Medienbeobachtung Januar 2019

Gleich mehrere Medien greifen im Januar den aktuellen „Global Talent Competitiveness Index“ auf. Dieser Untersuchung zufolge liegt Deutschland auf Platz 14 der Top-Zielländer für Fachkräfte. Eine Verbesserung einerseits – und den Berichten zufolge dennoch ein Warnsignal. Ob „Focus“, „Tagesspiegel“ oder „Welt“: Die Autoren stimmen darin überein, dass Deutschland mehr dafür tun müsse, um die Attraktivität für gut ausgebildete Fachkräfte zu steigern.

In unserer Rubrik „Regionale Meldungen“ finden sich einige Medienberichte, die zeigen, dass es landauf landab zahlreiche Initiativen gibt, um Fachkräfte zu binden und zu gewinnen. Die Ansätze sind vielversprechend. Wie ein Beispiel aus Hessen zeigt, sind entsprechende Maßnahmen aber kein Selbstläufer.

Erfreulich ist, dass die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ im Januar dem Thema, wie sich Jugendliche für Ausbildung gewinnen lassen, einen großen Bericht widmet. Noch erfreulicher: Im Mittelpunkt des Bericht steht ein innovatives Projekt der BANG-Ausbildungsnetzwerke in Ostwestfalen – eines Fachkräftenetzwerkes, das mit dem Innovationsbüro Fachkräfte für die Region kooperiert.

 

Überregionales

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz wird kommen. Dabei habe sich der Gesetzgeber, heißt es auf der Seite „Rechtsboard“ des Handelsblattes, für die punktuelle Lockerung und Ergänzung der bestehenden Regelungen entschieden. „Die Neuregelungen sollen die Attraktivität des Standortes Deutschland für Fachkräfte sowohl durch einige materiell-rechtliche Änderungen als auch durch zahlreiche Verfahrenserleichterungen steigern helfen“, so der Gastautor, der in seinem Beitrag eine Bestandsaufnahme bietet.

 

Laut markt intern gibt es keine Innovationen ohne Fachkräfte. In einem Branchenbrief weist das Mittelstandsportal auf eine Befragung der DZ-Bank unter kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hin. Demnach würden vor allem KMU infolge des zunehmenden Fachkräftemangels Investitionen in Innovationen verschieben oder erst gar nicht tätigen. Die Innovationsmüdigkeit sei eine ernstzunehmende Bedrohung, durch das Fehlen von Fachkräften leide die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe.

 

Der Tagesspiegel aus Berlin greift im Januar eine andere aktuelle Erhebung auf. Laut „Global Talent Competitiveness Index (GTCI)“ läge Deutschland nur auf Platz 14 der begehrtesten Zielländer für Fachkräfte. Weltweit lägen die Schweiz, Singapur und die USA im Wettbewerb um die begehrtesten Arbeitskräfte vorn. Wen es nach Deutschland zöge, gibt der Tagesspiegel die Ergebnisse der Studie wider, würde vor allem nach München wollen, gefolgt von Berlin und Frankfurt/Main. Diese Städte lägen sogar vor Metropolen wie Moskau, Barcelona und Rom. Auch die Welt greift die aktuelle Untersuchung auf. „Deutschland muss alles dafür tun, um sich der Welt als offenes Land zu präsentieren, will es seine Wettbewerbsfähigkeit und seine Attraktivität für gut ausgebildete Arbeitskräfte nicht gefährden“, heißt es in dem Beitrag. Entscheidend sei eine weitere Öffnung der Wirtschaft, um mehr gut Ausgebildete ins Land zu bringen, zitiert die „Welt“ einen der Autoren der Studie.

 

Wie Firmen junge Fachkräfte locken können, damit befasst sich im Januar das Handelsblatt. Ein Hebel seien die richtigen Werte, heißt es in einem Beitrag. Viele Nachwuchskräfte würden die Attraktivität eines Arbeitgebers nicht so sehr über Aufgaben und Geld definieren, sondern auch darüber, ob sich ein Unternehmen im gesellschaftlichen, ökologischen und sozialen Bereich engagiert und über einen zeitgemäßen Wertekanon verfügt. Dies treffe auf viele Mittelständler zu. Sie würden das Potenzial jedoch nicht ausschöpfen und nicht genug für sich werben, schreibt das „Handelsblatt“.

 

Regionale Meldungen

Die Hansestadt Bremen wolle besser für sich werben, berichtet der Weser-Kurier. „Tourismuszentrale und Wirtschaftsförderung erkennen, dass sie Bremens Vorzüge besser herausstellen müssen“, heißt es in dem Artikel. Zum neuen Standortmarketing gehöre, Fachkräfte in die Hansestadt zu holen. Die Vorzüge Bremens sollen unter anderem mit einem Portal für Fachkräfte bekannter gemacht werden.

 

„Wie Bayern Fachkräfte umwirbt“, damit befasst sich im Januar der Radiosender Deutschlandfunk Kultur. Der Beitrag stellt einige Attraktionen vor, die Wirtschaftskammern und Firmen zum Beispiel Jugendlichen oder Studienabbrechern bieten würden – von Wohlfühl-Paketen über Azubi-Apps und Teilzeitausbildung bis zu bezahlbaren Wohnungen für Fachkräfte.

 

Weiter im Osten der Republik sollen Fachkräfte ins „UnbezahlbarLand“ kommen. Mit dem „UnbezahlbarLand“ setze der Landkreis Görlitz auf eine neue Imagekampagne für das Innen- und Außenmarketing und ein Projekt zur Fachkräftesicherung und -gewinnung, berichtet die Lausitzer Rundschau im Januar. Man wolle sich bewusst von den Ballungszentren absetzen und mit einem Augenzwinkern und etwas Selbstironie zeigen, wie attraktiv es sei, im Landkreis Görlitz zu leben und zu arbeiten, zitiert die Tageszeitung den Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH. Die Kampagne solle immer weiter ausgebaut werden.

 

Auch in der Region Marburg hat man die Fachkräfte im Blick. Offenbar gibt es aber Verbesserungsbedarf. Die Oberhessische Presse berichtet im Januar von einer neuen Website, mit der der Landkreis Marburg-Biedenkopf, Wirtschaftskammern und Arbeitsagentur auf die Unternehmensvielfalt in der Region hinweisen würden, um Fachkräfte zu halten. „Das Angebot überzeugt jedoch nicht“, heißt es in dem Artikel. Das Angebot werde als „Karriereportal“ beworben, doch sei das Design schlicht, die Zahl der Firmen nicht groß genug und die Recherchemöglichkeiten zu gering.

 

Netzwerk-Nachrichten

„Der Sog der Universitäten ist zu stark – es fehlt an Jugendlichen, die eine Ausbildung machen wollen“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Januar. Am Beispiel einiger Initiativen zeigt der Bericht, wie sich Jugendliche für eine Ausbildung begeistern lassen. Im Mittelpunkt des Berichts: das BANG Starter Center in Delbrück bei Paderborn – eine ehemalige Schule, in deren Klassenräume nun unterschiedliche Berufswelten präsentiert werden und auch Branchentage und eine Ausbildungsmesse stattfinden. Hier können Schülerinne und Schüler ausprobieren, welche Art von Tätigkeit ihnen Spaß macht. Initiator sind die BANG-Ausbildungsnetzwerke, die vom Innovationsbüro Fachkräfte für die Region auch schon als „Innovative Netzwerke“ ausgezeichnet wurden.

 

Schlaglicht Arbeiten 4.0

Die digitale Weiterbildung in Zeiten von Arbeit 4.0 ist das Thema eines Interviews, das heute.de mit Dirk Röhrborn, ehrenamtliches Mitglied im Präsidium des Branchenverbandes Bitkom e.V. führte. Zwei der großen gegenwärtigen Herausforderungen des Mittelstands seien digitale Bildung und Weiterbildung. Die bestehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten für die vielfältigen Änderungen durch die digitale Transformation ertüchtigt werden. Angesichts des Fachkräftemangels sei es wichtig, „nicht nur darauf zu hoffen, neue Mitarbeiter einstellen zu können, die die notwendigen Kompetenzen im Bereich der Digitalisierung mitbringen, sondern auch bestehende Mitarbeiter entsprechend weiterzubilden“, sagt Röhrborn in dem „heute“-Interview.