Medienbeobachtung August 2018

An diesen Sommer werden sich später Viele erinnern: Es war einer der heißesten seit langem. Und es war vielleicht der erste Sommer, in dem aus dem Schlagwort „Fachkräftemangel“ für alle spürbare Realität wurde. Denn nun klagten nicht mehr nur die Unternehmen, sondern auch die Bevölkerung selbst konnte es spüren. Zum Beispiel, wenn sie vor verschlossenen Freibadtoren standen. Ob im Schwarzwald oder im Rheinland: Wegen fehlender Fachkräfte mussten Bäder früher schließen oder konnten morgens erstmal nicht öffnen. Am 26. August schaffte es das Thema sogar ins Hauptabendprogramm der ARD: „Fachkräfte verzweifelt gesucht“ hieß es bei „Anne Will“.

Die Medienberichterstattung nahm im August aber auch deshalb zu, weil in der Politik über ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz debattiert wird. Die jeweiligen Vorschläge und Erwiderungen griffen zahlreiche Zeitungen, Sender und Onlineportale auf, wir können nur einen ganz kleinen Ausschnitt zeigen.

 

Überregionales

Das Innen-, das Arbeits- und das Wirtschaftsministerium verständigten sich im August auf ein Eckpunktepapier, um mehr Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Das manager magazin stellte zentrale Inhalte des Papiers, das an die übrigen Ministerien versandt worden sei und soll bald vom Kabinett beschlossen werde, vor. Unter anderem wolle die Regierung durch eine nationale Weiterbildungsstrategie inländische Potenziale heben und bei der Gewinnung qualifizierter Fachkräfte aus Drittstaaten erfolgreicher werden. Zahlreiche weitere Medien griffen die aktuelle Entwicklung im August auf.

In der Süddeutschen Zeitung kommentierte Michael Hüther die Vorschläge zur Einwanderung von Fachkräften. Er lobt das Eckpunktepapier als „mutig“. „Es schafft Klarheit über die Zugangswege für die Arbeitsmigration nach Deutschland, und es setzt an den größten Schwachstellen des bisherigen, seit der Jahrtausendwende entwickelten Systems an“, schreibt der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln.

Die Wirtschaft in Deutschland befürwortet auch den Wechsel vom Asyl- ins Einwanderungsrecht – eine Idee, die diesen Sommer unter dem Namen „Spurwechsel“ kursierte und über die viele Medien berichteten, darunter der Tagesspiegel aus Berlin. Das geplante Einwanderungsgesetz solle ein Bleiberecht für abgelehnte Asylbewerber beinhalten, wenn sie einen Job in einem deutschen Unternehmen haben. Der Bericht verweist darauf, dass es auch jetzt schon einen „kleinen Spurwechsel“ gebe: Die sogenannte 3+2-Regelung schütze Asylbewerber mit einem Ausbildungsplatz vor der Abschiebung – für die gesamte Dauer der Ausbildung plus zwei Jahre. Und nicht überall: In Bayern würden dennoch immer wieder Flüchtlinge vom Arbeitsplatz weg abgeschoben.

Auch die Welt berichtete über die Probleme bei der Fachkräftesicherung. Laut der Tageszeitung zweifeln einige Ökonomen allerdings an der „Millionen-Lücke“. „Eine ganze Reihe von Experten hält die Warnungen für übertrieben – und einen flächendeckenden, branchenübergreifenden Fachkräftemangel in Deutschland für ein Märchen“, heißt es in dem Bericht. Dies gelte etwa für das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Das Problem sei laut WSI weniger, dass es nicht genug Arbeitskräfte gebe – sondern dass Unternehmen nicht bereit seien, angemessene Löhne zu zahlen.

„Noch nie wurden in Deutschland so viele ausländische Berufsabschlüsse anerkannt wie im vergangenen Jahr“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Deutsche Behörden hätten 2017 den beruflichen Abschluss von knapp 22.000 Ausländern anerkannt – 14 Prozent mehr als im Jahr davor. „Am häufigsten stellten Syrer einen Antrag auf Anerkennung des Berufsabschlusses“, berichtet die FAZ, „gefolgt von Menschen aus Bosnien-Herzegowina und aus Serbien.“ Die meisten von ihnen würden in Gesundheitsberufen arbeiten.

Der Stern bot im August einen Überblick über die insgesamt 110 Staaten, aus denen qualifizierte ausländische Fachkräfte per „Blauer Karte“ nach Deutschland kamen. Die meisten Menschen, die zwischen 2013 und 2017 eine befristete Arbeitsgenehmigung bekamen, waren Inder und Chinesen.

 

Regionale Meldungen

Die „Korea-Krise in Oberkochen“ rief im August der Deutschlandfunk Kultur aus. Nachdem in dem kleinen Ort im schwäbischen Ostalbkreis der Gemeinderat vor einem knappen Jahr der Ansiedlung des südkoreanischen Werkzeugherstellers YG-1 zugestimmt habe, sei eine Welle der Empörung über Bürgermeister und Ratsmitglieder hereingebrochen. Das Problem: Die ansässigen Firmen befürchten laut dem Radiobeitrag, dass ihnen Fachkräfte abgeworben werden: „Wirtschaftskrise einmal anders herum.“

Die Leipziger Volkszeitung befasst sich mit einem anderen Phänomen: „Obwohl viele Betriebe in Sachsen händeringend Fachkräfte suchen, gehen immer noch Zehntausende Sachsen in Westdeutschland zur Arbeit“, schreibt das Blatt. Die Anzahl der Auspendler würde sogar noch steigen. „Es tut mir weh, dass es immer noch deutlich mehr Auspendler aus Sachsen gibt“, zitiert die Zeitung den Chef des Landesarbeitsamtes in Sachsen, Klaus-Peter Hansen. Aktuell seien über 40.000 offene Stellen bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern gemeldet.

 

Netzwerk-Nachrichten

Zum Auspendler- gesellt sich – scheinbar paradox – schon seit längerem das Rückkehrer-Phänomen. Die Berliner Zeitung stellt im August die Rückkehrer-Initiative „Comeback Elbe-Elster“ vor, die vom Innovationsbüro Fachkräfte für die Region 2017 als „Innovatives Netzwerk“ ausgezeichnet worden war, und berichtet über weitere Initiativen, die Menschen zurück in ihre Heimat locken. Mitgründerin der Willkommensagentur „Comeback Elbe-Elster“ ist Stephanie Auras-Lehmann. Warum und wie sie die südbrandenburgische Heimat verließ und zurückkehrte, darüber schrieb sie das Buch „Heeme“, auf das die „Berliner Zeitung“ aufmerksam macht.

 

Schlaglicht Arbeiten 4.0

„Eine digitalisierte Arbeitswelt braucht keine Verordnungen aus dem Industriezeitalter“, sind Frank Meik und Thomas Sattelberger überzeugt, „sondern moderne Konzepte – sonst bleibt die Innovation auf der Strecke.“ Meik ist Kurator der Carl-Friedrich-von- Weizsäcker-Stiftung und Direktor für den Bereich Zukunft der Arbeit, Sattelberger ist innovations- und forschungspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der FDP. In ihrem Gastkommentar im Handelsblatt beklagen sie sich verhärtende Fronten zwischen Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden, wo doch eigentlich ein gesellschaftlicher Konsens überfällig sei. Denn: „Wir müssen jetzt handeln.“

 

In vielen Branchen werden dringend Digitalisierungsexperten gesucht, vor allem Berater. Die größten Nachfrager seien die Fertigungsindustrie, die IT-Branche und der Dienstleistungssektor, berichtete die Lebensmittel-Zeitung im August unter Berufung auf eine Analyse der Jobbörse „Joblift“. Auf Platz 5: der Einzelhandel. „Trotz der großen Nachfrage nach Beratung“, heißt es in dem kleinen Bericht, „scheinen Unternehmen den Digitalisierungsprozess zunehmend als internen langfristigen Richtungswechsel zu verstehen.“ Für diesen würden zusätzlich zu externer projektbezogener Hilfe auch IT- und Managementpositionen geschaffen.