Medienbeobachtung Juni 2018

Natürlich handeln auch im Juni zahlreiche Medienberichte vom Mangel an Fachkräften, quer durch alle Branchen und Regionen. Doch ist der Juni auch der Monat der guten Nachrichten. Denn er ist der Monat des traditionellen Innovationstages des Innovationsbüros Fachkräfte für die Region. Am 14. Juni fand er zum sechsten Mal statt. Erneut wurden fünf besonders innovative Fachkräftenetzwerke vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales für ihre vorbildlichen Projekte ausgezeichnet, und dank der Berichterstattung einiger regionaler Medien erfährt dieses wichtige Engagement im Juni größere Beachtung.

Ansonsten, wie gesagt, Mangel. An Fachkräften. Damit auch an Umsatz und Geschäftschancen. „Es ist so schwer, gutes Personal zu finden“, vermeldet etwa der NDR. Besonderen Mangel sehen Experten bei IT- und MINT-Kräften.

Gute Nachrichten kommen aus Rheinland-Pfalz: Laut einem Bericht in der Tageszeitung „Welt“ setzen dort immer mehr Unternehmen auf Geflüchtete als Arbeitskräfte. Die Zahl der geflüchteten Menschen, die in dem Bundesland eine Beschäftigung auf dem regulären Arbeitsmarkt gefunden haben, habe sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt. Und Hoffnung auch aus Stuttgart: Das „Handelsblatt“ berichtet von einer Diskussionsveranstaltung in der baden-württembergischen Hauptstadt, bei der Familienunternehmen im Fokus standen. Die hätten durchaus gute Chancen auf dem Bewerbermarkt, weil sich Familienunternehmen und Generation Y bei wichtigen Werten sehr nahe seien.

 

Überregionales

Der Fachkräftemangel kostet Mittelständler 65 Milliarden Euro Umsatz. Dies meldet das Handelsblatt im Juni unter Berufung auf eine neue Untersuchung der Unternehmensberatung PwC in 31 europäischen Ländern. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften sei inzwischen so gravierend, dass 60 Prozent der deutschen Mittelständler und Familienunternehmen ihn als größtes Wachstumsrisiko betrachten würden. Vielen Firmen würden Geschäftschancen entgehen. Dies illustriert der Bericht am Beispiel eines großen Zahnbürstenherstellers, dem Facharbeiter für den Dreischichtbetrieb fehlen, weshalb weiteres Wachstum derzeit unmöglich sei.

 

Am stärksten sind laut Industrieanzeiger inzwischen IT-Fachkräfte gesucht. IT-Berufe seien auf Platz 1 des Stellenmarktes gerückt, meldet das Onlinemagazin. Quelle: der Arbeitsreport 2018 von Dekra. „Demgegenüber hat sich die Lage in den Ingenieurdisziplinen entspannt“, heißt es in dem Bericht. Maschinenbau- und Elektroingenieure seien aus den Top Ten herausgefallen und würden Platz 12 belegen, seien jedoch weiter begehrt. „Bemerkenswert ist auch“, schreibt der „Industrieanzeiger“, „dass die ersten zehn Plätze des Stellenmarkts keineswegs Akademikern vorbehalten sind. Elektroniker finden sich hier ebenso wie Gesundheits- und Krankenpfleger, Produktionshelfer oder Vertriebskräfte.“

 

Der NDR berichtet von der diesjährigen Cebit und nennt IT-Fachkräfte „die Rohdiamanten des 21. Jahrhunderts“. „IT-Fachkräfte werden von vielen Unternehmen und Behörden verzweifelt gesucht“, heißt es in dem Beitrag. 42 Prozent der Unternehmen sähen einer Studie des Branchenverbands Bitkom zufolge fehlende Fachkräfte als Problem beim Einsatz neuer Technik an. Auf der Cebit sei Job und Karriere ein großer Bereich mit vielen prominenten Ausstellern gewidmet. „Nicht zuletzt ist die viel diskutierte Neukonzeption der Messe auch ein Versuch, Hochschulabsolventen und Berufsanfänger wieder verstärkt nach Hannover zu locken“, berichtet der NDR.

 

„In Deutschland fehlen Fachkräfte in wissenschaftlichen und technischen Berufen“, schreibt das Handelsblatt. Die Tageszeitung beruft sich auf eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Derzufolge fehlen in Deutschland rund 315.000 Fachkräfte in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die Zahl der Hochschulabsolventen halte nicht Schritt mit dem Bedarf. „Nach Ansicht von Bildungsexperten müsste die Motivation für das schwierige Studium viel früher geweckt werden“, schreibt das „Handelsblatt“, „ideal wäre ein pädagogischer Unterbau, der die Neigung zu MINT-Fächern früh entdeckt und fördert.“

 

Regionale Meldungen

Entlastung beim Fachkräftemangel? „Die Zahl der Flüchtlinge, die in Rheinland-Pfalz eine Beschäftigung auf dem regulären Arbeitsmarkt gefunden haben, hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt“, meldet die Welt. Zudem hätten laut Bundesagentur für Arbeit in Rheinland-Pfalz zwischen Januar und Mai 135 Geflüchtete eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung begonnen. „Zahlreiche Unternehmen setzen darauf, mit Hilfe von Geflüchteten den Fachkräftemangel zu mindern“, heißt es in dem Bericht, „die Nachfrage nach ausländischen Fachkräften ist nach Angaben der Industrie- und Handelskammern (IHK) groß.“

 

Angesichts des Fachkräftemangels könne auch Ausbildung in Teilzeit ein Ausweg sein. Sie biete viele Chancen, schreibt die Rheinische Post. „Dieses Ausbildungsmodell ist bereits seit 2005 gesetzlich verankert, aber es ist immer noch sehr unbekannt“, zitiert die regionale Tageszeitung Stefanie Kühn vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf Düsseldorf und Kreis Mettmann.

 

In Stuttgart diskutierten derweil fast 100 Familienunternehmerinnen und -unternehmer mit Experten über Fachkräftemangel und die Ansprüche der Generation Y im Digitalzeitalter. Deutlich sei geworden, berichtet das Handelsblatt, dass Fachkräftemangel lediglich eine von mehreren Herausforderungen ist. Zudem sinke auch die Arbeitgeberloyalität und steige damit die Fluktuation von Beschäftigten. Die Chancen für Familienunternehmen auf dem Bewerbermarkt stünden aber gar nicht so schlecht, zitiert die Zeitung eine Expertin, denn die Werte von Familienunternehmen würden sich sehr gut mit denen der Generation Y verbinden lassen. „Die nach 1985 Geborenen suchten sinnstiftendes Arbeiten, flache Hierarchien und viel Eigenverantwortung“, heißt es weiter, „neben einer gelungenen Work-Life-Balance und Familienfreundlichkeit.“

 

Eine gelungene Work-Life-Balance ist für Lkw-Fahrer eine besondere Herausforderung. Wohl auch deshalb, weil sie so schwer zu erreichen ist, hat der Beruf an Reiz verloren. Wie die Welt aus Nordrhein-Westfalen berichtet, werden dort dringend Lkw-Fahrer gesucht. Während der Internet-Handel den Bedarf an Warentransport weiter steigere, nehme die Zahl der Fahrerinnen und Fahrer nur langsam zu – zu langsam aus Sicht der NRW-Verkehrswirtschaft. Die Branche sieht sich laut „Welt“ extrem unter Druck.

 

Netzwerk-Nachrichten

Zu den fünf beim 6. Innovationstag Mitte Juni in Berlin als „Innovative Netzwerke 2018“ ausgezeichneten Initiativen zählt das Netzwerk Glas. Es ist im ostbayerischen Landkreis Regen aktiv und wird von der ARBERLAND REGio GmbH getragen. Ausgezeichnet wurde das Netzwerk für sein Projekt „Ausbildungstour“. Das örtliche Wochenblatt sowie das Onlinemagazin da Hog’n berichteten.

 

Ebenfalls auf der Bühne in Berlin: Repräsentanten des Prignitzer Netzwerks Schule-Wirtschaft. Es wurde für den Schülerwettbewerb „Pokal der Wirtschaft“ als „Innovatives Netzwerk 2018“ ausgezeichnet. Dies griff die Märkische Allgemeine in ihrer Lokalausgabe für Perleberg auf, der Kreisstadt des Landkreises Prignitz in Brandenburg.

 

Die Bergedorfer Zeitung, Lokalausgabe der „Lauenburgischen Landeszeitung“, widmete allen fünf „Innovativen Netzwerken 2018“ einen Bericht. Anlass war sicherlich die Auszeichnung für das Netzwerk Grüne Werkstatt Wendland e.V., das für sein Kreativlabor „PostLab“ prämiert wurde. Das Wendland beginnt nur wenige Kilometer südöstlich von Lauenburg.

 

Schlaglicht Arbeiten 4.0

Für die Arbeitsorganisation der Zukunft interessiert sich im Juni die Computerwoche. In aller Munde sei das Thema „Home Office“. Der Gesetzgeber bemühe sich mit Definitionen von Tele-Heimarbeit und Home Office seit einiger Zeit um verlässliche Rahmenbedingungen. Diese Arbeitsform kann nach Überzeugung des Autors ein großes Potenzial entfalten. Er findet, „dass in Zeiten fortscheitender Digitalisierung, Globalisierung und von Arbeit 4.0 die Flexibilisierung von Arbeitsort und -zeit längst nicht mehr aufzuhalten und von großem ökonomischen Interesse ist.“

 

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung wirft einen Blick auf die Arbeitswelt von morgen. Der Chefsessel hat es ihr angetan. Der Autor begibt sich auf die Spuren des Vorstandschefs eines großen Mittelständlers und findet heraus: Der ist oft unterwegs, wann immer er jedoch im Betrieb ist, sucht er sich dort einen freien Arbeitsplatz – und sei es neben einem Auszubildenden. In dem Unternehmen gelte ein neues Bürokonzept, und auch der Chef halte sich daran. „Diese Art Flexibilisierung, die als Merkmal von Arbeiten 4.0 gilt“, so der Autor, „macht vor Chefetagen nicht halt.“

 

Bleibt die Frage, wer eigentlich künftig die Kolleginnen und Kollegen auswählt, die dann im „Home Office“ oder im Betrieb arbeiten? „Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist auch hier angekommen“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Algorithmen bahnen sich ihren Weg in einen Bereich, in dem das menschliche Urteil lange unabdingbar schien: die Auswahl von Mitarbeitern.“ Es gehe dabei längst nicht nur um Chatbots, die allererste Anbahnungsgespräche mit möglichen Bewerbern führen können. „Die Vision technikaffiner Personalfachleute ist es, den gesamten Bewerbungsprozess von Algorithmen gestützt zu bestreiten“, erklärt uns die Autorin.