Medienbeobachtung Mai 2020

Immer noch ist in den Medien viel von den Folgen der Coronakrise für die Art des Zusammenarbeitens – Stichwort „Homeoffice“ – die Rede. In unserem „Schlaglicht Arbeiten 4.0“ greifen wir dazu zwei Berichte auf. Doch im Mai schob sich eine andere Krisenauswirkung in der Berichterstattung in den Vordergrund. Das Thema Ausbildung – also die Sicherung des Fachkräftenachwuchses von morgen. Viele Arbeitsmarktakteure befürchten, dass das Ausbildungsengagement der Unternehmen nachlassen werde. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) legte dazu ein Zehn-Punkte-Programm vor, viele Medien berichteten. Wir bieten eine Auswahl.

Trotz und offenbar unabhängig von der Krise beschäftigt die Medien weiterhin, auch im Mai, der offenbar weiter zunehmende Fachkräftemangel in der IT. Vielerorts bremse der Mangel an IT-Expertinnen und Experten die digitale Transformation aus.

Unser Blick auf die regionale Medienlandschaft geht diesmal in den Kreis Hersfeld-Rotenburg, nach Kaiserslautern und nach Gießen. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist ein Azubi-Campus geplant, der Nachwuchskräfte in die Region locken soll. Kaiserslautern erhielt den Zuschlag für die zentrale Ausländerbehörde für das beschleunigte Fachkräfteverfahren in Rheinland-Pfalz. Und die „Gießener Allgemeine“ befasst sich regional mit der Frage, ob wegen der Corona-Pandemie nun eine Ausbildungsflaute drohe.
 

Überregionales

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) legte im Mai ein Zehn-Punkte-Programm vor, um auch in der Coronakrise die Ausbildung in den Unternehmen zu sichern. „Viele der mehr als 400.000 Ausbildungsbetriebe befänden sich wegen der Pandemie in einer überaus schwierigen Lage“, schreiben die FinanzNachrichten unter Berufung auf den DIHK. „Dennoch müsse alles getan werden, um die Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte sicherzustellen, mahnte die Kammerorganisation.“ Vor dem Hintergrund fehlender Einnahmen und geschlossener Berufsschulen werde es laut DIHK „von Tag zu Tag schwieriger, Ausbildung aufrechtzuerhalten und Ausbildungsplätze für das kommende Ausbildungsjahr anzubieten". Dabei wäre das nach Ansicht des DIHK dringend nötig. „Denn nachdem die Krise überwunden sei, seien nicht nur die Betriebe mehr denn je auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen, auch Schulabgänger und Azubis brauchten verlässliche Perspektiven“, heißt es in dem Bericht.

„Auch ohne Corona-Krise hat es auf dem Lehrstellenmarkt schon geknirscht“, befindet die Saarbrücker Zeitung. Doch die Krise beschleunige nun den Rückgang der Ausbildungsplätze. Derzeit gebe es ein Minus bei den angebotenen Lehrstellen von knapp acht Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, zitierte die Zeitung Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. „Allerdings könne es laut Bundesagentur für Arbeit auch noch zu einem Aufholprozess im August und September kommen, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie besser abschätzbar seien“, schreibt die Zeitung weiter. Wirtschaft, Gewerkschaften und Opposition hätten in diesem Zusammenhang ihre Forderungen nach staatlichen Hilfen, um ein weiteres Wegbrechen von Ausbildungsplätzen zu verhindern, erneuert. Auch das Magazin stern sowie weitere Medien griffen das wichtige Thema im Mai auf. Laut einem Bericht der WirtschaftsWoche forderte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer die Betriebe zum Festhalten an Ausbildungen auf. „Die Unternehmen dürften ihre Ausbildungsangebote nicht zurückfahren, um die Versorgung mit Fachkräften zu sichern. Eine Förderung brauche es erst ab Herbst“, heißt es in dem Artikel.

Unvermindert groß ist offenbar der Fachkräftemangel in der IT. Wie automotiveIT berichtet, bremst der IT-Fachkräftemangel die digitale Transformation vielerorts aus. Rund 124.000 IT-Jobs seien laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom Ende 2019 unbesetzt gewesen – „ein neuer Rekord – leider ein negativer“, befindet das Fachblatt. Innerhalb von zwei Jahren habe sich damit die Zahl der fehlenden IT-Fachkräfte mehr als verdoppelt. „Jede unbesetzte IT-Stelle kostet Umsatz, belastet die Innovationsfähigkeit der Unternehmen und bremst die nötige digitale Transformation. Der Mangel an IT-Experten bedroht die Wettbewerbsfähigkeit unserer gesamten Wirtschaft“, zitiert automotiveIT Bitkom-Präsident Achim Berg.

Nicht nur der Beitrag in automotiveIT legt den Unternehmen neue Wege im Recruiting von IT-Fachkräften nahe. Auch Der Bank Blog schreibt: „Die gesuchte Spezies der IT-Fachkräfte stellt besondere Ansprüche an ihre Arbeitsumgebung. Ziel vieler Arbeitgeber ist es, sie als Crew zu rekrutieren und zu halten.“ Dazu gelte es, neue Wege im Recruiting zu gehen und Respekt und Authentizität zu zeigen. Denn: „Die Zeiten, in denen gute Gehälter, klassische Benefits oder – ganz innovativ – ‚auch mal Homeoffice‘ ausreichten, um potenzielle Mitarbeiter von einem Arbeitgeber zu überzeugen, sind vorbei“, heißt es in dem Beitrag. Stattdessen hält die Autorin zum Beispiel gute Bewertungen des IT-Kräfte suchenden Unternehmens in den einschlägigen Internetportalen, eine aktive Unternehmenskommunikation oder auch nachhaltige Engagements in und für die IT-Community für zugkräftig. „Dazu kann eine finanzielle Unterstützung von relevanten Entwickler-Persönlichkeiten, das Hosten von Meet-ups oder auch das Sponsoring von Konferenzen oder den oft kleineren Unconfs (Teilnehmer-getriebeneOpen-Space-Konferenzen) beitragen“, schreibt sie.

Fachkräfte aus dem Ausland dringend gesucht? Der Mann von Amloud Alamir hat andere Erfahrungen gemacht. „Wir wollen arbeiten – doch Ihr gebt uns keine Chance“ heißt ein Erfahrungsbericht der Syrerin, den der Berliner Tagesspiegel im Mai abdruckte. Seit fünf Jahren lebt Amloud Alamir in Berlin. Ihr Mann ist Arzt und findet trotz Pandemie und Fachkräftemangel keinen Job. „Der Grund ist die Sprache – das sagen sie jedenfalls. Ich glaube eher, der Grund ist, dass man uns Flüchtlingsfamilien keine richtige Chance gibt“, schreibt die Autorin. „Dass man ausblendet, dass es vielleicht etwas Arbeit bedeuten könnte, damit wir in diesem System bestehen können. Dass wir mehr Unterstützung brauchen, um das wirklich zu schaffen.“
 

Regionale Meldungen

Ein Azubi-Campus soll Nachwuchskräfte in den Kreis Hersfeld-Rotenburg locken. „Noch ist es ‚nur‘ eine Idee, aber eine sehr gute und wichtige, da sind sich die Köpfe dahinter einig“, schreibt die Hersfelder Zeitung. Mit einem Campus, der sowohl Auszubildenden als auch Schülern und Studenten in Ausbildung günstigen Wohnraum bieten soll, wolle man sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und Nachwuchs in den Landkreis locken, zitiert die Zeitung den Landrat des Kreises. Ein vergleichbares Projekt in der Umgebung sei ihm bisher nicht bekannt. Man habe besonders den Mittelstand im Blick, der im Vergleich mit großen Unternehmen kaum eigene Möglichkeiten habe.

Die zentrale Ausländerbehörde für das beschleunigte Fachkräfteverfahren in Rheinland-Pfalz wird ab 2021 in Kaiserslautern angesiedelt. Dies berichtet unter anderem der Trierische Volksfreund. „Rheinland-Pfalz braucht deutlich mehr Fachkräfte“, zitiert die Zeitung die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Anne Spiegel. Kaiserslautern wurde laut dem Zeitungsbericht ausgewählt, weil die dortige Ausländerbehörde unter anderem umfangreiche Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Hochschulen habe. Sie übernehme deshalb zu Jahresbeginn 2021 die Aufgaben aus dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz; dazu werde das Personal aufgestockt. Bis dahin seien noch alle 36 Ausländerbehörden im Land zuständig.

Viele Firmen seien im Krisenmodus, trotzdem würden qualifizierte Fachkräfte künftig dringend gebraucht. „Droht wegen Corona nun eine Ausbildungsflaute im Kreis Gießen?“, fragt die Gießener Allgemeine. Langfristig werde es wohl Auswirkungen auf dem Ausbildungsmarkt geben, zitiert die Lokalzeitung den Sprecher der Arbeitsagentur in Gießen. Er hoffe, dass es sich auf dem Niveau des Vorjahres einpendelt. „Es wäre schade“, so der Sprecher, „wenn wir einen Abbruch erleben, aber davon gehe ich noch nicht aus.“ Im Laufe der vergangenen Jahre sei die Zahl der gemeldeten Azubi-Stellen gestiegen. Andererseits verzeichne man einen Rückgang bei den Bewerbern – auch wegen des demografischen Wandels und dem Wunsch vieler, weiter die Schule zu besuchen.
 

Schlaglicht Arbeiten 4.0

Wie sich die Krise auf den digitalen Wandel auswirkt, damit beschäftigt sich t3n. „Corona hat viele Führungsetagen aus dem analogen Tiefschlaf geholt und einen Boom für digitales Arbeiten ausgelöst“, schreibt das Digitalmagazin. Wer jetzt auf kurzfristige Lösungen setze, werde in Zukunft jedoch abgehängt, denn der Wandel sei nicht mehr umkehrbar. Immerhin: „Ein Drittel der Deutschen, die für ein Unternehmen arbeiten, sagt, dass sich ihre Firma aufgrund der Krise schneller digitalisiert hat“, analysiert t3n. Die technische Ausstattung, Vertriebskanäle, aber auch Führung und kollegiales Miteinander hätten in Windeseile verändert werden müssen. Zwei Drittel der Arbeitnehmenden könnten sich laut dem Bericht auch nach der Corona-Pandemie vorstellen, häufiger von zu Hause aus zu arbeiten. „Der Geist des digitalen Arbeitens lässt sich nicht mehr in die Flasche zurückbringen und könnte sogar durch ein mögliches Recht auf Homeoffice politisch schwarz auf weiß beschlossen werden“, schreibt die Autorin.

„Digitale Meetings härten ab“, findet die Computerworld. Das Schweizer Magazin glaubt, dass es nach dem Homeofficeboom nun darum gehe, digitale Meetings und Kollaboration natürlich zu nutzen – für mehr Business-Resilienz. Der Autor empfiehlt: „Die überwiegend guten Erfahrungen mit der verteilten Arbeit sollten in die Nach-Pandemiezeit mitgenommen werden, die Prozesse eines Unternehmens untersucht und mit verteilter Arbeit angereichert werden.“ In seinem Beitrag gibt er einige Tipps, wie digitale Meetings gelingen können.

Die Sächsische Zeitung berichtet von einer aktuellen Studie der KfW-Bank. Auf das Familienleben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen, habe demnach bereits vielen Firmen geholfen, leichter neue Fachkräfte zu finden, Personal länger an sich zu binden und die Stimmung in der Firma zu verbessern. In Dresden, heißt es in dem Zeitungsbericht, werde derzeit ein kostenloser Web-Check entwickelt, der Unternehmern helfen soll, mehr fürs Familienleben der Beschäftigten zu tun. Über eine Web-Anwendung sollen Unternehmen in Zukunft leicht herausfinden können, was schon gut läuft und was besser gemacht werden kann. „Family 4.0 – der Family-Manager“ heiße das Projekt, das vom gemeinnützigen Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft ins Leben gerufen wurde.