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Medienbeobachtung Fachkräftesicherung Juni 2017

„Stimmung blendend – doch Fachkräfte fehlen“ überschreibt das „manager magazin“ Mitte Juni einen Bericht über die Lage im deutschen Mittelstand. Es könnte auch die Überschrift unserer Medienschau sein. Denn egal wo man nachliest: Die Zahlen stimmen, sehr vielen Unternehmen geht es gut. Aber immer mehr Betriebe klagen über zunehmende Schwierigkeiten, die zu ihnen passenden Fachkräfte zu finden.

Gerade im ländlichen Raum ist die Akquise eine Herausforderung. Wie gut, dass es dort aktive und kreative Fachkräftenetzwerke gibt. Ihnen widmen die Medien im Juni mehr Aufmerksamkeit als sonst. Der Grund: Am 14. Juni fand in Berlin unser 5. Innovationstag „Fachkräftesicherung weiterdenken – Digitalisierung braucht Qualifizierung“ statt. Höhepunkt war die Auszeichnung von fünf „Innovativen Netzwerken 2017“ und drei „Innovativen Netzwerkkoordinatoren/-innen 2017“. Erfreulicherweise griffen mehrere regionale Medien die Prämierung auf und berichteten. Zum Glück, denn für die Arbeit der Netzwerke in ihrer jeweiligen Region ist öffentliche Wahrnehmung ein wichtiger Faktor! Wenn die örtliche Tageszeitung, die regionale Hörfunkwelle oder ein Onlinemedium berichten, motiviert das die meist ehrenamtlichen Aktiven zusätzlich und trägt überdies dazu bei, neue Interessenten für die Projekte zu gewinnen!

Weiterer Schwerpunkt der Juni-Berichterstattung: das Thema „Arbeiten 4.0“. Mehrere prominente Medien beleuchteten die unterschiedlichen Facetten sowie die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung für die Arbeitswelt.

 

Überregionales

Fast neu von zehn Mittelständlern beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als sehr gut oder gut, berichtete das manager magazin Mitte Juni mit Blick auf eine aktuelle Erhebung des Bankenverbandes BVR und der DZ Bank. Das Problem trotz bester Geschäftslage und positiven Erwartungen: der zunehmend spürbare Fachkräftemangel. „Sowohl die Digitalisierung als auch der fortschreitende Altersstrukturwandel werden in den nächsten Jahren für eine kontinuierliche Verschärfung dieses Problems sorgen“, zitiert das Magazin aus der Studie.

Die Süddeutsche Zeitung möchte mehr Fachkräfte aufs Land locken. Fachkräfte wollten meistens in den Metropolen arbeiten, schreibt das Blatt, dabei könne sich der Wechsel in die Kleinstadt lohnen. „Vor allem Berufsanfänger können dort oft mit einem besseren Einstieg rechnen als in der Stadt“, heißt es in dem Artikel. Aufstiegswillige könnten schneller Verantwortung übernehmen und früher in leitende Positionen gelangen. Doch wie können gerade im ländlichen Raum kleinere Unternehmen Fachkräfte anlocken? In vielen Regionen helfen ihnen Fachkräftenetzwerke!

 

Regionale Meldungen

Auch die Stadt Oldenburg unterstützt Unternehmen und Institutionen bei der Deckung des Fachkräftebedarfes. Als weitere Säule im Rahmen ihrer Fachkräfte-Initiative werde die Stadt in Kürze ein „Welcome Center“ eröffnen, berichtete die Nordwest-Zeitung. Damit wolle die Stadt im Wettbewerb der Standorte um dieselben Bewerber punkten.


Netzwerk-Nachrichten

Dr. Dirk Lüerßen, Geschäftsführer des Vereins Wachstumsregion Ems-Achse, wurde am 14. Juni in Berlin als „Innovativer Netzwerkkoordinator“ ausgezeichnet. Gleich drei regionale Medien griffen die Prämierung auf. So würdigten die Ostfriesen-Zeitung, die EL-News und der Hörfunksender Ems-Vechte-Welle die Leistung des Netzwerkers in der Region zwischen der Grafschaft Bentheim und der Nordsee.

Zu einem von fünf „Innovativen Netzwerken 2017“ kürte das Innovationsbüro Fachkräfte für die Region bei seinem diesjährigen Innovationstag das Netzwerk „Comeback Elbe-Elster“, das sich auf die Gewinnung von Rückkehrern für die regionale Wirtschaft konzentriert. Die Lausitzer Woche, das Online-Portal News Locker sowie die Lausitzer Rundschau berichteten. In einem weiteren Artikel machte die Lausitzer Rundschau zugleich deutlich, dass das Schulterklopfen allein nicht reiche. „Noch immer ist es nicht gelungen, eine nachhaltige, auf die Zukunft ausgerichtete Finanzierung für Comeback Elbe-Elster zustande zu bekommen“, schreibt die Zeitung. Keiner der relevanten Akteure stelle die Bedeutung des Rückkehrer-Potenzials in Abrede, also müsse eine gemeinsame Finanzierung doch möglich sein, findet das Blatt. Damit legt die „Lausitzer Rundschau“ den Finger in eine Wunde, von der einige Fachkräftenetzwerke immer wieder berichten: Offenbar sind anerkannte Arbeit und verlässliche Finanzierung in manchen Regionen nicht automatisch untrennbar verbunden.

Ebenfalls als „Innovatives Netzwerk 2017“ geehrt wurde das NETWORK waldeck|frankenberg GbR.  Das lokale Nachrichtenportal lokalo24.de aus Kassel zitierte dabei auch Tim Oberlies, einen der Gründer des lokalen Karrierenetzwerks: „Wir sind davon überzeugt, dass unser Konzept, ein Karrierenetzwerk von Studierenden für Studierende zu etablieren, einen wesentlichen Beitrag zur Fachkräftegewinnung in unserer Heimat leistet.“ 


Schlaglicht Arbeiten 4.0

Unter der Überschrift „Chancen der digitalen Welt“, widmet die Hannoversche Allgemeine dem Thema Arbeiten 4.0 einen Beitrag. Im Zeitalter der Netzgesellschaft entstünden große Innovationen, aber auch Ängste, schreibt das Blatt, dazu gebe es nach Ansicht von Experten aber keinen Grund. Die Zeitung verweist auf Prognosen wie die des Hamburger Trendforschers Professor Peter Wippermann. Der sei überzeugt, dass die Digitalisierung denjenigen, die sich ohne Furcht auf sie einlassen, Perspektiven biete. Die Angst vor Fehlern, zitiert das Blatt eine weitere Expertin, lähme derzeit viele Firmen. Deshalb lägen immense Möglichkeiten brach.

Einen praktischen Aspekt des großen Themas Arbeiten 4.0 greift heute.de heraus: In Deutschland gebe es inzwischen über eine Million sogenannter Crowdworker. Unter der Überschrift „Wenn Jobs im Schwarm erledigt werden“ stellt heute.de vor, was Crowdwork überhaupt ist und wo Chancen und Risiken liegen.

Apropos Chancen und Risiken: Personalvorstände deutscher Unternehmen und Wissenschaftler der Akademie der Technikwissenschaften stellten im Juni im Kanzleramt einen Bericht vor, in dem sie mehr Spielraum von Staat und Gewerkschaften fordern, damit gemeinsam herausgefunden werden könne, was beim Thema Arbeiten 4.0 funktioniere und nicht schade. Laut Handelsblatt sei eine Kernaussage des Berichts, dass die Beschäftigten selbst die besten Experten zur Gestaltung ihrer eigenen Arbeitswelt seien und daher die digitale Transformation selbstbestimmt mitgestalten sollten. Diese Vorstellungen für die Flexibilisierung der Mitbestimmung „dürften allerdings den Widerstand der Gewerkschaften hervorrufen“, schreibt das „Handelsblatt“.

Durchaus kritisch betrachtet der Journalist Matthias Martin Becker die Entwicklung rund um Arbeiten 4.0. Aus Anlass der Veröffentlichung seines Buches „Automatisierung und Ausbeutung“ sprach der Deutschlandfunk mit dem Autor.

„Fachkräftesicherung weiterdenken – Digitalisierung braucht Qualifizierung“ lautete das Motto unseres diesjährigen Innovationstages. Dazu passt der Beitrag „Digitalisierung als Herausforderung für eine Weiterbildungspolitik“ im Wirtschaftsdienst – Zeitschrift für Wirtschaftspolitik (Heft 5/2017). Mit Bezug auf eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung zu den Wirkungen der 4.0-Digitalisierung auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt erörtert der Autor, wie sich die Anforderungen in der Arbeitswelt ändern werden. „Die meisten Berufe werden dabei keineswegs verschwinden, sich aber doch deutlich wandeln“, schreibt der Autor. Und weiter: „Für die faktische Wirkung der Digitalisierung auf die Arbeitswelt ist auch entscheidend, wie gut der Wandel hier angenommen werden kann. Die zentrale Rolle kommt dabei der Bildung und Weiterbildung zu.“