen MINT-Report des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und wartet mit konkreten Zahlen auf. Wichtigste Erkenntnis: "Die Lücke an Fachleuten für sogenannte MINT-Berufe - also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - betrug im Oktober 338.000 Fachkräfte - noch einmal gut 42.000 mehr als vor einem Jahr", heißt es in dem Beitrag. Vergrößert habe sich die Lücke vor allem auch mit Blick auf die Digitalisierung.

Zuwanderung

"Für das lange umstrittene Fachkräfteeinwanderungsgesetz liegt jetzt ein Entwurf aus dem Innenministerium vor", berichtet das Handelsblatt im November. Er gehe auf zahlreiche Forderungen der Wirtschaft ein. Das Recht zur Ausbildungs- und Erwerbsmigration sei immer unübersichtlicher geworden, schreibt das Handelsblatt unter Berufung auf den Referentenentwurf, die Regierung wolle es deshalb nun neu strukturieren und deutlich verschlanken.

"Wie wird die Zuwanderung von Fachkräften geregelt?", fragt das Deutschlandradio in seinem Online-Nachrichtenportal dlf24. Der Bericht stellt die Kernpunkte des Entwurfs für ein Einwanderungsgesetz vor. Der wichtigste Punkt: Fachkräfte aus aller Welt sollen künftig in Deutschland in allen Berufen arbeiten dürfen, wenn sie einen Arbeitsvertrag und eine anerkannte Qualifikation haben. Es solle keine Beschränkung auf "Engpassberufe" mehr geben. Auch die Prüfung, ob nicht auch ein Deutscher oder EU-Bürger für eine Stelle infrage käme, solle wegfallen.  

Bei der Migration nach Deutschland spielen Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland eine zunehmende Rolle. Das berichtet im November die WirtschaftsWoche. Das Magazin beruft sich dabei ebenfalls auf eine neue Studie, in diesem Fall der Bertelsmann-Stiftung. Die Zuwanderung von Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland wachse, liege allerdings auf noch niedrigem Niveau. 2017 seien fast 545.000 Menschen aus Drittstaaten gekommen. Davon hätten rund 38.000 Personen - etwa sieben Prozent - 2017 als Fachkräfte einen Aufenthaltstitel erhalten. 2015 seien es nur drei Prozent gewesen.

IT-Fachkräfte

In Zeiten der Digitalisierung seien Tech-Experten so gefragt wie nie, schreibt die Zeitung für kommunale Wirtschaft. Und stellt die Internetplattform des Berliner Start-ups Honeypot vor. Die schaffe zwar keine neuen IT-Experten, vermittle die gefragten Berufe aber deutlich schneller als im herkömmlichen Bewerbungsverfahren. Das Prinzip: "Wollen Unternehmen Data-Scientists, Fronted Developer und Co. anheuern, müssen sie sich um ihre Gunst bewerben und nicht umgekehrt", schreibt die ZfK. Rund 100.000 Tech-Experten und 1.200 Unternehmen würden den Honeypot-Pool nutzen. Alle zwei Wochen bekämen interessierte Firmen ein neues Kandidaten-Bündel zugesendet, bei denen sie sich bewerben können. "Der Vorteil", heißt es: "Es können sofort Interview-Anfragen gestellt werden, die innerhalb weniger Stunden von den IT-lern angenommen oder abgelehnt werden."

Hotellerie und Gastronomie

Viele Arbeitgeber im Hotelgewerbe und in der Gastronomie haben Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Wie die pan-europäische Studie "Global Hospitality Talents" zeige, könne Werbung im Ausland ein probates Mittel der Akquise sein, berichtet nun die Frankfurter Allgemeine. "In Italien, Frankreich, Polen und Portugal können sich sogar 90 Prozent und mehr vorstellen, für einen Job ins Ausland zu ziehen", schreibt die FAZ. Deutschland zähle laut der Befragung neben Großbritannien und Tschechien zu den attraktivsten Ländern.

Regionale Meldungen

"Minden, Meinerzhagen, Giengen: Familienunternehmen sitzen oft mitten in der Provinz. Vor allem für junge Berufseinsteiger ist das ein Makel." So eröffnet die Welt einen Artikel über den Standortnachteil ländlicher Regionen im Wettbewerb um Beschäftigte. "Ein Firmensitz in der Provinz kann schnell zum Standortnachteil werden, vor allem beim Werben um Berufseinsteiger, die noch nicht auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum und einem ruhigen Idyll für eine junge Familie sind", heißt es. Laut dem Bericht lassen sich die Firmen abseits der Metropolen allerdings einiges einfallen - von Weiterbildungsmöglichkeiten und einem intensiven Gesundheitsmanagement inklusive eigener Betriebsarztpraxis über Kita für Mitarbeiterkinder bis zur Ferienbetreuung. Auch Alltagshilfen wie Wäscheservice und Paketstation könnten interessant sein.

"Mein Kind soll nicht im Stadtgrau wachsen, drum zieh ich um nach Mittelsachsen." So lautet eine Textzeile in dem neuen Trickfilm, mit dem der Landkreis Mittelsachsen auf Neubürger-Fang geht. Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, erklärt in dem 50-Sekunden-Film, der seit 29. November in den Werbeblocks in Kinos zu sehen ist, eine Erzählerin mit angenehmer Stimme, weshalb sie der Großstadt entflieht und nach Mittelsachsen zieht. Zusammen mit der umgestalteten Website wirtschaft-in-mittelsachsen.de werbe der Landkreis damit um mehr Fachkräfte.

"Ausländer, die einen Pflegeberuf erlernen, sind in Baden-Württemberg jetzt vor einer Abschiebung geschützt", heißt es in einem Bericht von SWR aktuell. Die neue Regelung der baden-württembergischen Landesregierung solle es ermöglichen, den dringenden Bedarf an Alten- und Krankenpflegern zu decken. Ein dazu passendes Ausbildungsprojekt gebe es zum Beispiel bei der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim. Flüchtlinge würden dort zu Pflegehelfern ausgebildet. Laut Innenministerium seien Einrichtungen allerdings verpflichtet, die Ausländerbehörde über einen Abbruch der Helferausbildung zu informieren. Damit verliere die Duldung ihre Gültigkeit. Ausländer müssten dann ausreisen. Ein Wechsel des Ausbildungsplatzes sei nicht möglich.

Netzwerk-Nachrichten

Fehlendes Personal gefährdet auch in Ostthüringen zunehmend den Erfolg von Unternehmen. Deshalb sei 2017 die Allianz für Fachkräfte im Landkreis ins Leben gerufen worden, berichtet die Ostthüringer Zeitung im November. Viele Firmen würden bereits auf eigene Faust Fachkräfte aus anderen Bundesländern, aber auch dem europäischen Ausland anwerben, heißt es. Doch die neuen Beschäftigten seien oft bei Wohnungssuche, Freizeitgestaltung oder Behördengängen auf sich allein gestellt. Das mache den Neuanfang mühsam, zumal bei ausländischen Fachkräften. Um die kümmere man sich nun intensiver. Sie sollen sich wohlfühlen und passgenaue Angebote zur Qualifizierung erhalten. Außerdem gebe es begleitenden Deutschunterricht.

Schlaglicht Arbeiten 4.0

Dass die Digitalisierung nicht unbedingt Arbeitsplätze gefährdet, sondern vorhandene Fachkräfte unterstützen kann, veranschaulicht die Hannoversche Allgemeine im November an einem Beispiel. Der Bericht stellt das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 an der Leibniz-Universität vor, das mittelständischen Firmen bei der Digitalisierung hilft. "Mitarbeiter des Zentrums entwickelten mit dem Unternehmen ein digitales Assistenzsystem", heißt es über die Zusammenarbeit eines mittelständischen Betriebs mit dem Kompetenzzentrum. Die digitale Hilfe federe in der Firma den Fachkräftemangel ab. Das Bundeswirtschaftsministerium fördere das Kompetenzzentrum nun für weitere zwei Jahre, schreibt die Zeitung.

Arbeit 4.0 oder New Work lautet ein wichtiges Schlagwort dieser Tage. Die Welt präsentiert im November eine Einschätzung dazu. Zum Beispiel diese: "Arbeit bleibt Arbeit - entscheidend ist, wie wir zusammenarbeiten". Oder: Das Home Office gewinnt immer an Bedeutung, Arbeit wird immer flexibler. Gerade deshalb brauche es Absprachen und Regeln. Und noch eine These: "Soft Skills sind die Hard Skills von morgen". Die wichtigste Voraussetzung, um mit dem digitalen Wandel erfolgreich umzugehen, sei die Bereitschaft, sich ständig weiterzubilden und zu entwickeln, nicht nur fachlich, sondern auch persönlich.