Medienbeobachtung Dezember 2017

Der Jahreswechsel ist die Zeit der Rück- und Ausblicke. Vor allem in Wirtschaftsmedien spielt dabei der Fachkräftemangel eine zentrale Rolle. Er ist eines der beherrschenden Themen in vielen Unternehmen – und insofern auch in der dezemberlichen Medienlandschaft. Unter anderem greifen einige Medien eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft auf, die zeigt, welche Berufe besonders nachgefragt werden und in welchen Regionen der Engpass am schlimmsten ist.

In vielen dieser Regionen arbeiten allerhand Akteure – und im Übrigen auch zahlreiche Fachkräfte-Netzwerke – gegen den Mangel an. Bisweilen äußerst kreativ erschließen sie neue Fachkräftepotenziale. Gleich mehrere regionale Medien berichteten im Dezember über sogenannte „Rückkehreraktionen“ in unterschiedlichen Landkreisen. Was sie eint, ist das Bestreben, Fachkräfte aus dem Kreis derer zu gewinnen, die einst für Ausbildung und Studium ihre Heimat verließen und nun zurückkehren wollen oder könnten.

Innovativ geht auch SAP den Fachkräftemangel an. Wenn das Unternehmen ernst macht mit dem Vorhaben, Führungspositionen auch in Teilzeit zu besetzen, könnte das die oft noch starren Strukturen in vielen Führungsetagen ins Wanken bringen. Deshalb finden Sie die entsprechende Zeitungsmeldung dazu in unserem „Schlaglicht Arbeiten 4.0“, also in der Rubrik zur Zukunft der Arbeit, die schon bald Gegenwart sein könnte.

Überregionales

Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln zeigt, welche Berufe besonders nachgefragt werden und in welchen Regionen der Engpass am schlimmsten ist. Focus Money online griff die Studie in einem Bericht Ende Dezember auf. "Unter Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung ist der Mangel mit Abstand am größten. Etwa zwei Drittel aller ausgeschriebenen Stellen und Beschäftigten zählen zu dieser Kategorie", schreibt das Magazin. Insbesondere Kältetechniker und Pflegekräfte seien dringend gesucht. Auch in der Kategorie "Fachkräfte mit Meister- oder Fachschulabschluss und Bachelor-Absolventen ohne Berufserfahrung" mangele es vor allem an Spezialisten im Gesundheitssektor. Akademische Fachkräfte mit Diplom oder Masterabschluss sowie Bachelor mit Berufserfahrung fehlen laut "Focus Money online" insbesondere in der Verwaltung. Was die Regionen betrifft, mangelt es am meisten in Baden-Württemberg an Fachkräften.

Auch das „Handelsblatt“ widmete im Dezember mehrere Artikel dem Thema Fachkräftemangel. „Der Mangel an Fachkräften und Nachwuchs ist aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertags die größte Herausforderung für die Wirtschaft“, berichtete das Handelsblatt am 28. Dezember. „Das duale Ausbildungssystem, um das uns alle Welt beneidet, muss wieder gestärkt und mehr wertgeschätzt werden“, zitierte das Blatt DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Die Berufsschulen seien zum Teil in einem maroden Zustand, sie würden seit Jahren stiefmütterlich behandelt. An Gymnasien müsse es zudem flächendeckend Berufsorientierung auch zur beruflichen Bildung geben. Weiteres Thema: die hohe Bachelor-Abbrecherquote. Die vielen Abbrüche seien für die Betroffenen frustrierend – und eine volkswirtschaftliche Fehlinvestition. „Deshalb“, so Schweitzer, „sollte es uns gemeinsam gelingen, jungen Menschen früher und besser als heute über die duale Ausbildung als Alternative zum Studium zu informieren.“

Was Manager 2018 umtreiben wird, ist auf der Website Springer Professional zu lesen. „Die schwierigsten Aufgaben im Überblick“ finden sich in dem Artikel. Allen voran: der Umgang mit dem Fachkräftemangel. „Der positive Jobtrend, der nun seit rund drei Jahren anhält, bereitet vielen Firmen zunehmend Kopfzerbrechen“, heißt es. 100 Tage brauche ein deutsches Unternehmen heute im Schnitt, um eine neue Stelle zu besetzen, doppelt so lange wie 2010. Wegen des demografischen Wandels werde sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen. „Recruiting, Employer Branding und umfassende Pakete zur beruflichen Weiterbildung, Stichwort ‚lebenslanges Leben‘, müssen noch stärker vorangetrieben werden, damit Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und die Herausforderung der digitalen Transformation meistern können“, heißt es in dem Artikel. Zudem stünden Unternehmen vor der Herausforderung, gute Antworten auf die Frage zu finden, wie die Zukunft der Arbeit aussehen soll, um Fachkräfte zu gewinnen und zu binden, aber auch, um veränderten digitalen Arbeitsformen Rechnung zu tragen.

60 Prozent der Beschäftigten aus Asylländern arbeiten in Deutschland als Fachkraft, berichteten mehrere Medien im Dezember. Auch Spiegel Online griff das Thema auf. Das klinge nach einer ermutigenden Nachricht, befand das Nachrichtenmagazin. Und doch frage man sich: „Wie passt das zusammen mit Statistiken, wonach die Mehrheit der vielen seit Anfang 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge über keine oder nur geringe berufliche Qualifikation verfügt?“ Aus den Zahlen ließen sich laut „Spiegel Online“ nur wenige zulässige Schlüsse ziehen. Der Artikel erläutert beispielsweise, es gehe um „Menschen aus wichtigen Asylländern“, nicht speziell um Flüchtlinge. Außerdem seien die Zahlen inzwischen überholt und bezögen sich nur auf einen kleinen Teil der betroffenen Personen.


Regionale Meldungen


Eine begehrte Fachkräftegruppe gerade in ländlichen Regionen sind Ehemalige. Menschen also, die einst wegzogen und nun wahlweise von selbst an einer Rückkehr in ihre Heimat interessiert sind oder durch kreative Marketingaktionen auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht werden. Verschiedene regionale Medien berichteten im Dezember über mehrere derartige Bestrebungen. Tag 24 beispielsweise griff den „Rückkehrertag“ im Landkreis Nordsachsen auf, an dem sich über 60 Unternehmen beteiligten. Auch „Eberswalde buhlt um Ehemalige“, wie die Überschrift eines Artikels in der Schweriner Volkszeitung vom 30. Dezember kundtut. „Unternehmen suchen bei Rückkehrerbörse ‚Wieder da!‘ Fachkräfte“, heißt es in dem Artikel, „Eberswalde folgt Vorbild von Cottbus und verbucht erste Erfolge“. In der Lausitz rechneten die Akteure sogar mit einem Ansturm auf die Rückkehrertage zwischen Weihnachten und Neujahr, berichtete die Lausitzer Rundschau. Die Resonanz werde immer größer.

Über ein bundesweites Pilotprojekt in Bayern berichtete im Dezember unter anderem die Welt. Weil es Ausländern und Menschen mit Behinderung häufig schwerfalle, Texte zu verstehen, wird in Augsburg nun die Ausbildung zur „Fachkraft für Leichte Sprache“ entwickelt werden. Die Experten sollen später Bescheide von Behörden umformulieren. Der Caritasverband der Diözese Augsburg betreibe schon länger eine Fachabteilung für leicht verständliche Sprache, schreibt die „Welt“. Frauen und Männer mit Lernschwierigkeiten würden dort zusammen mit Sozialpädagogen in einem Team arbeiten, um komplizierte Texte in einfache Sprache zu übersetzen. In Augsburg sollen nun erstmals Fachkräfte entsprechend ausgebildet werden.


Schlaglicht Arbeiten 4.0

„Offensiv gegen den Fachkräftemangel“ geht der Softwarekonzern SAP vor, wie die Badische Zeitung im Dezember berichtete. Ab 2018 sollen alle Führungsjobs auch in Teilzeit ausgeschrieben werden. Wer Abteilungen leite und verantwortungsvolle Tätigkeiten übernehmen wolle, könne sich für eine 75-Prozent-Stelle entscheiden. „Der Kampf um Talente ist hart und wird noch härter werden“, zitiert die Zeitung Cawa Younosi, den Personalchef von SAP Deutschland, „für Fachkräfte wird das Thema Flexibilisierung immer wichtiger.“ Auch Konkurrenten wie Microsoft oder IBM würden dringend Fachkräfte suchen. „Wer eine entsprechende Ausbildung hat und Auslandserfahrung mitbringt, braucht sich um eine Festanstellung nicht zu sorgen. Diesen Leuten sind laut Younosi Dienstwagen oder hohe Prämien weniger wichtig als gute Arbeitszeitmodelle“, schreibt die „Badische Zeitung“.