Medienbeobachtung Juli 2018

Glücklich die Unternehmen, die „nur“ Geld brauchen. Wie die jüngste Unternehmensbefragung der KfW-Bankengruppe zeigt, ist es nämlich offenbar deutlich leichter für Firmen, an Kredite zu kommen als an Fachkräfte. Geld hilft allerdings bisweilen, Fachkräfte anzuziehen, findet man zum Beispiel in Ostbayern. Die Bezahlung handwerklicher Fachkräfte müsse steigen, um im Wettbewerb um Fachkräfte mit der Industrie mithalten zu können. Laut WirtschaftsWoche sind hohe Gehälter hingegen nicht zwangsläufig die richtigen Lockmittel. Ob es wiederum gelingen wird, mehr Fachkräfte aus dem Ausland zu locken, wird stark davon abhängen, ob und wie sich die Bundesregierung auf ein Fachkräftezuwanderungsgesetz einigen wird. Die Wirtschaft fordert jedenfalls Schnelligkeit und die Vermeidung bürokratischer Hürden.

Laut WirtschaftsWoche sind hohe Gehälter hingegen nicht zwangsläufig die richtigen Lockmittel. Ob es wiederum gelingen wird, mehr Fachkräfte aus dem Ausland zu locken, wird stark davon abhängen, ob und wie sich die Bundesregierung auf ein Fachkräftezuwanderungsgesetz einigen wird. Die Wirtschaft fordert jedenfalls Schnelligkeit und die Vermeidung bürokratischer Hürden.
 
Überregionales

Die Stuttgarter Nachrichten fürchten den nächsten Koalitionskrach. Ein Fachkräftezuwanderungsgesetz noch in diesem Jahr sei die Grundlage für den Anfang Juli gefundenen Asylkompromiss zwischen Union und SPD, schreibt die Tageszeitung, doch die Koalitionäre seien sich bei der Ausgestaltung völlig uneins. Die SPD halte an einem Punktesystem mit jährlichen Kontingenten für bestimmte Berufsgruppen fest; Vorbild: Kanada. CDU und CSU seien äußerst skeptisch, weil die Regelung auf den Nachweis eines konkreten Arbeitsplatzes verzichte.


Die Arbeitgeberverbände drängen hingegen laut Tagesspiegel darauf, das vereinbarte Einwanderungsgesetz schnell und ohne Bürokratiehürden umzusetzen. Die Verfahren dürften nicht zu kompliziert und langwierig sein. „Kernaufgabe für die große Koalition sei es, ‚das bestehende Zuwanderungsrecht endlich transparenter, praxisnäher und einfacher zu gestalten‘“, zitiert die Berliner Tageszeitung den Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Dazu passt ein Bericht auf Spiegel Online, wonach sich Arbeitsminister Hubertus Heil für ein Modell mit befristeter Einreise zur Jobsuche ausspricht. Für die Altenpflege, wo besonders viele Fachkräfte fehlen, schlägt der Minister laut Handelsblatt sogar ein Sechsmonatsvisum für Pflegerinnen und Pfleger vor, um eine Stelle zu suchen.


Wie die aktuelle Unternehmensbefragung der KfW-Bankengruppe zeigt, kommen Firmen derzeit deutlich leichter an Kredite als an Fachkräfte. Dies greift im Juli die DeutscheHandwerksZeitung auf. Fast 80 Prozent der befragten Unternehmen sähen fehlende Fachkräfte als Hemmnis ihrer Geschäftstätigkeit in den nächsten zwei Jahren. Befürchtungen wegen steigender Finanzierungskosten hätten dagegen nur 16,4 Prozent und größere Schwierigkeiten beim Kreditzugang würden nur 13,8 Prozent als möglichen Hemmschuh für die eigene unternehmerische Tätigkeit in den zwei kommenden Jahren nennen.


Der Mangel beginnt schon beim Nachwuchs. Jedes dritte Unternehmen könne seine Ausbildungsplätze nicht besetzen, schreibt die WirtschaftsWoche. Fast jede zehnte Firma erhalte keine einzige Bewerbung auf einen freien Ausbildungsplatz. Dies zeige eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).


„Im Osten klagen etliche suchende Firmen über Personalprobleme“, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. Die Suche nach Mitarbeitern sei für etliche Firmen in Ostdeutschland im vergangenen Jahr schwierig gewesen. „54 Prozent der Betriebe, die Personal einstellen wollten, konnten im ersten Halbjahr 2017 ihren Fachkräftebedarf nicht vollständig decken“, schreibt die Tageszeitung aus Halle an der Saale.


Wie Firmen in diesen Zeiten Fachkräfte richtig ansprechen sollten, referiert die WirtschaftsWoche. Eine Studie des Portals meinestadt.de bringe Zweifel auf, ob Karrierechancen, Entwicklungsmöglichkeiten und hohes Gehalt überhaupt die richtigen Lockmittel für Fachkräfte seien. Nichtakademiker hätten durchaus andere Prioritäten als Akademiker. „Warum mit einer hohen Vergütung und Karrieremöglichkeiten werben, wenn die angesprochenen Bewerber einen unbefristeten Vertrag und gute Stimmung im Team bevorzugen?“, fragt das Magazin. Die von vielen Unternehmen für akademische Bewerber entwickelten Standardversprechen würden an der Zielgruppe mit Berufsausbildung zum Teil komplett vorbeigehen.


Die Stuttgarter Zeitung macht im Juli in einem Kommentar auf ein interessantes Phänomen aufmerksam: Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer ohne Ausbildungsabschluss übernehme in seinem Job Tätigkeiten von gelernten Fachkräften. Das Problem: Formal „Unterqualifizierte“ würden, verglichen mit ihren adäquat qualifizierten Kolleginnen und Kollegen, im Schnitt zwischen sieben und elf Prozent weniger verdienen, das Know-how und Fachwissen von ungelernten Fachkräften werde nur unzureichend anerkannt. Der Autor lobt deshalb ausdrücklich das Projekt „ValiKom“, mit dem berufsrelevante Kompetenzen bewertet und zertifiziert werden. Eine Anerkennung für Fachkräfte – und ein weiteres Instrument zur Fachkräftesicherung!

 
Regionale Meldungen

„Dem Handwerk geht das Personal aus. Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt“, schreibt die Passauer Neue Presse. Darüber, aber auch über Versäumnisse der Politik und Lösungsansätze sprach sie deshalb mit Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, und deren Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger. Die Situation sei dramatisch, es gebe einen regelrechten Wettbewerb um die Fachkräfte. „Der wesentliche Grund sind die Lockangebote der Industrie“, findet Haber. Um mithalten zu können, müsste die Bezahlung der handwerklichen Fachkräfte steigen. Außerdem werbe das Handwerk intensiv für berufliche Bildung.


Azubis von heute sind die Fachkräfte von morgen, heißt es. In der Ausbildung kommt es aber nicht nur auf fachliche, sondern auch soziale Kompetenzen an. Die möchte ein Kooperationsprojekt im Emsland stärken. Wie die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet, haben das Christophorus-Werk Lingen, eine Jugendbildungsstätte und der Wirtschaftsverband Emsland ein neues Projekt ins Leben gerufen: Unter dem Titel „Basics für Fachkräfte“ würden sie Jugendliche in dualer Ausbildung dabei unterstützen, sich in ihr Ausbildungsunternehmen gut zu integrieren.


Mit dem neuen „MINT Lab“ im oberbergischen Lindlar werde eine Lücke in der Fachkräftegewinnung geschlossen, berichten die Rheinischen Anzeigenblätter im Juli. Das Schülerlabor für Oberstufenschüler ergänze das bisherige Angebot „Haus der kleinen Forscher“ und „Außerschulischer Lernort“. Das „MINT Lab“ habe das Ziel, Schülerinnen und Schüler zwischen neunter Klasse und Abitur für technisch-naturwissenschaftliche Themen zu begeistern und dabei zu helfen, sich für eine Ausbildung oder ein Studium innerhalb dieser Fachbereiche zu entscheiden. Berufsschüler und Auszubildende würden diese Zielgruppe ergänzen.


Netzwerk-Nachrichten

Das Fachkräftenetzwerk Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock-Dosse erhielt von der IHK Potsdam im Wettbewerb „Region Zukunft 2018“ eine Goldmedaille für das Rückkehrerprojekt „Landeplatz“. Es solle vorhandene Initiativen bündeln, um Rückkehrern ein attraktives Leben in der Region bieten zu können, berichtete die Märkische Allgemeine.


Um Rückkehrer bemüht sich auch die in der Netzwerk-Datenbank des Innovationsbüros Fachkräfte für die Region gelistete Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung (ThAFF). MDR JUMP sprach mit deren Leiterin und berichtet im Internet über spezielle Rückkehr-Programme, mit denen Pendler überredet werden sollen, eine Arbeit in der Heimat anzunehmen. Dazu passt ein Bericht in Focus Online aus Sachsen: Das Portal www.heimat-für-fachkräfte.de biete eine neue digitale Anlaufstelle für alle, „die damit liebäugeln nach Sachsen zu ziehen, vielleicht auch zurückzukommen oder sich hier ausbilden zu lassen“. Auch die Region Rostock wirbt kreativ um Fachkräfte: Dass die Region ein attraktiver Ort zum Leben, Arbeiten und Wohnen sei, davon möchte die aktuelle Werbekampagne „Hey Urlauber! Bleib doch einfach hier!“ des Welcome Centers Region Rostock überzeugen, wie Focus Online ebenfalls berichtet.


Schlaglicht Arbeiten 4.0

Über die angemessene Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine denkt man beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) nach. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden stark standardisierte manuelle oder informatorische Tätigkeiten, die schon bislang routinisierten Mustern folgten, sukzessive von Maschinen übernommen“, heißt es in einem Beitrag im Blog des Fraunhofer IAO. Andererseits würden verschiedene Praxisprojekte zeigen, dass digitale Technologien bei einer angestrebten Substitution menschlicher Arbeitskraft zuweilen recht schnell an ihre Grenzen stoßen. „Kein Algorithmus vermag etwa das kreative Zusammenspiel von Redakteur und Cutter in der TV-Produktion zu ersetzen“, betont der Autor.