Medienbeobachtung Februar 2019

Es mangelt in vielen Branchen und Firmen an Fachkräften. Keinen Mangel gibt es hingegen an Studien über den Fachkräftemangel. Viele der Medienberichte, die sich im Februar mit einzelnen Aspekten des Fachkräftemangels befassen, nehmen dabei Bezug auf Untersuchungen von Wirtschaftsforschungsinstituten, Stiftungen, der Bundesagentur für Arbeit und anderen Institutionen. Deutlich wird im Februar unter anderem, dass die Zahl der offenen Stellen in Engpassberufen zunimmt, Deutschland ganz dringend Zuwanderung braucht und vor allem das Gesundheits- und Sozialwesen vor erheblichen Problemen steht, weil es an Personal fehlt.

An regionalen Meldungen greifen wir diesmal Berichte aus Brandenburg und Thüringen heraus. Beide stellen interessante Projekte zur Fachkräftegewinnung und -bindung vor. Einmal geht es um Geflüchtete mit Qualifizierung in Gesundheitsberufen, einmal um ein Stipendienprogramm für Unternehmen.

Im Februar gab es auch neue Nachrichten über ein Fachkräftenetzwerk, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 2017 als „Innovatives Netzwerk“ ausgezeichnet wurde: die Rückkehrerinitiative „Comeback Elbe-Elster“. Sie ist beteiligt an einem neuen Coworking Space, der unter anderem Rückkehrerinnen und Rückkehrern Raum, Orientierung und Kontakte bieten will.

Schließlich unser monatliches „Schlaglicht Arbeiten 4.0“. Diesmal leuchtet es in Baden-Württemberg, genauer: in Geislingen. Dort arbeiten Roboter und Azubis zusammen – zum Wohle der künftigen Fachkräfte und der kleinen und mittleren Betriebe der Region.

 

Überregionales

Die Zahl der offenen Stellen in sogenannten Engpassberufen steigt weiter an. Unter Berufung auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit berichtet die WirtschaftsWoche, dass 2018 im Jahresdurchschnitt fast 184.000 Stellen in Mangelberufen nicht besetzt gewesen seien – gegenüber 170.000 im Vorjahr und 114.000 im Jahr 2013. „Ein Mangel an Fachkräften“, heißt es in dem Artikel, „herrscht derzeit unter anderem bei Informatikern, Ingenieuren für Elektrotechnik und Metallbau, in den Bereichen Gesundheit und Pflege sowie in einigen Handwerksberufen.“

 

Die taz greift eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung auf und teilt mit, dass Deutschland in den kommenden Jahren eine Zuwanderung von rund 260.000 Arbeitskräften jährlich brauche. Nur so würde sich „der demographiebedingte Rückgang des Arbeitskräfteangebots auf ein für die Wirtschaft verträgliches Maß begrenzen“, hätte die Stiftung erklärt. „Ohne Zuwanderung würde das Angebot an Arbeitskräften bis 2060 von aktuell 47 auf 31 Millionen Personen ‚massiv schrumpfen‘“, schreibt die taz. Selbst eine in realistischem Maß steigende Erwerbstätigkeit der Inländer könne diesen Rückgang allenfalls ein wenig abbremsen.

 

„Einen flächendeckenden Fachkräfteengpass gibt es nicht", zitiert die Süddeutsche Zeitung Alexander Kubis vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). Knapp seien Arbeitskräfte vor allem in den Gesundheitsberufen, gesucht würden Meister im Handwerk, Techniker und Ingenieure. Aber es gebe auch immer noch viele Arbeitslose in anderen Berufen, heißt es in dem Artikel. Langzeitarbeitslose hätten es weiter schwer, Fuß zu fassen, auch wenn sich deren Zahl in neun Jahren Aufschwung deutlich verringert habe. Bei Helfern kämen 445 Arbeitslose auf 100 offene Stellen, bei Fachkräften nur 144. „Insgesamt“, so die SZ, „gab es im dritten Quartal 2018 mehr als 1,2 Millionen offene Stellen.“

 

Allein im Gesundheits- und Sozialwesen würden im Jahr 2030 1,3 Millionen Fachkräfte fehlen, berichten die Zahnärztlichen Mitteilungen auf zm online. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) habe im Auftrag des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Oktober 2018 den Personalmangel in den beiden Branchen bis zum Jahre 2030 untersucht. „Ergebnis: Das RWI rechnet damit, ‚dass bis 2030 etwa 1,1 Millionen Vollkräfte innerdeutsch gewonnen werden können‘, darüber bestehe ein Zuwanderungsbedarf von rund 177.000 Vollkräften im Zeitraum von 2020 bis 2030“, heißt es in dem Artikel.

 

„In der Pflege droht der Kollaps“, titelt die FAZ im Februar. Der Mangel an Fachkräften in der Pflege sei bedenklich hoch, heißt es in dem Bericht, 60 Prozent der Pflegeeinrichtungen in Deutschland hätten einer Umfrage zufolge unbesetzte Stellen für Fachkräfte. Im Mittel seien dabei sechs Arbeitsplätze frei. „In den vergangenen drei Monaten musste gut jede fünfte Pflegeeinrichtung wegen des Fachkräftemangels einen temporären Belegungsstopp verordnen“, schreibt die FAZ.

 

Regionale Meldungen

Wie die ÄrzteZeitung berichtet, setzt das Land Brandenburg darauf, Geflüchtete, die in Gesundheitsberufen gearbeitet haben, schnell als Fachkräfte an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zu vermitteln. In dem Modellprojekt „National Matching Brandenburg“ sei das seit dem Start im Jahr 2016 bereits 40 Mal gelungen, heißt es in dem Beitrag. „Die gezielte Betreuung und Vorbereitung trägt dazu bei, Geflüchtete und andere Zugewanderte möglichst schnell wieder in den Beruf zu integrieren. Zugleich hilft uns das Projekt, dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen zu begegnen“, zitiert die Zeitung den brandenburgischen Gesundheitsstaatssekretär Andreas Büttner.

 

Um mehr Fachkräfte zu gewinnen, baut Thüringen ein Stipendienprogramm für Unternehmen aus. Das berichtet das Nachrichtenportal InSüdthüringen.de. 2019 und 2020 würden zehn Millionen Euro zusätzlich in das Programm „Thüringen Stipendium Plus“ fließen. Thüringer Unternehmen könnten Geld aus dem Stipendienprogramm beantragen, um Studenten an sich zu binden. Ein Student schließe dabei einen Vertrag mit einem Unternehmen ab und bekomme dafür in der Endphase seines Studiums ein Stipendium der Firma, das vom Land aufgestockt wird, heißt es in der Meldung. Nach dem Studienabschluss verpflichte er sich dazu, eine gewisse Zeit lang für das Unternehmen zu arbeiten. Auch das entsprechende Grundgehalt werde vom Land aufgestockt.

 

Netzwerk-Nachrichten

Wie das Portal Niederlausitz aktuell berichtet, wurde in Herzberg ein Coworking Space eröffnet. Das Projekt „LUG2“ biete Platz für innovative Ideen und einen Ort zum kreativen Arbeiten in gemeinschaftlicher Atmosphäre. „LUG2“ sei „perfekt für Gründer, Selbstständige, Teleworker und Rückkehrer, heißt es in dem Beitrag. Beteiligt an dem Projekt ist die Rückkehrerinitiative „Comeback Elbe-Elster“, die das BMAS 2017 zum „Innovativen Netzwerk“ kürte. In Zusammenarbeit mit der Stadt Herzberg (Elster) und dem Unternehmernetzwerk „NEOpreneurs“ werde versucht, Rückkehrerinnen und Rückkehrern sowie Gründerinnen und Gründern in und um Herzberg einen Start zu erleichtern.

 

Schlaglicht Arbeiten 4.0

Zwischen Stuttgart und Ulm liegt Geislingen. Dort arbeiten seit neuestem Roboter und Azubis zusammen. „Wie sieht der digitale Berufsalltag künftig genau aus? Was steckt hinter Schlagworten wie Vernetzung, Automation und künstliche Intelligenz? Antworten auf diese Frage soll die Lernfabrik Wirtschaft 4.0 liefern, die gerade in Geislingen, gefördert von Land, Kreis und Wirtschaft, eingerichtet wird“, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Spannend mache das Projekt vor allem die Zusammenarbeit der Gewerblichen mit der Kaufmännischen Schule. „Diese beiden Schulen wollen die Schüler und Auszubildenden so vorbereiten, dass die Betriebe im Kreis unmittelbar vom digitalen Wissen des beruflichen Nachwuchses profitieren“, heißt es in dem Zeitungsbericht.