Medienbeobachtung Dezember 2018

Auch im Dezember lieferte das Suchwort „Fachkräfte“ wieder zahlreiche Treffer. Ein Schwerpunkt der Medienberichterstattung war vor Weihnachten natürlich die Einigung der Bundesregierung auf zwei Gesetzentwürfe, um Fachkräfte nach Deutschland zu holen und geduldeten Ausländern mit fester Arbeitsstelle Bleibeperspektiven zu bieten. Zahlreiche Zeitungen, Sender und Onlinemedien berichteten und kommentierten.

Wie andere Berichte zeigen, „wie dringend erwünscht das geplante Fachkräfteeinwanderungsgesetz in der Wirtschaft ist“, wie es die Rheinische Post formulierte. Denn gemeldet wurde im Dezember auch, dass zahlreiche ausländische Fachkräfte Deutschland wieder verlassen und dass der Mangel in bestimmten Branchen, etwa im Handwerk, und Segmenten, etwa IT- und MINT-Berufen bereits sehr deutlich zu spüren ist.

Wie immer griffen einige Medien aber auch wieder verdienstvolle Projekte und Initiativen in einzelnen Regionen auf, die dem Fachkräftemangel etwas entgegensetzen.

In unserer Rubrik „Arbeiten 4.0“ geht es diesmal um die Frage, was die vernetzte Fertigung ganz konkret für Arbeitnehmer bedeutet. Außerdem ein Interview in der WirtschaftsWoche zu den Gewinnern und Verlierern der zunehmenden Digitalisierung.

 

Überregionales

Kurz vor Weihnachten einigte sich die Bundesregierung auf zwei Gesetzentwürfe, um Fachkräfte ins Land zu holen und Geduldeten mit fester Arbeitsstelle Bleibeperspektiven zu eröffnen. Zahlreiche Medien berichteten, unter anderem die Augsburger Allgemeine und die Welt. Monatelang war verhandelt und bis zuletzt um wichtige Details gerungen worden. Nun müssen die Gesetze noch durch den Bundestag.

 

„Das Einwanderungsgesetz öffnet die Tür für Fachkräfte nur einen Spaltbreit“, kommentierte das Handelsblatt, „es greift viel zu kurz.“ In beiden Gesetzentwürfen stecke viel Kleinmut und Misstrauen, das Kabinett habe sich lediglich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt.

 

Die Wirtschaft jedenfalls benötigt Fachkräfte. Rund 56 Prozent der deutschen Unternehmen sei grundsätzlich offen dafür, Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland einzustellen, berichtete die Rheinische Post. Dies gehe aus einer Sonderauswertung der aktuellen Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor, der 20.000 Unternehmensantworten zugrunde liegen. „Die Umfrage verdeutlicht, wie dringend erwünscht das geplante Fachkräfteeinwanderungsgesetz in der Wirtschaft ist“, heißt es in dem Artikel. Die DIHK-Umfrage bestätige die Regierung auch inhaltlich. Die geplanten Maßnahmen würden nach Meinung der Unternehmen grundsätzlich in die richtige Richtung gehen. Insbesondere würde begrüßt, dass die Regierung den Schwerpunkt endlich stärker auf die Zuwanderung beruflich Qualifizierter und nicht mehr nur auf Akademiker legen würde.

 

„In den vergangenen Jahren sind Hunderttausende Zuwanderer nach Deutschland gekommen“, teilte die Berliner Morgenpost mit. „Doch ausgerechnet Fachkräfte ziehen wieder weg.“ Allein im Jahr 2017 seien 1,39 Millionen Ausländer nach Deutschland gekommen, darunter 850.000 EU-Bürger. Gleichzeitig seien 708.000 Fortzüge registriert worden, schrieb die Tageszeitung unter Berufung auf eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). „Unterm Strich blieben damit hierzulande nur 680.000 Zuwanderer, wovon wiederum zwei Drittel aus EU-Staaten kamen“, heißt es in dem Bericht. „Insgesamt haben von jenen Ausländern, die vier bis zehn Jahre in Deutschland waren, 2017 rund 8,6 Prozent das Land verlassen. Darunter waren laut IW besonders viele Fachkräfte.“

 

„Der Mangel an IT-Fachkräften in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht“, berichtete im Dezember die Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung (NRZ). IT-Fachkräfte würden in Deutschland quer durch alle Branchen händeringend gesucht. Die Zahl der offenen Stellen sei im Vergleich zum Vorjahr um fast 50 Prozent gestiegen.

 

Was tun gegen den zunehmenden Fachkräftemangel, fragen sich auch die Unternehmen des Handwerks. Viele Lehrstellen blieben unbesetzt, das Handwerk habe ein Imageproblem, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Dezember. Das Blatt stellt das Programm „One Week Azubi“ eines Berliner Start-ups vor. Derzeit seien zwölf Berliner Firmen beteiligt, bei denen interessierte Schülerinnen und Schüler sich für einen fünftägigen Einblick in die Ausbildung bewerben können. Azubis, die in dem jeweiligen Unternehmen tätig sind, würden als Gastgeber fungieren, auf Augenhöhe sozusagen.

 

Nicht nur das Handwerk steht vor Herausforderungen. In ländlichen Regionen müssen sich im Grunde alle Unternehmen fragen, wie sie Fachkräfte in die Provinz locken können. „Um qualifizierte Leute anstellen zu können, müssen sie viel bieten“, teilte die Zeit im Dezember mit. Zwar nehme die Tendenz zu, dass mehr Menschen aus den größten Städten Deutschlands wegziehen als hinzukommen, dennoch bleibe es eine Herausforderung, Berufstätige aufs Land zu locken. „Firmen, die nicht mit dem Standort locken können, müssen anders überzeugen“, heißt es in dem Bericht. Etwa mit Incentives wie finanzieller Unterstützung beim Umzug, Hilfe bei der Arbeitssuche des Partners, betriebsinternen Kindergärten, BahnCard und Jobtickets für Pendler oder hochflexiblen Teilzeit- und Homeoffice-Modellen.

 

Regionale Meldungen

Rund 4,5 Millionen Euro plant das Land Sachsen 2019 und 2020 ein, um mehr Fachkräfte in die Regionen zu locken. Das berichteten die Dresdner Neueste Nachrichten im Dezember unter Berufung auf das sächsische Wirtschaftsministerium. In den vergangenen beiden Jahren habe das Land bereits 270 Projekte gefördert, schreibt das Blatt. 13 regionale „Fachkräfte-Allianzen“ würden sich vor Ort um die Gewinnung von Nachwuchs und Arbeitskräften kümmern.

 

Zu Weihnachten und Silvester kehren viele Menschen zu Besuch in ihre Heimat zurück. Das nutzen immer mehr Fachkräfte-Initiativen, um diese Menschen dauerhaft zur Rückkehr zu bewegen. „In Sachsen versuchen inzwischen viele Städte, zumindest einen Teil von ihnen mit ‚Rückkehrertagen‘ zurück in ihre alte Heimat zu locken. Schließlich werden Fachkräfte dringend gesucht – und Unternehmensnachfolger“, berichtete der Deutschlandfunk im Dezember.

 

Auch die Frage, was fertig ausgebildete junge Menschen dazu bewegt, im Betrieb zu bleiben, stellt man sich in Sachsen. Wie die FreiePresse im Dezember mitteilte, hatte Wirtschaftsminister Martin Dulig dazu ein Werkstattgespräch veranstaltet. Zu Wort kam dort unter anderem Professorin Silke Geithner von der Evangelischen Hochschule Dresden. Sie stellte eine Untersuchung vor, die beschreibt, welche Gründe fertig ausgebildete junge Fachkräfte dazu bewegen, zu bleiben, zu gehen oder überhaupt herzukommen. „Heimat und Familie seien sehr wesentliche Faktoren, ebenso das Image der Region, hinzu komme die Attraktivität des Arbeitgebers“, habe sie ausgeführt. „Ein Fazit lautet, dass es vor allem die fachliche Kompetenz der Führungskräfte ist, die von den Mitarbeitern geschätzt wird", zitiert die FreiePresse die Wissenschaftlerin.

 

In MINT-Berufen herrscht großer Fachkräftemangel. Im bayrischen Digitalministerium kamen deshalb im Dezember Staatsministerin Judith Gerlach und Dorothee Bär, Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, zusammen. Gemeinsam wollen sie mehr Mädchen und junge Frauen für Berufe rund um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik begeistern, wie die Abendzeitung berichtete.

 

Immer mehr Unternehmen gehen ungewöhnliche Wege in der Fachkräfteakquise. Die Lausitzer Rundschau berichtete im Dezember von einer Papierfabrik, die nun auch im Kino nach künftigen Fachkräften suche. „Ein Werbefilm fürs Kino mit eigenen Lehrlingen als Schauspielern hat dazu beigetragen, dass die Firma in diesem Jahr alle Ausbildungsplätze besetzen konnte“, meldet die Lokalzeitung.

 

Ausbildungscoaches sichern Fachkräfte für Hotel- und Gastgewerbe“, meldete die Eifelzeitung im Dezember. Um mehr Jugendliche für eine duale Ausbildung in der Gastronomie und Hotellerie zu gewinnen und ihnen eine erfolgreiche Ausbildung zu ermöglichen, würden das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium, die Bundesagentur für Arbeit und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Rheinland-Pfalz e.V. Coaches für betriebliche Ausbildung finanzieren.

 

Schlaglicht Arbeiten 4.0

„Industrie 4.0 ist längst in den Fabriken angekommen – doch was bedeutet die vernetzte Fertigung konkret für Arbeitnehmer?“, fragten die Stuttgarter Nachrichten im Dezember. Die Zeitung stellte den Lehrgang „Fachkraft für Industrie 4.0“ vor, den das Unternehmen Bosch gemeinsam mit der IHK Region Stuttgart sowie Partnern aus Wissenschaft und Praxis entwickelt und als Pilotunternehmen erstmals ermöglicht habe.

 

„Fachkräfte werden am meisten unter der Digitalisierung leiden“, lautet die Überschrift eines Berichtes in der WirtschaftsWoche. „Was ist dran an den Schreckensszenarien, mit denen die Folgen der Digitalisierung beschrieben werden?“, fragte das Magazin im Dezember in einem Interview den Ökonomen Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. „Gewinner der Digitalisierung sind generell die Höherqualifizierten“, sagt Weber, es werde Stellenzuwächse vor allem im IT-Bereich geben, aber auch bei Gesundheit, Pflege und kreativen Tätigkeiten, die sich nicht automatisieren lassen wie viele Prozesse in einer Fabrikhalle. Die Verlierer seien aber nicht, wie viele denken, primär die Geringqualifizierten – weil es von ihnen nach vielen Automatisierungswellen in den Betrieben gar nicht mehr so viele gibt. Es gehe eher um die Mitte: „Die größten Veränderungen werden im Fachkräftebereich stattfinden, wo viele Routinetätigkeiten im Spiel sind. Dazu zählen auch Bürojobs, etwa in der Buchhaltung“, prognostiziert der Wirtschaftswissenschaftler.