Medienbeobachtung Januar 2020

Die Fachkräfteakquise im Ausland ist auch im Januar - also wenige Wochen vor Inkrafttreten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes - ein beherrschendes Medienthema. Die Berichte reichen von einer Einschätzung des Gesetzes mit Blick auf den Nutzen für Start-ups über die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten bis zur Zuwanderung insgesamt. Mehrere Medien greifen im Januar auch die Initiative der Bundesregierung auf, mit Sprachangeboten und Aufklärungsarbeit mögliche Migranten schon in deren Heimatland über Deutschland informieren zu wollen.

Zu einer umfassenden Fachkräftestrategie gehört nicht nur die Einwanderung, sondern auch die Qualifizierung. So lesen wir im Januar aus Hessen von einer Fachkräfteumschulung „IHK-Fachkraft für Robotik und Automatisierungstechnik“, während in Nordrhein-Westfalen betriebliche Pflege-Coaches qualifiziert werden mit dem Ziel, Fachkräfte nicht leichtfertig dadurch zu verlieren, dass sie Beruf und Pflege plötzlich nicht mehr vereinbaren können.

Erfreulicherweise ist im Januar auch wieder ein dem Innovationsbüro verbundenes Fachkräftenetzwerk Gegenstand der Berichterstattung: Die Märkische Oderzeitung widmet dem Netzwerk Schule & Wirtschaftsforum PM, 2019 als „Innovatives Netzwerk“ prämiert, einen längeren Beitrag. Zudem illustrieren gleich vier Medienbeiträge, wie sehr sich die Arbeitswelt wandelt und „Arbeit 4.0“ in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt.

Überregionales

Die Zuwanderung nach Deutschland geht leicht zurück, meldet die taz im Januar. Die Berliner Tageszeitung beruft sich auf den Migrationsbericht des Bundesinnenministeriums für das Jahr 2018, den das Bundeskabinett Anfang Januar gebilligt habe. Demzufolge seien 2018 etwa 1,6 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen. Den Neuankömmlingen stünden rund 1,2 Millionen Ausgewanderte gegenüber. „Daraus ergibt sich ein Wanderungssaldo von rund 400.000 Menschen – der niedrigste seit 2013“, schreibt die taz. Gestiegen sei die Zahl der ausländischen Studierenden an deutschen Hochschulen sowie die Zuwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten. Den Fachkräftemangel könnten die Zuwanderer dennoch nicht ausgleichen.

„Mit Sprachangeboten und Aufklärungsarbeit will die Bundesregierung mögliche Migranten schon in deren Heimatland über Deutschland informieren“, berichtet im Januar der Spiegel. Das gehe aus einer Erklärung zum sogenannten Nationalen Aktionsplan Integration hervor, den das Kabinett Mitte Januar beschlossen habe. „Wir wollen bereits vor der Einwanderung die Weichen auf Integration stellen“, zitiert der „Spiegel“ die Integrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz. Die Regierung wolle Einwanderinnen und Einwanderern künftig bei Bedarf ein Regelangebot zur „Vorintegration“ schon in Herkunfts- oder Transitländern zur Verfügung stellen, zitiert das Wochenmagazin aus der Erklärung. Hiermit betrete die Regierung Neuland und leite einen Paradigmenwechsel ein.

Das Portal Für-Gründer.de der FAZ-Verlagsgruppe stellt im Januar das am 1. März in Kraft tretende neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz vor und fragt, inwieweit auch Start-ups davon profitieren. Ob das neue Gesetz für Start-ups eine Chance oder eine Hürde sei, hänge im Kern von der Branche und den gesuchten Stellen ab. „Während Unternehmen mit dem Schwerpunkt Pflege weiterhin mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen haben“, heißt es in dem Bericht, „dürften Start-ups mit Bedarf nach IT-Entwicklern und ähnlich hochschulbasierten Jobs vom Fachkräfteeinwanderungsgesetz profitieren.“

Der Bundestag möchte die Meisterpflicht wieder einführen. Hans Peter Wollseifer, Präsident des deutschen Handwerks, erwartet durch die Wiedereinführung der Meisterpflicht eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. „Wenn künftig wieder mehr die Meisterprüfung machen, dann haben wir auch wieder mehr Ausbilder. Damit ist dann auch wieder mehr Ausbildung möglich und in der Folge gibt es mehr Fachkräfte, die eingesetzt werden können“, zitiert der Berliner Tagesspiegel am 20. Januar den Handwerkspräsidenten. Laut der Zeitung fehlen im deutschen Handwerk derzeit rund 250.000 Fachkräfte; vergangenen Herbst konnten 17.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden.


Regionale Meldungen

Wie die Frankfurter Rundschau im Januar unter Bezug auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit berichtet, waren in Hessen Ende 2018 rund 21.000 von 46.000 Geflüchteten in Arbeit. Ein Jahr zuvor seien es erst 13.000 gewesen. Im Dezember 2019 seien allerdings 16.000 Menschen dieser Gruppe arbeitslos gewesen, rund 1.400 mehr als im Jahr davor. Aus Sicht von Frank Martin, dem Chef der Arbeitsagentur in Hessen, würden dennoch die positiven Botschaften überwiegen. „Dass die Arbeitsmarktintegration so schnell gelingen würde, haben wir nicht erwartet“, zitiert ihn die Zeitung aus Frankfurt/Main. Dabei gelinge es besser, Fachkräfte zu integrieren als Menschen, „die lediglich eine Helfertätigkeit ausüben“.

In Osthessen werden Fachkräfte für die Digitalisierung ertüchtigt. Wie die Osthessen News im Januar berichten, fand im Berufsbildungszentrum in Petersberg im Landkreis Fulda die erste Absolventenfeier und Zertifikatübergabe der Fachkräfteumschulung „IHK-Fachkraft für Robotik und Automatisierungstechnik“ statt. Es handele sich bundesweit um das erste intensive Transformationsprojekt mit IHK-Abschluss. Mit der Fortbildung würden sich die Arbeitnehmer orientieren und mit der Entwicklung hin zu „Industrie 4.0“ auseinandersetzen, zitieren die „Osthessen News“ den Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda, eine der Kooperationspartnerinnen des Projekts. Dieses habe zudem dabei geholfen, den Fachkräftebedarf zu decken.

Mehr Schnee hätten sie gerne. Manulak Dissanayake und Saranga Liyanage hatten sich den deutschen Winter härter vorgestellt. Laut Badischer Zeitung ist dies aber die einzige Enttäuschung für die beiden ausländischen Fachkräfte eines Antriebsherstellers in Müllheim. Die Zeitung sprach mit den beiden Expats, um zu erfahren, welche Erfahrungen sie in Deutschland und in einem deutschen Unternehmen machen. Ein lesenswerter Bericht über zwei Ingenieure aus Sri Lanka, die sich laut der Zeitung „über manche Erkenntnisse freuen und über andere etwas wundern“.

Ein neues Kursangebot soll in Düsseldorf und im Kreis Mettmann dafür Sorgen, mehr Beschäftigte im Betrieb zu halten. Das dortige Kompetenzzentrum Frau und Beruf bietet eine Qualifizierung zu betrieblichen Pflege-Coaches an, wie die Rheinische Post im Januar berichtet. „Wer Fachkräfte in seinem Betrieb halten möchte, der will auch etwas für sie tun“, zitiert die Zeitung eine Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums. Entsprechend steige auch die Nachfrage nach Angeboten, die Beschäftigten die Chance bieten, sich neben ihrem Beruf um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Dies sei ein drängendes Thema für Unternehmen. In dem eintägigen Intensivkurs würden Geschäftsführer und Personalverantwortliche alles über die neuen Pflege-Gesetze für Unternehmen erfahren.


Netzwerk-Nachrichten

Bereits im Juni vergangenen Jahres wurde das Netzwerk Schule & Wirtschaftsforum PM vom Bundesarbeitsministerium und vom Innovationsbüro Fachkräfte für die Region als „Innovatives Netzwerk“ ausgezeichnet. Im Januar stellt nun die Märkische Oderzeitung in ihrer Onlineausgabe die Arbeit des erfolgreichen Netzwerks vor. Außerdem berichtet moz.de über den IHK-Zertifikatslehrgang „Netzwerkkoordinator/in zur Fachkräftesicherung“. Die Leiterinnen des Netzwerks Schule & Wirtschaftsforum PM hätten den Lehrgang als Teil der letztjährigen Auszeichnung absolviert. „Wir freuen uns sehr, dieses tolle Jahr nun auch mit der erfolgreichen Teilnahme an der Fortbildung abschließen zu können“, zitiert moz.de Netzwerkkoordinatorin Linda Schröder.

„Ein neues Bündnis aus Gewerkschaften, Arbeitsagenturen und Kammern will dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken“, berichtet im Januar radio 91.2 – Mein Dortmund. Das „Bündnis für Fachkräfte Westfälisches Ruhrgebiet“ sei am 16. Januar in der IHK Dortmund geschlossen worden, NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann habe seine Unterstützung zugesichert.


Schlaglicht Arbeiten 4.0

Die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt – dies sei „ein Thema von drohender Wucht“, befindet die Süddeutsche Zeitung (SZ) im Januar. „Was wird diese vierte industrielle Revolution an unseren Arbeitsplätzen alles ändern?“, fragt die Zeitung aus München – und lässt Roland Deinzer, Leiter der Unternehmensentwicklung bei der Bundesagentur für Arbeit (BA), antworten: „Alles.“ Bei einem Vortrag des BA-Experten hätte es sorgenvolle Mienen gegeben. Grundsätzlich jedoch gebe es Hoffnung, schreibt die SZ. Bis 2025 würden zwar 1,54 Millionen Jobs verloren gehen, aber auch 1,51 Millionen neue entstehen. Und: Qualifikation senke zumindest das Risiko, dass ein Job von Computern übernommen würde.

Das Portal Internet World Business vermeldet im Januar „Nachholbedarf beim Arbeitsplatz 4.0“. Viele Beschäftigte hätten noch immer einen fest zugeteilten Arbeitsplatz. „Ist das noch zeitgemäß?“, fragt der Autor. Und schreibt: „Experten sind sich einig: Firmen, die ihre Arbeitsplätze nicht aktiv gestalten, verpassen eine riesige Chance.“ Einer aktuellen Untersuchung zufolge hätten gerade kleine und mittlere Unternehmen noch erheblichen Nachholbedarf und würden den positiven Einfluss einer aktiven Arbeitsplatzgestaltung auf ihre Wettbewerbsfähigkeit stark unterschätzen. „Die Arbeitsorganisationen müssen Räume für Zusammenarbeit und Projekte zur Verfügung stellen“, zitiert der Autor einen Experten. Dabei gebe es auch neue Chancen für die Angestellten in Unternehmen, etwa bei der Einteilung und Wahl des Arbeitsorts und der Arbeitszeit.

Mit dem agilen Arbeiten befasst sich ein Beitrag auf FinanzNachrichten.de. Laut einer aktuellen Studie von StepStone und Kienbaum zu Agilität in Unternehmen wünsche sich ein Großteil der Fachkräfte, häufiger selbst Entscheidungen zu treffen. Nicht einmal zehn Prozent der Unternehmen würden agil arbeiten, heißt es in dem Beitrag, und das, obwohl jeder dritte Beschäftigte dies gerne tun würde und eine deutliche Mehrheit agilen Arbeitsweisen offen gegenüberstehe.

Im Wettstreit um die besten Fachkräfte und Talente benötigen Arbeitgeber ein hohes Maß an Attraktivität. Wie Unternehmen effizienter und erfolgreiche IT-Fachkräfte rekrutieren können, dazu lässt das e-commerce-magazin im Januar eine Expertin vom eco – Verband der Internetwirtschaft zu Wort kommen. Sie empfiehlt sieben Maßnahmen, darunter die, die eigenen Mitarbeiter als Botschafter in das Rekrutierung einzubeziehen und eine Weiterempfehlungskultur zu befördern. Betriebliche Weiterbildungen, Diversität und eine echte New-Work-Arbeitskultur sind ihrer Ansicht nach weitere Eckpfeiler eines aktiven Employer Brandings.