Medienbeobachtung November 2017

Gute Nachrichten aus Pasewalk: Wie unter anderem der NDR und die „Berliner Zeitung“ im November berichteten, wurde das deutsch-polnische Ausbildungsprojekt „Cleveres Köpfchen“ von der Bundesagentur für Arbeit gewürdigt. Eine schöne Nachricht nicht nur für die Netzwerkakteure, sondern auch für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Innovationsbüro Fachkräfte für die Region, die den Koordinator des Netzwerks im Juni dieses Jahres als „Innovativer Netzwerkkoordinator 2017“ auszeichneten.

Auch sonst ließen im November interessante Meldungen aus den Regionen aufhorchen. Ob Solingen, Dessau oder Hohenlohe: Die Unternehmen und Kommunen legen ihre Hände nicht in den Schoß, im Gegenteil: Mit gemeinsamen und innovativen Projekten sorgen sie für Pluspunkte im Wettbewerb um Nachwuchs- und Fachkräfte. Auch überregional griffen die Medien spannende Projekte auf, etwa „Wir zusammen“, die Integrationsinitiative der deutschen Wirtschaft.
Was die Zukunft der Arbeit betrifft, sind sich ein Professor aus Augsburg und die Boston Consulting Group einig: Es bedarf einer Qualifizierungsoffensive, um den Wandel in der Arbeitswelt durch die Digitalisierung so zu gestalten, dass die drohenden Jobverluste – übrigens nicht nur für Geringqualifizierte – abgemildert werden. Digitalisierung ist kein Naturereignis, sondern kann gesteuert werden, lautet die Botschaft.


Überregionales

„Wir sind froh, dass wir mit der Blue Card eine einfache Regelung für Menschen mit Hochschulabschluss und Jobangebot haben. Aber wir brauchen daneben mehr beruflich Qualifizierte ohne Studium“, begründet Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), im Interview mit der Südwest Presse aus Ulm die Forderung der Wirtschaft nach mehr Zuwanderung. Aus demografischen Gründen benötige Deutschland rund 200.000 qualifizierte Zuwanderer pro Jahr. Gefragt, ob die Digitalisierung nicht dazu führe, dass man weniger Fachkräfte braucht, antwortet Dercks: „Sie sorgt sicher für Verschiebungen am Arbeitsmarkt. Aber nach vielen Studien wird es insgesamt nicht zu Jobverlusten kommen. Derzeit erleben wir ohnehin das Gegenteil: Der Fachkräftemangel ist das Geschäftsrisiko Nummer 1, und da ist keine Kehrtwende abzusehen.“

Fachkräfte-Engpässe haben zahlreiche Folgen. Eine davon – laut Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): „Die Bewerber sind die Chefs.“ Die Nachfrage der Unternehmen nach Personal sei dank der guten Konjunktur ungebrochen hoch. Diese Entwicklung habe das Kräfteverhältnis unter den Akteuren komplett verändert, schreibt die Tageszeitung, der Arbeitsmarkt habe sich von einem Nachfrage- in einen Anbietermarkt gewandelt. „Das bedeutet: Konnten sich die Personalchefs früher aus Stapeln von Bewerbungsmappen ihre Wunschkandidaten heraussuchen, sind es heute oftmals die Arbeitgeber, die sich bei potentiellen Angestellten bewerben müssen“, heißt es in dem Beitrag der FAZ.

In immer mehr Branchen suchen die Unternehmen händeringend nach Fachkräften. In der deutschen Internetwirtschaft zum Beispiel seien 51.000 Stellen derzeit nicht besetzt, heißt es im Handelsblatt. Not macht aber bekanntlich erfinderisch: Das Handelsblatt berichtet von der Programmierschule für Flüchtlinge ReDI School of Digital Integration und von der bundesweiten Initiative „Wir zusammen“. Über 200 Firmen hätten sich bereits angeschlossen, es würden immer mehr, schreibt die Tageszeitung. Es seien bereits mehr als 1.000 Festanstellungen erfolgt und rund 800 Ausbildungsplätze sowie Tausende Praktikumsplätze für Flüchtlinge geschaffen worden.


Regionale Meldungen

In Solingen positionieren sich die Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte. Wie die Rheinische Post berichtet, nutzen inzwischen fast 70 Firmen das Online-Medium „Solinger Stellenportal“, mit dem die Aufmerksamkeit von Ausbildungsplatz- und Jobsuchenden gezielt gebündelt werden soll. Neben Unternehmensprofilen und Stellenausschreibungen, darunter viele Ausbildungsplätze, sei der Bewerberpool eine der drei Säulen des Portals, berichtet die regionale Tageszeitung.

Die Region Dessau-Roßlau will ebenfalls Fachkräfte anziehen – und zurückgewinnen. Ein Rückkehrertag nach Weihnachten wendet sich laut Mitteldeutscher Zeitung erstmals gezielt an diejenigen, die vor Jahren wegen eines Arbeitsplatzes die Heimat verlassen haben und sich eine Rückkehr vorstellen können. Die Idee stamme aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld; dort sei die Resonanz auf das Angebot enorm gewesen.

Das neu gegründete Städtebündnis „Hohenlohe Plus“ will sich gemeinsam für eine Stärkung der Wirtschaftsregion einsetzen und ebenfalls Fachkräfte aufs Land holen. Wie das Hohenloher Tagblatt, eine Regionalausgabe der „Südwest Presse“ aus Ulm, berichtet, sei das Städtebündnis zwei Jahre lang vorbereitet worden, unter anderem mit Expertenworkshops, Bürgerbefragungen in jeder Stadt sowie Befragungen von Geschäftsführern aus zwei Dutzend großen Unternehmen. Diese würden schon jetzt überregional nach Arbeitskräften suchen und sich Vorteile von der Marke „Hohenlohe Plus“ versprechen. „Zwei Drittel der befragten Unternehmen“, so die Zeitung, „sehen darüber hinaus einen Zusammenhang zwischen dem regionalen Fachkräftemangel und der Attraktivität der Region.“

Ein wichtiger Baustein der Fachkräftesicherung ist die Gestaltung des Übergangs von der Schule in Ausbildung und Beruf. In Mönchengladbach sorgen Berufsfelderkundungstage dafür, dass rund 2.000 Schülerinnen und Schüler der achten Klassen diverse Berufe und Unternehmen kennenlernen können. „Zunächst absolvieren die Jugendlichen dabei eine Potenzialanalyse“, schreibt die Rheinische Post, „um darauf aufbauend drei Berufsfelder an je einem Tag im Betrieb kennenzulernen.“ Vorteil für die Firmen: frühzeitiger Kontakt zu den Fachkräften von morgen.


Netzwerk-Nachrichten

Erst im Mai war Christian Justa, Koordinator des deutsch-polnischen Ausbildungsprojekts „Cleveres Köpfchen“ vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales als „Innovativer Netzwerkkoordinator 2017“ ausgezeichnet worden. Nun wurde das Projekt erneut gewürdigt, diesmal von der Bundesagentur. Dazu besuchte ein Vorstandsmitglied der Behörde polnische Lehrlinge in Pasewalk, wie die Berliner Zeitung im November berichtete. „Das von Firmen geförderte Projekt wurde 2011 geschaffen, um polnische Schulabgänger in deutsche Betriebe zu vermitteln und so den Nachwuchs- und Fachkräftemangel zu bekämpfen“, heißt es in dem Zeitungsartikel. „Insgesamt wurden rund 120 junge Frauen und Männer in mehr als 30 Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg vermittelt.“


Schlaglicht Arbeiten 4.0

„Die Digitalisierung wird einiges verändern und Veränderung ist immer mit gewissen Sorgen verbunden. Die Menschen fragen sich, wo geht die Reise hin? In unserem Fall kommt tatsächlich ein starker Wandel. Nicht mehr nur der Mensch wird der Maschine sagen, was zu tun ist, sondern es wird auch Arbeitnehmer geben, die es von der Maschine gesagt bekommen.“ Dieser Überzeugung ist Professor Gordon Rohrmair, Präsident der Hochschule Augsburg. In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen äußert er sich zu dem enormen technologischen Wandel und dessen Auswirkungen auf die Arbeit. Es bleibe uns nichts anderes übrig, als die Veränderungen anzunehmen. „Wir müssen Ängste nehmen und in Aus- und Weiterbildung investieren“, folgert Rohrmair, „um die Menschen auf das was kommt und von ihnen verlangt wird vorzubereiten.“

Die Digitalisierung wird nicht nur einiges verändern, sie wird vielmehr „das Leben der Deutschen in den nächsten zehn Jahren völlig umkrempeln“, glaubt die Welt. Fast acht Millionen Arbeitnehmer müssten damit rechnen, dass ihre Tätigkeit bis 2025 wegfällt oder sich völlig wandelt, und zwar nicht nur Geringqualifizierte, sondern auch Experten, berichtet die Tageszeitung aus Berlin. Sicher sei, dass ein großer Teil der Beschäftigten neue Kompetenzen benötigen werde, um im Arbeitsmarkt der Zukunft gefragt zu sein. Unter Hinweis auf eine aktuelle Studie von Boston Consulting mit dem Titel „Schöne neue Arbeitswelt 4.0? Was wir tun müssen, damit uns die Arbeit nicht ausgeht“ schreibt die „Welt“, vieles hänge davon ab, wie die Digitalisierung gemanagt werde. Außerdem sei eine Qualifizierungsoffensive geboten. „Entscheidend ist“, so die „Welt“, „dass die Arbeitnehmer ihre Kenntnisse durch Weiterbildung an die gewandelte Arbeitswelt 4.0 anpassen.“