Medienbeobachtung März 2020

Die ersten Märztage in der Fachkräfte-Berichterstattung waren noch geprägt vom neuen, seit 1. März geltenden Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Nachdem die Medien in den Wochen zuvor ausführlich und mit längeren Beiträgen darauf eingingen, erschienen Anfang März in vielen überregionalen und lokalen Medien kurze Meldungen (die wir hier nicht eigens aufführen), die auf die neuen Möglichkeiten hinwiesen, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen.

Dann kam die Coronavirus-Krise. Immer noch finden sich manche Berichte über unterschiedliche Aspekte des Fachkräftemangels – zum Beispiel über die Schwierigkeiten von Planungsbehörden oder der Logistikbranche, geeignete Fachkräfte zu finden (siehe unten). Allerdings gilt die Aufmerksamkeit der Medien spätestens seit Mitte März voll und ganz den gesundheitlichen, wirtschaftlichen und anderen relevanten Aspekten der größten Krise seit Jahrzehnten.

Was das Thema Fachkräfte betrifft: Das Schlagwort taucht in der Berichterstattung zwar weiterhin täglich auf. Jetzt geht es allerdings um systemrelevante Fachkräfte und deren Einsatz. Oder darum, dass Initiativen zur Fachkräftegewinnung ausgebremst werden, weil etwa Infoveranstaltungen nicht mehr stattfinden dürfen.

Ein Phänomen der Krise: Hunderttausende Deutsche arbeiten nun im Home Office. Mal besser, mal schlechter ausgestattet, sitzen Fach- und Führungskräfte zahlreicher Branchen zu Hause und leisten von dort ihren Beitrag zum Fortbestehen ihrer Unternehmen und Institutionen. Mehrere Medienberichte werfen erste Blicke auf die Büroarbeitsplätze in den eigenen vier Wänden – siehe unser „Schlaglicht Arbeiten 4.0“.
 

Überregionales

Migration werde in der deutschen Öffentlichkeit weitgehend als negativ wahrgenommen, heißt es in einem Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im März. Das würden Umfragen und Studien zeigen. „Für eine andere Sicht wirbt nun ein Strategiepapier mit dem Titel ‚Jobs und Migration: eine afrikanische Perspektive‘, das unter anderen von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) verfasst wurde“, schreibt die FAZ. Die Autoren fordern laut FAZ, „dringend“ legale Wege für afrikanische Migranten nach Deutschland und Europa zu öffnen. Laut IOM sei Europa durch den demografischen Trend alternder Gesellschaften auf Fachkräfte aus anderen Teilen der Welt angewiesen. Afrika hingegen werde mit einem Bevölkerungswachstum konfrontiert. Dort könnten die Arbeitsmärkte nicht die schiere Zahl an jungen Bewerbern aufnehmen. Deshalb sei Migration aus Afrika „eine Win-win-Situation für beide Seiten“.

Fachkräfte fehlen beispielsweise In Planungsbehörden. „In Deutschland müsste viel gebaut werden: Bahnstrecken, Radwege, Stromtrassen oder Windräder“, schreibt der Spiegel im März. Doch die Planungsverfahren zögen sich hin – weil viele Behörden kaum noch Fachkräfte fänden. In Schleswig-Holstein seien beispielsweise 15 Prozent der Stellen in den Planungsbehörden unbesetzt. Bei Stellenausschreibungen habe die Zahl qualifizierter Bewerber spürbar abgenommen. Ausreichend geeignete Fachkräfte bei der Bauplanung zu finden, sei angesichts des Baubooms schwierig, weil auch die Bauindustrie geeignete Bewerber brauche.

Auch der Mangel an IT-Fachkräften ist weiterhin erheblich. Besonders begehrt und schwer zu finden: Fachkräfte für IT-Sicherheit sowie Datenprofis. Die Computerwoche stellte im März die Ergebnisse einer Befragung von deutschen CIOs vor. „Fakt sei, dass viele Unternehmen viele Schlüsselpositionen in der IT nicht besetzen könnten“, schreibt das Magazin unter Berufung auf die Befragung. „Erschwerend komme hinzu, dass sich die Ausbildung den sich schnell verändernden Anforderungen im Unternehmen nicht in der gleichen Geschwindigkeit anpassen könne.“

Ebenfalls im März berichtet die Computerwoche: „Systemhäuser kämpfen um Fachkräfte“. Jede fünfte Projektanfrage ihrer Kunden hätten die IT-Dienstleister laut einer Umfrage zuletzt ablehnen müssen – meist, weil ihnen die Fachkräfte fehlten, um alle Projekte auch umzusetzen. „Der Mangel an Mitarbeitern mit ausreichenden Digitalkompetenzen stellt Systemhäuser vor zunehmend größere Herausforderungen“, schreibt die Computerwoche.

Auch um „den Netzausbau zügig und zukunftssicher voranzutreiben, benötigt Deutschland dringend Fachkräfte“, heißt es im März auf der Website B_I Medien. Die 2018 vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag und dem Breitbandbüro des Bundes ins Leben gerufene Initiative „Fachkräfte für den Glasfaserausbau“ gebe unter www.glasfaserausbau.org einen Überblick über bundesweite Weiterbildungsmöglichkeiten in diesem Bereich und stelle grundlegende Informationen für interessierte Unternehmen und Arbeitskräfte zur Verfügung. Die Website solle dazu beitragen, dem aktuellen Engpass beim Glasfaserausbau entgegenzuwirken. „Mit wenigen Klicks können ausbauende Netzbetreiber, Installations- und Tiefbauunternehmen die passende Weiterbildung für ihre Mitarbeitenden finden“, heißt es in dem Bericht.

Wie Logistik Heute berichtet, sucht auch diese Branche verstärkt nach Fachkräften. Die Initiative „Die Wirtschaftsmacher“ setze ihre Imagearbeit für die Logistik im Jahr 2020 fort, ist auf der Website des Fachmagazins zu lesen. „Im Vordergrund stehen abermals die Menschen im drittgrößten Wirtschaftsbereich mit ihren spannenden Berufsprofilen und vielschichtigen Aufgaben“, schreibt das Magazin. Die Kampagne solle vorwiegend über Social-Media-Kanäle und eine Website junge Menschen und wechselbereite Fachkräfte ansprechen. Die Initiative „Die Wirtschaftsmacher“ setze sich dafür ein, das Image der Logistik zu verbessern, ihre Sichtbarkeit und Wertschätzung in der breiten Öffentlichkeit zu erhöhen und dem Fach- und Arbeitskräftemangel in der Logistik zu begegnen.

Focus Online thematisiert im März eine weitere Herausforderung im Zusammenhang mit der Fachkräftesicherung: „Angesichts der Mietpreis-Explosion ist das Wohnen in Ballungsgebieten wie München, Stuttgart und Frankfurt selbst für Fachkräfte kaum erschwinglich. Auch deshalb bieten Unternehmen wieder vermehrt bezahlbare Wohnungen in den Ballungszentren“, berichtet das Magazin. Einer aktuellen Studie zufolge würden allein im laufenden Jahr rund 10.000 Mitarbeiterwohnungen neu gebaut. „Zu den Unternehmen, die mit subventionierten Mietwohnungen potenzielle Neu-Mitarbeiter locken wollen, zählen vor allem große Konzerne wie BASF und Volkswagen“, heißt es in dem Bericht. Eine steuerliche Änderung komme ihnen entgegen: „Seit Januar“, schreibt Focus Online, „müssen Unternehmen, die eine Wohnung an Mitarbeiter unterhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete vermieten, diesen geldwerten Vorteil nicht mehr versteuern.“

 

Regionale Meldungen

Es ist nur eine Meldung, aber sie steht für viele: „Wegen Corona: Start der Fachkräfte-Kampagne für Westbrandenburg entfällt“, teilte die Märkische Oderzeitung im März mit. Die Bürgermeister mehrerer Kommunen wollten dabei auf dem Rathenower Bahnhof in eine Regionalbahn steigen und Berufspendlern auf dem Weg zum Brandenburger Hauptbahnhof die Vorzüge der Wirtschaftsregion erläutern. In vielen Regionen mussten Fachkräfte-Kampagnen wie diese, aber auch Jobmessen und andere Formate abgesagt oder verschoben werden, wie verschiedene Medien berichteten.

„Um Fachkräfte vom Münsterland zu überzeugen, wurde der neue Service Onboarding@Münsterland des Münsterland e.V entwickelt“, berichtet im März die lokale Wochenpost. Dieser unterstütze Fachkräfte beim Ankommen und Arbeitgeber in der Region bei der Fachkräftegewinnung. „Wir möchten das Münsterland als attraktive Arbeits- und Lebensregion stärken und über die Grenzen hinweg wahrnehmbar machen“, zitierte die Wochenpost die Leiterin von Onboarding@Münsterland. „Denn im Wettbewerb um Fachkräfte ist das Employer Branding nicht nur Aufgabe von Arbeitgebern, sondern auch Aufgabe der Region.“ Neulinge sowie Rückkehrerinnen und Rückkehrer werden laut dem Bericht bei der Orientierung in der neuen Heimat unterstützt, bekommen Infos zu den Themen Arbeiten, Wohnen und Leben, werden persönlich beraten und können bei Willkommensevents neue Kontakte knüpfen. Arbeitgeber bringe der Service in einem münsterlandweiten Netzwerk zusammen und unterstütze sie auch beim Standortmarketing.

Die Zeitung für kommunale Wirtschaft stellt im März einen innovativen Recruiting-Ansatz am Beispiel eines Wiesbadener Energieversorgungsunternehmens vor. „Mit virtuellen Praktika können Schüler in Berufe von Stadtwerken hineinschnuppern, ohne direkt vor Ort sein zu müssen. Auch Mitarbeiter lassen sich per VR-Brille ortsunabhängig schulen“, heißt es in dem Bericht. Mithilfe von Virtual-Reality-Brillen und Filmen in 360 Grad biete der Energieversorger aus Hessen erstmals virtuelle Besuche und Arbeitseinblicke an. „Schüler schauen Azubis über die Schulter und erfahren in kurzen Videos wie es ist, einen Tag lang Anlagenmechaniker zu sein“, schreibt die Zeitung. „Wir waren schnell von der Idee überzeugt“, zitiert sie einen Unternehmenssprecher, „und wollen gern Vorreiter sein, mit Unterstützung der digitalen Möglichkeiten zukünftige Fachkräfte zu gewinnen.“

 

Netzwerk-Nachrichten

Zu der vielfältigen Arbeit unserer regionalen Netzwerke konnten wir im März leider keinen Medienbericht finden. Das wird sich aber bestimmt in den kommenden Monaten ändern, denn es steht wieder der Wettbewerb „Innovatives Netzwerk 2020“ an. Denn trotz der Coronavirus-Krise ist und bleibt die Fachkräftesicherung ein zentrales Thema der Arbeitswelt – darum haben wir auch dieses Jahr die besten Netzwerke zur Fachkräftesicherung gesucht. Zum Einsendeschluss am 13. März 2020 bewarben sich insgesamt 61 Netzwerke, die in ihrer Region besonders aktiv in einem Netzwerk tätig sind, Projekte zur Fachkräftesicherung erfolgreich umsetzen und mit kreativen Maßnahmen bereits Fachkräfte finden, binden und halten konnten und nun als Vorbild für andere Regionen dienen können. Derzeit werden die Gewinner durch die Jury bestimmt. Die Ehrung der Gewinner findet während des 8. Innovationstages Fachkräfte für die Region statt. Der Termin steht aus aktuellen Gründen noch nicht fest.
 

Schlaglicht Arbeiten 4.0

Eines der Schlagwörter im Zusammenhang mit „Arbeiten 4.0“ lautet „Agilität“. Das PT-MAGAZIN für Wirtschaft und Gesellschaft schreibt nun, dass agile Arbeitsmethoden in Deutschland schon heute mehrheitlich bekannt seien. Insgesamt 57 Prozent der Fach- und Führungskräfte ist mindestens eine agile Arbeitsmethode bekannt. Und die Mehrheit (55 Prozent) derjenigen, die mit agilen Arbeitsformen bereits vertraut sind, setzen diese auch ein. „Agile Arbeitsmethoden gelten als besonders vielversprechender Ansatz, um ein dynamisches und kreatives Arbeitsumfeld zu schaffen und somit der zunehmenden Komplexität moderner Arbeit gerecht zu werden“, heißt es in dem Beitrag, der sich auf eine gemeinsame Studie der Online-Jobplattform StepStone und des Kienbaum Institut @ ISM bezieht. Die bekanntesten agilen Arbeitsmethoden sind laut der Befragung KANBAN (34 Prozent), SCRUM (32 Prozent) und Design Thinking (25 Prozent).

Das Corona-Virus verändert unsere Arbeit. Mehrere Medienberichte greifen im März den Trend zum Home Office auf. Die entsprechende Überschrift im Schweizer Tagblatt lautet: „Wenn das ganze Land plötzlich im Home-Office-Modus ist“. Auf den Nachrichtenseiten von t-online.de heißt es: „Corona beschleunigt den Trend zum Home-Office“. Seit dem ersten bestätigten Fall von Covid-19 in der Schweiz Ende Februar sei der Begriff Home Office fast so virulent wie das Virus selbst. Die Arbeitsform erlebe seither einen regelrechten Schub, schreibt das Tagblatt. Das gilt auch für Deutschland. „Was viele Chefs lange ablehnten, wird zur Normalität: Wegen des Coronavirus schicken immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter zum Arbeiten nach Hause“, ist auf t-online.de zu lesen. Das treibe die Digitalisierung voran – schaffe aber auch Herausforderungen. Vielen Firmen falle erst jetzt auf, was dazu alles nötig ist. „Die Unternehmen stellen über das verstärkte Arbeiten im Home-Office fest, ob sie bereits über die richtigen Werkzeuge – von Kommunikationssoftware bis Cloud-Services – für das Arbeiten 4.0 verfügen“, zitiert t-online.de eine Digitalisierungsexpertin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Laut Tagblatt verfügen gerade zehn Prozent der Firmen in der Schweiz über eine Strategie, wie sie das Arbeiten unter den Bedingungen der Digitalisierung gestalten wollen. Nachholbedarf bestehe auch bezüglich geeigneter Werkzeuge und entsprechender Computer-Software, die es Beschäftigten erlaubt, von verschiedenen Standorten aus untereinander zu kommunizieren.

Die Website iBusiness bietet denn auch „Vier Tipps zum Managen von Mitarbeitern im Home Office“ – nicht der einzige Bericht dieser Art im März. In dem Beitrag heißt es beispielsweise, im Alltag erfordere der Umgang mit Mitarbeitenden im Home Office einen anderen Führungsstil – nämlich einen Wechsel von der verhaltensbasierten zu einer ergebnisorientierten Denkweise. Wichtig seien zudem verschiedene Formen der Kommunikation – vor allem auch Videobesprechungen. Denn: „Mitunter fühlen sich Mitarbeiter möglicherweise weniger verbunden und das Zugehörigkeitsgefühl leidet“, ist zu lesen. Wichtig sei zudem eine Kultur der Offenheit und der Flexibilität. Und nicht zuletzt warnt der Beitrag davor, die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben nicht allzu sehr verschwimmen zu lassen.