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Medienbeobachtung Fachkräftesicherung April 2017

Es ist nicht ganz sicher, was größer ist: die Zahl der Fachkräfte, die landauf landab in den Unternehmen fehlen oder die Zahl der Medienberichte, die sich mit dem Thema Fachkräftemangel beschäftigen. Von den großen überregionalen Medien bis zur kleinen regionalen Tageszeitung, von Radio und Fernsehen bis zum örtlichen Webportal: Es vergeht kein einziger Tag ohne Meldungen zur Knappheit von gutem Nachwuchspersonal. Fachkräfte fehlen in der IT-Branche und im Gesundheitswesen, in Schwaben und Ostfriesland, im Mittelstand und in kleinen Betrieben. Stellvertretend für diese Vielzahl von Medienberichten haben wir eine Handvoll in unserer Medienbeobachtung Fachkräftesicherung April 2017 aufgeführt.

Erfreulich ist, dass auch die engagierte Arbeit der vielen regionalen Fachkräftenetzwerke immer wieder von den Medien gewürdigt wird. Im April befasste sich die „Celler Presse“ mit der Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen und eine Regionalausgabe der „Rhein Main Presse“ mit der „Hessenweiten OloV-Strategie zur Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf“.

Wir widmen in unserer Medienschau zukünftig dem wichtigen Thema „Arbeiten 4.0“ einen eigenen Schwerpunkt. Dieser befasst sich mit den Veränderungen der Arbeitswelt durch die zunehmende Digitalisierung. Im April sind uns hierzu ein Bericht in der „Lebensmittelzeitung“ und ein Artikel in der „Zeit“ besonders aufgefallen.

 

Überregionales

Die „Stuttgarter Nachrichten“ weisen auf ein Phänomen hin, das bisher in der Debatte um den Fachkräftemangel eher selten zur Sprache kam: Auch in der Zeitarbeit fehlen zunehmend Fachkräfte. Das Blatt berichtet über eine Umfrage der Unternehmensberatung PwC, derzufolge der Fachkräftemangel der Branche der Arbeitnehmerüberlassung zunehmend zu schaffen mache. Zeitarbeitsfirmen seien gut beraten, sich zu spezialisieren und in Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung zu investieren, zitiert die Zeitung einen Zeitarbeitsexperten von PwC.

Währenddessen thematisiert „Focus Money online“ die Frage, ob es überhaupt einen Fachkräfte-Engpass gibt. „Mythos oder Gefahr“ ist der Artikel überschrieben, in dem einige aktuelle Thesen zum Fachkräftemangel diskutiert und teils widerlegt werden.

„Focus Money online“ verweist unter anderem auf eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Derzufolge bekommen Unternehmen in Deutschland zunehmend Probleme bei der Suche nach qualifiziertem Personal. Bundesweit könnten Firmen bereits etwa jede zweite Stelle nur schwer besetzen, fand das IW heraus. Neben dem „Focus Money online“ berichtet dazu ausführlich die „Berliner Morgenpost“.

Wem Fachkräfte fehlen, der freut sich über Ideen, wo sie zu finden sind. Eine offenbar bisher kaum genutzte Quelle: gut ausgebildete Deutsche im Ausland. Wie „Die Welt“ und andere Medien im April berichten, verliere die hiesige Wirtschaft jedes Jahr rund 25.000 überwiegend gut ausgebildete Personen mit deutschem Pass. Politik und Wirtschaft würden nun verstärkt um Rückkehrer werben.

 

Regionale Meldungen

Auch im Ruhrgebiet denkt man intensiv über Strategien zur Fachkräftesicherung nach. Glaubt man der in Essen herausgegebenen „WAZ“, kämpfen viele Ruhrgebietsstädte im Vergleich zu den Metropolen in Nordrhein-Westfalen mit Imageproblemen. Das Blatt berichtet, was etwa in Bochum dagegen getan wird. Um die Fachkräfte in die Stadt zu locken oder in der Stadt zu halten, baue die Wirtschaftsförderung auf attraktive Arbeitgeber. Beispielhaft sei etwa das Projekt „Von A nach Bo“, das Firmen dabei unterstützt, ihren Bewerbern einen reibungslosen Neustart in Bochum zu ermöglichen. Die Wirtschaftsförderung übernehme unter anderem Verwaltungsarbeiten und Behördengänge, die zeitraubend und umständlich seien.

 

Netzwerk-Nachrichten

Auch über Fachkräftenetzwerke wurde im April berichtet. So war die „Celler Presse“ bei der Jahresveranstaltung der „Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen“ dabei. Hauptredner war Dr. Daniel Dettling vom Institut für Zukunftspolitik re:publik. Ausgehend von Megatrends wie Digitalisierung, Individualisierung oder der erhöhten Produktivität und Aktivität von Menschen ab Mitte 60 habe Dettling die Bedeutung des Wandels für Unternehmen erläutert und konkrete Tipps gegeben, wie sie sich positionieren können.

Die „Lampertheimer Zeitung“, eine Regionalausgabe der in Mainz herausgegebenen „Rhein Main Presse“, machte im April auf die Arbeit des Fachkräftenetzwerks „Hessenweite OloV-Strategie zur Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf“ aufmerksam. Ziel der Strategie ist ein möglichst reibungsloser Übergang für Jugendliche aus der Schule in den Beruf. Anlass für die Berichterstattung war die Unterzeichnung einer Vereinbarung mit fünf Oberzielen.

 

Schlaglicht Arbeiten 4.0

Häufig ist zu lesen, dass durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung in Zukunft zahlreiche Arbeitsplätze wegfielen. Andererseits sinkt das Fachkräfteangebot in Deutschland. Könnten sich die beiden Probleme gegenseitig aufheben? Eine interessante Frage, der „Zeit Online“ im April nachging.

Die „Lebensmittel-Zeitung“ beschäftigte sich mit einem anderen interessanten Detail der künftigen Arbeitswelt. Können die Gewerkschaften die Beschäftigten in den Unternehmen eigentlich vor negativen Auswirkungen der Arbeit 4.0 schützen? Die „Lebensmittel-Zeitung“ interessierte sich speziell für die Arbeitnehmervertreter in der Ernährungsindustrie und sprach dazu mit Dr. Melanie Frerichs, Referatsleiterin bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Das Interview weist dennoch über die Branche hinaus. Wenn laut Frerichs Datenschutz, Arbeitszeit(-konten) sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz die Topthemen neuer Betriebsvereinbarungen sind, steht zu vermuten, dass es in anderen Branchen ähnlich aussieht und auf Beschäftigte, Unternehmen und Gewerkschaften ganz neue Schwerpunkte zukommen.

 

Wichtiger Hinweis: Die ausgewählten Medienberichte zu den Themen Fachkräfte und Arbeiten 4.0 geben nicht notwendigerweise die Position des Innovationsbüro Fachkräfte für die Region wieder.