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Medienbeobachtung Fachkräftesicherung Mai 2017

Zu sagen, Fachkräftesicherung sei das beherrschende Medienthema im Mai gewesen, wäre vermessen. Natürlich haben andere Themen die Berichterstattung geprägt, etwa die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Wer allerdings die Medienlandschaft im Mai gezielt nach dem Thema „Fachkräfte“ durchforstet, kommt zum gleichen Ergebnis wie schon im April: Die mit Abstand meisten Meldungen befassen sich mit den unterschiedlichen Facetten des Mangels: zu wenig Pflegekräfte, zu wenig IT-Spezialisten, zu wenig Metallprofis. Und zu wenig Fachkräfte insgesamt in den unterschiedlichsten Regionen. Exemplarisch werfen wir in unserer Medienbeobachtung einen Blick auf die MINT-Berufe und den Azubi-Nachwuchs.

Von den vielen Netzwerken in Deutschland, die das Innovationsbüro unterstützt und berät, widmen sich inzwischen einige den „Rückkehrern“. Diese haben ihre Heimat nach der Schulzeit, etwa für ein Hochschulstudium, verlassen und sollen nun als Fachkräfte für die Region zurückgewonnen werden. Dies ist offenbar ein zunehmender Trend, wie gleich eine Reihe von Medienberichten zeigt.

Erfreulicherweise greifen die Medien auch wieder die Arbeit von Fachkräftenetzwerken auf.

Drei Berichte zum Thema „Arbeiten 4.0“ runden unsere Medienbeobachtung Mai ab: Im Mittelpunkt stehen das Weißbuch „Arbeiten 4.0“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, eine Studie der Techniker-Krankenkasse und die nachlassende Bedeutung von Hierarchien in Projektteams.

Überregionales
Die Azubis werden knapp, befindet „ZEIT ONLINE“. Die Autorin berichtet vom großen Erfolg des dualen Systems – ein deutscher Exportschlager in Ländern wie Frankreich, Italien oder Portugal auf der einen Seite – und vom Rückgang der Zahl der Ausbildungsverträge in Deutschland auf der anderen Seite. Der Beitrag zitiert aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung und warnt vor der Gefahr, dass langfristig weniger Fachkräfte beruflich qualifiziert würden als die Betriebe benötigen.

Engpässe gibt es auch bei vielen MINT-Berufen. Mehrere Medien, darunter das rbb-Inforadio und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, stellen eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln vor, wonach der Fachkräftemangel in mathematisch-naturwissenschaftlichen Berufen ein Rekordhoch erreicht habe. Den Unternehmen würden fast 240.000 MINT-Arbeitskräfte fehlen, nahezu 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Einzig die hohe Zahl ausländischer Arbeitnehmer in diesen Feldern lasse das Defizit nicht noch höher ausfallen.

Hingegen äußert „Markt und Mittelstand“ Zweifel an den positiven Effekten der Migration auf den Fachkräftebestand in deutschen Firmen. Zuwanderung sei für viele Geschäftsführer und Manager keine Lösung für das Problem unbesetzter Stellen, berichtet das Unternehmermagazin unter Berufung auf eine Studie von TMS Emnid. Der Blick auf die Zahlen biete derzeit keinen Anlass für besonderen Optimismus.

Regionale Meldungen
Woher also die benötigten Fachkräfte nehmen? Aus der eigenen Region zum Beispiel, oder richtiger: aus der Gruppe der vielen gut ausgebildeten Menschen, die einst aus ihrer Heimat wegzogen und nun durchaus als Fachkräfte wiederkommen könnten. Die „Rückkehrer“ waren im Mai gleich mehreren Medien einen Bericht wert. So stellte die „Mittelbayerische Zeitung“ Alumni-Portale für frühere Abiturienten aus dem Landkreis Cham vor, die den Ehemaligen die Vorzüge der Region online vor Augen führen und Netzwerke fördern wollen.

Die „Mitteldeutsche Zeitung“ stellt eine Rückkehrerin vor, skizziert, welche Faktoren für eine Rückkehr in die Heimat sprechen, und berichtet vom „Rückkehrertag“ in Bitterfeld. Und „LZonline“, das Nachrichtenportal für die Lüneburger Heide, rollt sogar den roten Teppich für Fachkräfte aus – zumindest in der Überschrift eines Beitrags – der den Service des Vereins Housing Lüneburg vorstellt. Der habe sein Angebot erweitert und biete sozusagen eine Rundumbetreuung an. Nun könnten sich Unternehmen an den Verein wenden, die Fachkräfte für Wochen oder Monate in Lüneburg beschäftigen. Geboten würden etwa Unterstützung bei Behördengängen, Hilfe beim Einleben oder eine Mietwohnung.


Netzwerk-Nachrichten
Zu den vom Innovationsbüro unterstützten, besonders aktiven Netzwerken gehört die Wachstumsregion Ems-Achse. Mit zahlreichen Initiativen hilft sie unter anderem den Unternehmen in Ostfriesland, im Emsland und in der Grafschaft Bentheim dabei, Fachkräfte zu gewinnen. Die „Emsland-Zeitung“ berichtete nun vom „3. HR-FORUM Nordwest“, einer gemeinsamen Veranstaltung der Ems-Achse und der Hochschule Emden/Leer. Dort sei eine Studie der Hochschule vorgestellt worden, die zeige, dass IT-Unternehmen in der Region Probleme hätten, offene Stellen zu besetzen. Zugleich habe es für diese Firmen zahlreiche konkrete Rekrutierungstipps gegeben.

 

Schlaglicht Arbeiten 4.0
„Industrie 4.0“ und „Arbeiten 4.0“ sind globale Themen – und nicht minder von regionaler Bedeutung. So diskutierten im Mai in Pforzheim auf Einladung der SPD und der IG Metall Betriebsräte über Strategien gegen den Jobverlust in Zeiten von „Industrie 4.0“. Wie die „Pforzheimer Zeitung“ berichtete, stellte Thorben Albrecht, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, bei dieser Gelegenheit das Weißbuch „Arbeiten 4.0“ vor, in dem das Ministerium seine Schlussfolgerungen aus dem breit angelegten Dialog zu diesem Zukunftsthema zusammenfasst. Credo der Veranstaltung laut Zeitungsbericht: „Qualifizieren, qualifizieren, qualifizieren!“

Einen anderen Aspekt des großen Themas „Arbeiten 4.0“ beleuchtet der „Tagesspiegel“ aus Berlin im Mai: Das Blatt stellt eine Studie der Techniker-Krankenkasse vor, in der es um das betriebliche Gesundheitsmanagement in Zeiten der Digitalisierung geht. Technische Prozesse würden die Arbeit zwar oft erleichtern, zitiert der „Tagesspiegel“ den Vorstandschef der Krankenkasse, sie stellten aber auch höhere Ansprüche an die Mitarbeiter.

Auch und gerade die Chefs stecken ebenfalls mitten in einem mächtigen Veränderungsprozess. Zur Digitalisierung der Wirtschaft gehöre auch die Neugestaltung der Arbeitswelt, ist im Mai in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu lesen. So würden Hierarchien nicht mehr zwingend zum Ziel führen, Projektteams hingegen müssten mit einer großen Lösungskompetenz ausgestattet werden, berichtet das Blatt. „Digitale Leader haben andere Kompetenzen als frühere Vorgesetzte“, zitiert der Autor die Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland.

 

Wichtiger Hinweis: Die ausgewählten Medienberichte zu den Themen Fachkräfte und Arbeiten 4.0 geben nicht notwendigerweise die Position des Innovationsbüro Fachkräfte für die Region wieder.