Medienbeobachtung Mai 2019

Die Wirtschaft wartet schon lange auf ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Ende 2018 kam ein Entwurf auf den Tisch, nun debattierte der Bundestag darüber – worüber wiederum viele Medien berichteten. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland geht es nicht, findet die Wirtschaft. Und ein Bericht im Mitteldeutschen Rundfunk illustriert: ohne EU-Ausländer auch nicht.

Zahlreiche Medienberichte im Mai zeigen die vielfältigen Bemühungen in den einzelnen Regionen, Fachkräfte zu gewinnen und zu sichern. In Dresden etwa wurde die „Fachkräftestrategie 2030 für den Freistaat Sachsen“ vorgestellt. In Neubrandenburg dient ein neues Welcome-Center als Anlaufstelle für Fachkräfte, Rückkehrer und Studierende. Und in der Nähe von Aachen verknüpft ein Softwareunternehmen die Fachkräfteakquise mit dem Streben nach Innovation.

Endlich auch mal wieder ein Medienbericht über die Arbeit zweier beim Innovationsbüro Fachkräfte für die Region gelisteter Fachkräftenetzwerke: Die Initiative Erfurter Kreuz und die Thüringer Agentur für Arbeitskräfte unterzeichneten im Mai einen Aktionsplan für eine noch engere Zusammenarbeit. Die vielen Fachkräftenetzwerke in Deutschland – allein in unserer Netzwerkdatenbank sind rund 400 eingetragen – wissen eben: Gemeinsam ist man stark, zusammen lässt sich viel bewegen.

Überregionales

Die Bundesregierung legte Ende 2018 den Entwurf für ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz vor. Im Mai debattierte der Bundestag über den Entwurf. Zahlreiche Medien berichteten. Wir nehmen exemplarisch einen Beitrag aus FOCUS Online in unsere Medienschau auf. In einem Interview mit dem Magazin erläutert der Jurist und Unternehmensberater Stefan Haban ausführlich die Details. Unter anderem erklärt er, wer als Fachkraft gilt – und woher Nachwuchs kommen soll. Laut Haban fehlen Fachkräfte vor allem in der Pflege und im Handwerk.

 

Dass Fachkräfte fehlen, sei nicht neu, befand der MDR im Mai. „Neue Zahlen zeigen allerdings: Ohne EU-Ausländer wäre die Lage wohl noch drastischer.“ Die Zahl der Menschen, die zum Beispiel aus Polen kommen und in Sachsen-Anhalt einen Job übernehmen, wachse. Der große Teil der Beschäftigten aus anderen EU-Staaten komme aus den osteuropäischen Staaten, die vor 15 Jahren der Europäischen Union beigetreten sind – mehr als die Hälfte allein aus Polen. „Menschen aus Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei oder den baltischen Staaten sind nicht mehr aus Unternehmen in Sachsen-Anhalt wegzudenken“, zitiert der Sender einen Experten der Bundesagentur für Arbeit.

 

Auch viele internationale IT-Fachkräfte zieht es nach Deutschland. „Entgegen dem eher schlechten Ruf in Sachen Digitalisierung gehört Deutschland zu den attraktivsten Arbeitsmärkten der Welt bei Digital-Fachkräften“, schreibt die WirtschaftsWoche. Deutschland sei nach den USA der zweitbeliebteste Arbeitsmarkt für IT-Experten. Knapp ein Drittel von ihnen könnte sich einer Studie zufolge einen Umzug vorstellen – besonders Berlin liege im Trend. Zwei Drittel der Digitalexperten weltweit können sich laut dem Bericht allgemein vorstellen, ihr Heimatland für einen neuen Arbeitsplatz zu verlassen. Besonders hoch sei die Quote mit über 70 Prozent in Indien und Brasilien, aber auch in Frankreich.

 

Um begehrte Fachkräfte anzuwerben, würden viele Firmen inzwischen Fachmessen nutzen, auf denen sie ohnehin mit einem eigenen Stand präsent sind, um Innovationen vorzustellen. Unter der Überschrift „Flirt am Messestand – wenn Firmen um Fachkräfte werben“, berichtete das Handelsblatt im Mai über dieses Phänomen. „Nach einer aktuellen Umfrage des Verbands der deutschen Messewirtschaft Auma nutzen heute 23 Prozent der Aussteller Messen gezielt zur Rekrutierung. Vor zehn Jahren waren es erst neun Prozent“, heißt es in dem Beitrag. Hauptmotiv sei der steigende Fachkräftemangel insbesondere im Mittelstand.

  

Regionale Meldungen

Im Mai wurde in Dresden die „Fachkräftestrategie 2030 für den Freistaat Sachsen" vorgestellt. „Nach bisheriger Prognose fehlen auf dem sächsischen Arbeitsmarkt in elf Jahren um die 300.000 Menschen“, teilte die FreiePresse mit. Die in der 2015 gegründeten Fachkräfteallianz versammelten Kammern, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Berufs- und Branchenverbände hätten sich per Erklärung zu der zuvor vom Kabinett verabschiedeten Strategie bekannt. Derzeit gebe es noch keinen flächendeckenden Fachkräftemangel in Sachsen, in einigen Berufen, Branchen und Regionen aber zunehmende Mangelsituationen und Engpässe. Ziele seien unter anderem, die Zahl der Ausbildungsabbrecher zu reduzieren, Studienabbrecher für die duale Ausbildung zu gewinnen und die Anzahl ausländischer Fachkräfte zu verdoppeln.

 

In Mecklenburg-Vorpommern schlägt, wie in anderen Regionen auch, demnächst verstärkt der demografische Wandel zu. „Tausende Erwerbstätige gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand“, berichtete die Ostsee-Zeitung im Mai. Die nahende Pensionierungswelle treffe zehntausende Unternehmen. Bereits 2017 seien fast 186.000 Erwerbstätige in Mecklenburg-Vorpommern über 55 Jahre alt gewesen. Das entspreche knapp 25 Prozent aller Erwerbstätigen im Land. „Dem gegenüber steht der Mangel an Nachwuchs“, schreibt die Ostsee-Zeitung. „Laut Bundesagentur für Arbeit waren im vergangenen April über 6.000 Ausbildungsplätze in MV unbesetzt. Besonders viele offene Stellen gab es in der Gastronomie, im Einzelhandel und im Handwerk.“

 

Mit einem neuen Welcome-Center wirbt in Mecklenburg-Vorpommern die Kreisstadt Stadt Neubrandenburg um Fachkräfte, Rückkehrer und Studierende. „In den Jahren nach der Wende pilgerten Tausende fort aus der Region, wodurch die Bevölkerungszahlen hierzulande schrumpften“, schreibt der Nordkurier. „Nicht wenige hegen aber Jahre nach ihrem Fortgang den Gedanken, in die Seenplatte zurückzukehren. Andere haben mitunter noch nie von Neubrandenburg und Umgebung gehört – landen dort aber plötzlich unverhofft.“ Diese Personen hätten nun eine Anlaufstelle.

 

Mit Hilfe eines Innovation-Labs mit ständig wechselnden Werkstudenten will ein Softwarehaus mittelfristig neue Mitarbeiter gewinnen – und kurzfristig mit neuen Ideen die eigenen Produkte verbessern. Das berichtete das Magazin Markt und Mittelstand im Mai unter der Überschrift „Fachkräfte und Innovation: zwei Fliegen mit einer Klappe“. Das Softwareunternehmen Veda versuche mit diesem neuen Konzept, zukünftige Fachkräfte auf den Weg nach Alsdorf bei Aachen zu bringen. „Mit unserem Innovation-Lab wollen wir neue Mitarbeiter direkt aus den Hochschulen gewinnen“, zitiert das Magazin eine Personalverantwortliche des Unternehmens.

 

Und noch ein „Lab“: In Berlin wurde laut Berliner Woche das erste „Maker-Lab“ erfolgreich abgeschlossen. „Mit ihrem Workshop ‚Maker-Lab 4.0‘ wollen Katrin Durst und Annabelle Kuhn beim Sozialunternehmen Studio 2B jungen arbeitslosen Berlinern ab 25 einen einfachen Einstieg in die digitale Arbeitswelt bieten“, schreibt das Anzeigenblatt. Angelehnt sei der Titel an den Begriff „Arbeiten 4.0“. Bei dem Bildungsorientierungsprojekt, das mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales finanziert werde, hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über einen Zeitraum von acht Wochen mit 3D-Druck, Elektronik und Robotern gearbeitet, gebastelt, gebaut und programmiert und sich an der Studio-2B-Produktion von 360-Grad-Ausbildungsfilmen beteiligt.

 

Fachkräfte in der Region halten und junge Menschen zu einer Ausbildung im Handwerk bewegen – das ist das Ziel der Aktion „Hand ans Werk – Pack an in Winterberg, Medebach und Hallenberg“. Wie die Westfalenpost berichtete, habe sich das Projekt zum Ziel gesetzt, Fachkräfte in der Region zu halten und junge Menschen zu einer Ausbildung im Handwerk zu bewegen. Jetzt wurde ein dazugehöriges Marketingkonzept verabschiedet. „Ziel ist insbesondere eine positive Ansprache von Schülern, jungen Menschen und Fachkräften sowie damit einhergehend eine weitere Imageaufwertung der Region und seiner Handwerks-Betriebe“, heißt es in der Westfalenpost.

  

Netzwerk-Nachrichten

Die Initiative Erfurter Kreuz (IEK) – benannt nach Thüringens größtem Gewerbegebiet – sucht derzeit für 136 Stellen im Gewerbegebiet neue Beschäftigte – auch in sozialen Medien. Etwa 8.200 Menschen hätten in den knapp 80 Unternehmen und Firmen einen Job gefunden, künftig würden weitere 4.200 Fachkräfte benötigt, wenn sich auch auf den verbliebenen Freiflächen Firmen angesiedelt hätten, berichtete die Thüringer Allgemeine im Mai. Um die Betriebe bei der Suche nach Beschäftigten weiter zu unterstützen, hätten die Initiative sowie die Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung (ThAFF) nun einen Aktionsplan unterzeichnet, heißt es in dem Beitrag. Dieser solle eine noch engere Zusammenarbeit ermöglichen, etwa indem die von der ThAFF betriebene Thüringer Stellenbörse auch auf den Internetseiten der IEK eingebunden werde. Sowohl die ThAFF als auch die IEK sind auch als Fachkräftenetzwerke in der Online-Netzwerkdatenbank des Innovationsbüros Fachkräfte für die Region gelistet.

  

Schlaglicht Arbeiten 4.0

Angelehnt an „Industrie 4.0“ skizziert der Begriff „Arbeiten 4.0“ neue Formen von Arbeit in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Doch es geht zudem auch allgemein um neue Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse – und insofern passt ein Bericht der Stuttgarter Nachrichten aus dem Mai ebenfalls gut in unser „Schlaglicht Arbeiten 4.0“. „Junge Fachkräfte sind weniger mobil“, lautet die Überschrift. Bei jungen Akademikern, die eigentlich als mobil gelten würden, sinke die Bereitschaft, für einen neuen Job umzuziehen oder zu pendeln. „Ein Grund für die sinkende Umzugsbereitschaft ist vermutlich der Fachkräftemangel – Chancen auf eine berufliche Verbesserung sehen viele Arbeitnehmer auch in ihrer Region“, schreibt die Zeitung aus Stuttgart unter Berufung auf eine Erhebung der Personalvermittlung Odgers Berndtson. Doch auch die Abkehr vom Alleinverdienermodell spiele eine Rolle: „Wenn beide Partner berufstätig sind und die Organisation der Haushalts- und Kinderbetreuung mit hohem Aufwand verbunden ist“, zitiert die Zeitung einen Vertreter der Personalvermittlung, „bewegt sich verständlicherweise keiner mehr gern.“