Medienbeobachtung März 2018

Fachkräftemangel – und kein Ende. 1,6 Millionen Fachkräfte fehlen in Deutschland nach jüngsten Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Mehrere Medien, darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung, berichteten im März. Rapide gestiegen ist zum Beispiel der Bedarf an IT-Spezialisten. Informatiker werden überall gebraucht, heißt es im Magazin „ZEIT Campus“. Offenbar streben viele von ihnen aber gar keine Festanstellung an, wenn man einer Arbeitsmarktanalyse glauben kann, von der das Magazin „t3n“ berichtet.

Unstrittig ist jedenfalls: Kleinere Betriebe haben deutlich mehr Schwierigkeiten, die Fachkräftelücke zu schließen, als große. Für das Rhein-Main-Gebiet belegt dies eine Studie, die im März ebenfalls mehrere Medien aufgriffen.

Interessant fanden wir eine Meldung in der „Ostsee-Zeitung“: Die Stadt Rostock feiert dieses Jahr 800 Jahre Stadtgeschichte – und möchte aus diesem Anlass mit vereinten Kräften 800 neue Fachkräfte qualifizieren. Dazu passt eine NDR-Meldung, derzufolge auch den Bootsbauern in Mecklenburg-Vorpommern die Fachkräfte ausgehen.

Auch im März freuen wir uns, dass unsere Unterstützungsarbeit für die Fachkräftenetzwerke in den Medien Beachtung findet. Die „Eifel-Zeitung“ berichtete ausführlich über die 1. Fachtagung der Arbeitgebermarke Eifel in Biersdorf bei Bitburg. Im Mittelpunkt standen die Themen Recruiting und Arbeitgeberattraktivität. Einer der Referenten war Jan Kuper, Projektleiter des Innovationsbüros Fachkräfte für die Region in Berlin. Er stellte den rund 70 Teilnehmern Erfolgsbeispiele von Fachkräftenetzwerken in anderen Regionen vor.

Überregionales

„Fachkräfte gesucht wie nie!“ hat der DIHK seinen jüngsten Arbeitsmarktreport betitelt. Die Auswertung beruht auf knapp 24.000 Unternehmensantworten. Insgesamt rund 1,6 Millionen Stellen in Deutschland könnten nach DIHK-Hochrechnungen längerfristig nicht besetzt werden. Mittlerweile ist für 60 Prozent der deutschen Betriebe der Fachkräftemangel das Geschäftsrisiko Nummer eins, 2010 waren es lediglich 16 Prozent. Mehrere Medien machten die Ergebnisse des DIHK-Arbeitsmarktreports zum Thema, darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Die Mittelbayerische macht zum aktuellen Job-Boom ein Rechenbeispiel auf: „Würde man die zuletzt 736.000 freien Stellen auf einen Schlag allein mit Arbeitslosen besetzen, hätte Deutschland über Nacht nur noch 1,8 Millionen amtlich registrierte Jobsucher“, schreibt die Zeitung aus Regensburg. Doch die Arbeitsmarkt-Wirklichkeit sehe nun mal anders aus. Vielen Langzeitarbeitslosen würde es an Know-how fehlen, um die immer anspruchsvoller werdenden Aufgaben erledigen zu können. „Die Folge: Von dem nun schon gut zehn Jahre währenden Job-Boom“, heißt es in dem Artikel „haben vor allem gut ausgebildete Fachkräfte profitiert, Langzeitarbeitslose kaum.“

„Informatiker werden überall gebraucht“, schreibt das Magazin ZEIT Campus, „das Stellenangebot ist in den letzten Jahren rapide gestiegen.“ Mit Bezug auf die Bundesagentur für Arbeit ist zu lesen, das Stellenangebot für IT-Fachkräfte sei zwischen 2015 und 2016 um knapp 20 Prozent gestiegen. Mehr als 90 Prozent der gemeldeten Stellen für akademische IT-Experten seien dabei unbefristet. Dies sei „ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind“, heißt es in dem Bericht. Dennoch gebe es, wie eine andere Untersuchung zeige, keinen flächendeckenden Informatikermangel: Immerhin ein knappes Drittel der Unternehmen habe offenbar keine Probleme damit, offene IT-Stellen zu besetzen.

Wenn stimmt, was das Magazin t3n berichtet, wird das mit dem Besetzen der IT-Stellen schwierig bleiben: „Deutsche IT-Kräfte pfeifen auf sichere Festanstellungen“, heißt es dort mit Berufung auf eine Arbeitsmarktanalyse des „Indeed Hiring Labs“. Viele Arbeitgeber würden sich auf diesen Trend einstellen und Stellen in sogenannten Mangelberufen zunehmend auch als Freelancer-Jobs ausschreiben.

Nicht-akademische Fachkräfte setzen hingegen auf einen sicheren und harmonischen Arbeitsplatz, lässt uns die WirtschaftsWoche wissen. Das Magazin berichtet über eine Umfrage des Portals meinestadt.de. „Nicht etwa viel Geld oder Karrierechancen, sondern Sicherheit und Unternehmensklima sind nicht-akademischen Fachkräften bei der Jobsuche am wichtigsten“, heißt es in dem Artikel. Das Ergebnis lege nahe, dass Arbeitgeber bei Stellenausschreibungen sehr viel mehr Rücksicht auf diese Präferenzen nehmen sollten.

Vielleicht wäre das eine Chance für Kleinbetriebe mit bis zu 49 Beschäftigten. Die tun sich laut einem Bericht des Trierischen Volksfreunds und anderer Medien nämlich schwerer als größere Firmen, geeignete Fachkräfte zu finden. Auf sie entfielen laut einer Studie des IWAK-Instituts der Frankfurter Goethe-Universität rund zwei Drittel sämtlicher unbesetzter Stellen.



Regionale Meldungen


Ein anderer Weg zu mehr Fachkräften lautet: „Wir bilden unsere Fachkräfte meistens selbst aus“. So überschreibt der Nachrichtendienst iwd des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln einen Bericht über die Schwierigkeiten von Unternehmen, neue Mitarbeiter zu finden. „Vor allem Mittelständler auf dem Land tun sich mit der Personalsuche häufig schwer“, heißt es in dem Artikel. Am Beispiel der Andreas Karl GmbH im oberbayerischen Fahrenzhausen, einem Familienunternehmen, das weltweit nachgefragte Arbeitsplatzsysteme produziert, illustriert der Bericht, wie man abseits der Metropolen dennoch Erfolg bei der Akquise haben kann. Das Unternehmen bietet sogar Wohnhäuser auf dem Werksgelände an. Außerdem gilt laut Unternehmer Andreas Karl: „Wenn es um Facharbeiter geht, sind wir mit der eigenen Ausbildung am erfolgreichsten.“

Auch in Rostock suchen viele Arbeitgeber Fachkräfte. Nun haben sich Arbeitsagentur und Hanse-Jobcenter auf eine ungewöhnliche Maßnahme verständigt, ist in der Ostsee-Zeitung zu lesen: Sie setzen stark auf Qualifizierung gegen den Personalnotstand und wollen im Jahr des 800-jährigen Stadtjubiläums 800 neue Fachkräfte für Rostock qualifizieren.

Das wäre auch gut für die Bootsbauer in Mecklenburg-Vorpommern. Der NDR berichtete im März, dass die mittelständischen Jacht- und Reparaturwerften gut zu tun hätten, ihnen jedoch qualifizierte Fachkräfte fehlen würden. Zwar gebe es genügend Bewerbungen für Ausbildungsplätze. Das Problem sei jedoch, den Nachwuchs zu halten.

Netzwerk-Nachrichten

Rund 70 Interessenten kamen im März zur ersten Fachtagung der Arbeitgebermarke EIFEL. Wie die örtliche Eifel-Zeitung berichtete, standen Fachkräfte-Recruiting und Employer Branding als Schwerpunktthemen auf der Tagesordnung. Dies sei „überlebenswichtig“ für die Unternehmen in der ländlichen Region, schreibt das Blatt mit Blick auf die derzeitigen Herausforderungen und listet diese auf: „offene Ausbildungsstellen, fehlende Fachkräfte insbesondere in gewerblichen und in sozialen/pflegerischen Bereichen, lange Zeiten unbesetzter Stellen in Unternehmen, kaum Bewerbungen auf Stellenangebote“. Einer der Referenten war Jan Kuper, Leiter des Innovationsbüros Fachkräfte für die Region, das das Unternehmernetzwerk unterstützt.

Am Hochschulstandort Aachen ist das Fachkräftepotenzial größer. Allerdings sind es nicht nur die Absolventen, für die sich Firmen interessieren, sondern auch Studienabbrecher. Ihnen widmet sich das Netzwerk „SWITCH“, das vom Innovationsbüro als „innovatives Netzwerk“ ausgezeichnet wurde. Das gleichnamige Projekt bringt Studienabbrecher und Firmen zusammen. Kern des Projekts ist eine verkürzte und auf die Bedürfnisse beider Seiten zugeschnittene Berufsausbildung. Dies griff jetzt die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Blog-Beitrag mit der Überschrift „Du willst nur einmal scheitern“ auf.


Schlaglicht Arbeiten 4.0

„Berufe werden immer digitaler. Doch wie verändert das die Anforderungen an die Fachkräfte?“, fragt die verkehrsRUNDSCHAU. Sie berichtet über eine soeben gestartete Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Das BIBB möchte an ausgewählten Berufen ermitteln, was die gegenwärtigen Veränderungen im Zuge der Digitalisierung für Ausbildung und Arbeit bedeuten. Ein sogenanntes „Berufe-Screening“ solle die Auswirkungen der Digitalisierung auf ausgewählte Ausbildungsberufe aufzeigen. Die Befragung läuft laut dem Bericht bis zum 23. April.

Den „rasanten Wandel von Prozessen und Techniken“ greift auch das Magazin Capital in einem Beitrag auf. Er stelle ebenso wie die zunehmende Informationsflut oder die erforderliche Reaktionsgeschwindigkeit hohe Ansprüche an die Beschäftigten in den Betrieben. Deren Zufriedenheit sei jedoch ein entscheidendes Kriterium für die Produktivität des Unternehmens. Deshalb hätten Führungskräfte eine Schlüsselfunktion und bräuchten mehr als nur ihr Fachwissen. „Sie müssen nicht nur Steuermann, Stratege und Sinnstifter sein, sondern mit sich selbst im Reinen und von ihrem Tun erfüllt. Andernfalls droht der Verlust – erst von Überzeugungen, danach von Überzeugungskraft“, schreibt das Magazin und erklärt, „Warum Chefs von einer Coaching-Ausbildung profitieren“.