Medienbeobachtung Februar 2020

Am 1. März ist das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft getreten. Bereits einen Monat zuvor nahm in diesem Zusammenhang die neue zentrale Servicestelle Berufsanerkennung in Bonn ihre Arbeit auf. Zahlreiche Medien berichteten.

Ein Schwerpunkt der Medienberichterstattung im Februar liegt erneut auf dem Fachkräftemangel in unterschiedlichen Branchen – vom Handwerk über die Pflegebranche bis zur Gastronomie. Irritierende Meldungen dagegen aus der Automobilindustrie: Hier nimmt der Fachkräftebedarf derzeit ab, wenn die Berichte stimmen. Hingegen fehlt es weiterhin und verstärkt an IT-Spezialisten.

Auch aus den Regionen kommen Meldungen zum Fachkräftemangel. Im Rhein-Main-Gebiet führt er laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sogar dazu, dass sich immer mehr Unternehmen bereit zeigen, ihre Anforderungen an angehende Lehrlinge zu senken. In Niedersachsen hingegen wird Informatik zum Schulfach.

In unserem „Schlaglicht Arbeiten 4.0“ diesmal: ein Bericht aus dem Bayrischen Wald, der zeigt, was in ländlichen Regionen dank der Digitalisierung möglich ist: „Coworking Dahoam 4.0“…

Überregionales

Zwei Wochen bevor das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft trat, eröffneten Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in Bonn offiziell die neue zentrale Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA). Sie soll, wie unter anderem stern.de im Februar berichtete – ausländische Fachkräfte, etwa Pflegekräfte aus Mexiko oder von den Philippinen – durch ihr Anerkennungsverfahren lotsen. Die ZSBA habe ihre Arbeit bereits Anfang Februar aufgenommen und solle vor allem den Fachkräften helfen, die sich im Ausland befinden und am Anfang ihrer Arbeitssuche in Deutschland stehen, heißt es auf stern.de. Die Servicestelle unterstütze die Fachkräfte dabei per Mail, Telefon oder Chat bei der Zusammenstellung der erforderlichen Unterlagen für die zuständige Anerkennungsstelle, informiere über regionale Beratungs- und Qualifizierungsangebote und helfe bei der Suche nach einem Arbeitgeber.

In Zeiten des insgesamt zunehmenden Fachkräftemangels lässt eine Meldung im Februar aufhorschen: „Autobranche sucht weniger Fachkräfte“, ist in dem Magazin Automobil Produktion zu lesen. Der Fachkräfte-Index Automotive der Personalberatung Hays verzeichne im vierten Quartal in Folge eine sinkende Nachfrage nach Fachkräften. „Die Automobilbranche und ihre Zulieferer stehen in Zeiten des Dieselskandals und sinkender Absatzzahlen vor großen Umbrüchen“, heißt es in dem kleinen Bericht. Auch im Personalbedarf der Branche mache sich dies bemerkbar.

In bestimmten Segmenten fehlen der Autoindustrie dennoch begehrte Fachkräfte. „Bei der Digitalisierung der Fahrzeuge entscheidet sich die Zukunft der Automobilindustrie“, schreibt die Welt im Februar. „Doch es fehlen tausende Fachkräfte für IT, um den deutschen Rückstand aufzuholen.“ Der Bericht erwähnt unter anderem das Beispiel Bosch. Das Unternehmen lege derzeit ein neues Schulungsprogramm zur künstlichen Intelligenz für rund 20.000 Mitarbeiter auf, vor allem auch für Entwicklungsingenieure. Beschäftigte aus anderen Bereichen würden zudem umgeschult, um die Zahl der derzeit rund 30.000 Softwareentwickler im Konzern weiter zu steigern.

Das Handwerk hofft, den Fachkräftemangel unter anderem mit einem Pilotprojekt zu mildern, das Fachkräften aus Bosnien-Herzegowina den Weg nach Deutschland ebnen soll. Das berichtet im Februar die Deutsche Handwerkszeitung. „In Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung in Bosnien-Herzegowina soll sich die Personalsuche vorerst auf Handwerksberufe mit ausgewiesenem Fachkräftemangel konzentrieren: auf Elektroniker, Metallbauer sowie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik“, heißt es in dem Bericht. Angestrebt werde die „exemplarische“ Vermittlung von rund 120 Fachkräften. So wolle man Erfahrungen mit der Personalgewinnung in Nicht-EU-Ländern sammeln.

„In Deutschland fehlen Pflegekräfte“, schreibt die Zeit im Februar. Ein Gutachten gehe von Milliardenkosten für mehr Personal aus. Rund 120.000 Pflegekräfte seien zusätzlich nötig, um die hohe Arbeitsbelastung zu senken und eine angemessene Betreuung zu gewährleisten. Sowohl Pflegehilfskräfte als auch mehr voll ausgebildete Fachkräfte würden benötigt. Der Grund: „Die Mehrheit des Pflegepersonals sei überlastet, schreiben die Wissenschaftler. Das führe nicht nur zu einem erhöhten Krankenstand, sondern auch zu mehr Teilzeitarbeit und einem frühen Ausstieg aus dem Beruf. Die ungünstigen Arbeitsbedingungen sorgten zudem für eine schlechtere Pflegequalität“, heißt es in dem Bericht.

Auch in der Gastronomie verstärken sich die Fachkräfte-Engpässe. „Qualifizierte Arbeitskräfte werden in der Gastronomie immer knapper“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). „Kamen 2010 noch 198 Arbeitslose auf 100 gemeldete ausgeschriebene Stellen für Fachkräfte in der Systemgastronomie, waren es 2019 nur noch 62.“ Grund sei die steigende Nachfrage nach diesen Fachkräften. Gleichzeitig werde der Nachwuchs knapp: „Immer weniger Menschen“, so die FAZ, „entscheiden sich für eine Ausbildung in der Gastronomie.“

Laut einem Bericht des Deutschlandfunks (DLF) fehlen in Deutschland rund eine Million Wohnungen, überwiegend in Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten. Die Mietpreise seien vielerorts auf Rekordniveau gestiegen, viele Haushalte fänden keine bezahlbare Wohnung. Das bedeute, dass auch Unternehmen keine Mitarbeiter und Fachkräfte finden, zitiert der DLF einen Forscher, der dazu eine Studie erstellt hat. Wohnen sei zum Standortfaktor geworden. Deshalb würden sich immer mehr Unternehmen auf dem Wohnungsmarkt engagieren. Werks- oder Mitarbeiterwohnungen, die die Unternehmen ihren Angestellten anbieten können, würden gerade eine neue Renaissance erleben.

„Flüchtlinge suchen einen Job, das Handwerk braucht Fachkräfte. Können von dieser Konstellation beide Seiten profitieren?“, fragt tagesschau.de im Februar. Am Beispiel von Mohamed Alabdullah, der in der Pfalz zum Maler ausgebildet wird, beschreibt der Reporter den „langen Weg vom Flüchtling zur Fachkraft“. Er traf ihn im Sommer 2018 und nun erneut. Offenbar läuft es gut. Das Erfolgsrezept der Firmenchefin: „Jeden Flüchtling über mehrere Stellen intensiv begleiten. Das ist nicht nur eine staatliche Aufgabe. Auch wir Unternehmen haben die Verantwortung, diese Menschen bei uns zu integrieren.“

Regionale Meldungen

Die Zahl der Job-Anzeigen, in denen nach IT-Fachkräften gesucht wird, steigt nach Auskunft des Bonner General-Anzeigers (GA) auch im Rheinland rasant. Das hänge mit dem großen Bedarf in etablierten Unternehmen zusammen – aber auch mit einer immer größer werdenden Gründerszene. Im Kölner Gründerzentrum „The Ship“ werden laut GA nun in einem Intensivkurs Webentwickler ausgebildet. Die Spiced Academy, die hinter diesem Kurs stehe, habe dort eine Niederlassung eröffnet. „Deutschland braucht mehr IT-Talente“, zitiert die Tageszeitung den Spiced-Geschäftsführer, dessen Angebot sich explizit an Quereinsteiger richte.

„In der Rhein-Main-Region herrscht gravierender Fachkräftemangel“ schreibt die FAZ im Februar. 61 Prozent der Firmen würden Fachkräfte fehlen. Dieser Mangel bedeutet dem Bericht zufolge offenbar nicht nur, dass Betriebe weniger Aufträge annehmen können, sondern auch immer schlechter geeignete Auszubildende und Mitarbeiter einstellen – „was Folgen für die Qualität der abzuliefernden Arbeit haben dürfte“. Deshalb seien immer mehr Unternehmen bereit, ihre Anforderungen an angehende Lehrlinge zu senken. Mehr als jeder dritte Betrieb habe bei einer Studie angegeben, inzwischen Kompromisse bei der schulischen Vorbildung zu machen, also etwa beim erwarteten Schulabschluss oder den erreichten Noten.

Weil den Unternehmen so viele IT-Fachkräfte wie noch nie fehlen würde, mache Niedersachsen Informatik jetzt zum Pflichtfach, berichtet der Tagesspiegel, und zwar ab dem Schuljahr 2023/24, zunächst für Zehntklässler, ein Jahr später auch für die neunte Stufe. Die Branche würde den Schritt begrüßen. „Alle Schüler sollten verstehen, was ein Algorithmus ist und wie man programmiert“, zitiert die Tageszeitung aus Berlin den Präsidenten des Branchenverbandes Bitkom. Im digitalen Zeitalter sei IT-Kompetenz so wichtig wie Lesen und Schreiben. Fast jedem zweiten Unternehmen fehle es laut Bitkom-Umfrage an der ausreichenden Qualifikation der Bewerber, heißt es in dem Artikel.

Ein Unternehmen in Wuppertal hat sich etwas Neues einfallen lassen, um Fachkräfte zu gewinnen: den „Blauen Montag“. Laut einem Bericht der Westdeutschen Zeitung hat die Firma Wupper Küchen nun montags geschlossen, um den Beschäftigten zwei freie Tage am Stück zu ermöglichen. „Wir haben überlegt, wie wir als Arbeitgeber für unsere Mitarbeiter attraktiver werden können, denn gute Fachkräfte, vor allem im Verkauf, sind gesuchte Mangelware“, zitiert die Zeitung den Chef des Familienunternehmens. Bei den Beschäftigten komme die mitarbeiterfreundliche Maßnahme sehr gut an – und von den Kunden sei nichts Negatives zu hören.

Schlaglicht Arbeiten 4.0

Wie dezentrales Arbeiten auch in ländlichen Regionen funktionieren kann, möchte „Coworking Dahoam 4.0“ in Spiegelau im Bayrischen Wald zeigen. Das dortige wochenblatt stellt im Februar den ersten Coworker vor, der an vier Tagen in einem Ingenieurunternehmen in Passau arbeitet und ab sofort einmal pro Woche in Spiegelau. Das wochenblatt zitiert dazu dessen Chef: „Ich sehe diese Art des variablen Arbeitsplatzes als Gewinnsituation für beide Seiten: Der Mitarbeiter verbringt weniger Zeit auf der Straße, dadurch sinkt der Stresslevel und der Kostendruck, die frei gewordene Zeit kann der Familie oder verschiedenen Freizeitaktivitäten gewidmet werden. Und ganz nebenbei steigt dadurch auch die Attraktivität des Bayerischen Waldes.“ Laut dem Bürgermeister von Spiegelau sei damit „ein weiterer Mosaikstein im Digitalen Dorf gelegt und ein weiteres wichtiges Handlungsfeld besetzt“. Infos dazu: www.digitales-dorf.bayern