Medienbeobachtung Juli 2020

Auch die Medienberichterstattung über das Thema Fachkräfte zeigt Anzeichen von Sommerloch. Es war nicht so leicht wie sonst, ein Dutzend Meldungen zusammenzutragen. Vielleicht liegt es aber auch an der Coronakrise, die bekanntlich leider keine Sommerpause einlegt, sondern Wirtschaft und Gesellschaft weiterhin herausfordert. Zum Beispiel in Form zurückgehender Ausbildungszahlen. Oder – so ein Medienbericht im Juli – in Form steigender Arbeitslosigkeit selbst bei IT-Experten, von denen man bisher immer glaubte, es gebe viel zu wenige von ihnen. Ingenieure wiederum vermissen in Zeiten von Corona Qualifizierungsangebote für bereits Qualifizierte und deren staatliche Förderung, die bisher zu sehr auf Geringqualifizierte abziele, wie im Juli zu lesen ist.

Bei den regionalen Meldungen sticht ein Bericht im Berliner Tagesspiegel hervor. Tesla sucht für die geplante „Gigafactory“ in Brandenburg tausende von Fachkräften – und hat dabei ein sehr spezielles Anforderungsprofil. In Leipzig wiederum lädt die Mitmach-Studie „Chancen und Risiken der Fachkräftesicherung durch Corona in der Region Leipzig“ genau dazu ein – nämlich sich zu beteiligen.

Im Schlaglicht Arbeiten 4.0 geht es diesmal um Ängste vor der Digitalisierung – zumindest unter Logistik-Fachkräften –, um die fortschreitende Digitalisierung im Volkswagen-Konzern und was sie für die dortigen Fachkräfte bedeutet sowie um eine neue Online-Diskussionsreihe „Welche Schulung braucht Industrie 4.0?“
 

Überregionales

Die Corona-Pandemie sorgt auch für viel Unruhe auf dem Ausbildungsmarkt. Dennoch sendet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) laut wallstreet online optimistische Signale. Die Übernahmequoten nach der Ausbildung seien fast so hoch wie vor Corona, zitiert das Nachrichtenportal den DIHK-Hauptgeschäftsführer. Bei den Lehrstellen gebe es zwar in einzelnen Branchen einen starken Rückgang, im Schnitt falle das Minus aber mit rund sieben Prozent geringer aus als noch im Frühjahr erwartet. Er rechne damit, dass sich hier mit zwei bis drei Monaten Verschiebung noch einiges tut.

„Erst umkämpft, jetzt auf Jobsuche“, überschreibt die Computerwoche einen Bericht über IT-Experten. Unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit teilt das Magazin mit, dass die Arbeitslosenzahlen im IT-Sektor beträchtlich gestiegen seien. „Eine Auswertung des Jobportals Indeed zeigt: Die vor der Krise heiß umkämpften IT-Experten müssen jetzt vermehrt selbst nach Jobs suchen“, heißt es in dem Bericht, die Zahl der IT-Stellenausschreibungen gehe zurück. Dennoch geht eine Marktforscherin des Stellenportals Indeed, die das Magazin zitiert, nicht davon aus, dass IT-Fachkräfte nach der Krise seltener gebraucht werden. Corona habe nochmals gezeigt, wie wichtig die Digitalisierung sei, und dafür würden die Unternehmen IT-Experten benötigen.

Die VDI-Nachrichten befassen sich im Juli unter anderem mit dem Thema Weiterbildung. „Laut einer Umfrage des VDI Wissensforums sehen über 50 Prozent der befragten Ingenieure bedingt durch Corona-Auswirkungen eine Lücke bei der Weiterentwicklung von fachlichem Know-how“, heißt es in dem Beitrag. „Rund 60 Prozent fordern, dass der Staat verstärkt in die Weiterbildung von Fachkräften investiert, um die Krise abzumildern.“ Der Bundesrat habe erst im Mai das sogenannte „Arbeit-von-morgen-Gesetz“ beschlossen, das zusammen mit dem bereits verabschiedeten „Qualifizierungschancengesetz“ Unternehmen den Weg für Weiterbildung ebnet. Allerdings griffen die Gesetze nur in bestimmten Fällen und zielten vor allem auf die Förderung von Geringqualifizierten ab. „Deutsche Ingenieure verlangen nun, dass auch die Weiterbildung von Fachkräften staatlich unterstützt wird“, schreiben die VDI-Nachrichten.

Auch wenn die Coronakrise die Möglichkeit der Fachkräfteakquise einschränkt: Dank dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist es seit Anfang März prinzipiell leichter für Arbeitgeber, Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern einzustellen. Was Arbeitgeber dazu alles wissen müssen, das erklärt Marius Tollenaere, Rechtsanwalt und Experte für Arbeitsmigrationsrecht, im Interview mit impulse.de.

 

Regionale Meldungen

Die Mitgliedsunternehmen der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord profitieren von einer neuen Onlineplattform, über die Betriebe und Arbeitssuchende zueinander finden können. Wie das Portal aktiv – Ratgeber für Arbeitnehmer berichtet, ist es das Ziel von „Zukunftspool.me“, Nachwuchs und Fachkräfte für die Betriebe der Metall- und Elektro-Industrie zu gewinnen. Das Online-Angebot bestehe aus einem Bewerberpool, in dem der Nachwuchs seine Bewerbungen einstellt, sowie den Ausbildungsangeboten der Unternehmen.

In Leipzig will man es ganz genau wissen: „Sind die prognostizierten Fachkräftebedarfe noch relevant und sind die Schwerpunkte und Strategien noch passend? Vor welchen Herausforderungen stehen die Unternehmen? Ist mit Einstellungsstopp zu rechnen oder werden auch weiterhin Anstrengungen unternommen, um Nachwuchs zu gewinnen?“ Diesen Fragen widmet sich laut einem Bericht der Leipziger Internet Zeitung nun die Mitmach-Studie „Chancen und Risiken der Fachkräftesicherung durch Corona in der Region Leipzig“. Ziel sei es, umfangreiche Kenntnisse zur aktuellen Situation sowie zu künftigen Herausforderungen und Handlungsansätzen der Unternehmen in der Region Leipzig zu erlangen, um auf dieser Basis Impulse für die Ausrichtung der regionalen Fachkräftestrategien zu geben und die Unternehmen bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen zu unterstützen.

In Brandenburg plant der US-Elektroautobauer Tesla seine erste „Gigafactory“ auf deutschem Boden. „Was deutsche Fachkräfte bei Tesla erwartet“, lässt deshalb der Tagesspiegel aus Berlin ihre Leserinnen und Leser wissen. Denn Tesla rechne mit 10.500 neuen Beschäftigten. Derzeit fänden sich zahlreiche Stellenangebote, meist in Englisch. Gesucht werden laut dem Zeitungsbericht Fachkräfte für sämtliche Bereiche. Von Schichtleitern in der Montage beispielsweise erwarte Tesla „Offenheit für Nachtarbeit, einschließlich Überstunden an Wochentagen und Wochenenden“. Für viele Talente gelte: „Fließend deutsch und englisch sprechen ist ein Muss. Weitere Sprachen sind erwünscht.“ Auch das müssen künftige Tesla-Fachkräfte mitbringen: die Fähigkeit, „mit Mehrdeutigkeiten umzugehen und in einer schnelllebigen Umgebung zu arbeiten“. „Die Anforderungen sind extrem“, schreibt der Tagesspiegel, und verraten viel über das Unternehmen.“

 

Schlaglicht Arbeiten 4.0

Wie Logistik Heute berichtet, sorgt die Digitalisierung bei Logistik-Fachkräften für Angst. „Fachkräfte im Wirtschaftsfeld Logistik fürchten vor allem, ihr Arbeitsplatz könnte durch intelligente Systeme ersetzt werden“, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf eine Umfrage des Jobportals Meinestadt.de. Jede dritte befragte Fachkraft habe diese Befürchtung, dies sei mehr als in den anderen abgefragten Branchen, etwa Handel oder Handwerk. Ein weiteres Ergebnis: Fast die Hälfte der Fachkräfte in der Logistik geben laut dem Bericht in der Befragung an, dass sich ihr Arbeitsplatz durch die Digitalisierung alles in allem bereits stark beziehungsweise sehr stark verändert hat.

Auch in der Automobilbranche schreitet die Digitalisierung rapide voran. Damit verändern sich auch Aufgaben von und Ansprüche an Fachkräfte. Beispiel Volkswagen: Wie die Motorzeitung berichtet, entwickelt der Konzern derzeit ein eigenes Betriebssystem für alle Modelle des Konzerns, eine automobile Daten-Cloud und eine neue Elektronikarchitektur. Mit alldem befasse sich die markenübergreifende „Car.Software“-Organisation. „Seit dem 1. Juli konnten viele Fachkräfte aus den Konzernmarken und -gesellschaften für einen Eintritt in die Car-Software-Organisation gewonnen werden“, schreibt die Motorzeitung. In der laufenden Transferphase hätten sich bislang mehr als 75 Prozent der angesprochenen Experten für die Arbeit in der neuen Software-Einheit entschieden. Dieser Personalaufbau werde weitergeführt. „Bis zum Ende des Jahres könnten bereits rund 5.000 Fachkräfte unter dem Dach der Car-Software zusammenarbeiten.“

„Welche Schulung braucht Industrie 4.0?“, fragt im Juli die Computerwoche und kündigt damit eine Online-Reihe an, in der Experten und Praktiker über die Themen Werte, Arbeit und Führung 4.0 diskutieren. Thema am 29. Juli ist „Aus- und Weiterbildung im Rahmen von Digitalisierung und Industrie 4.0“. Veranstalter dieses neuen Formats sind die Synergie VertriebsDienstleistung aus Bonn, der TÜV Rheinland, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) sowie die Computerwoche.