Kinder und Jobs: Beste Aussichten für Ems-Region

Es läuft wie am Schnürchen in den Landkreisen entlang der Ems: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen ist in den Landkreisen Grafschaft Bentheim, Emsland, Leer, Aurich, Wittmund und der Stadt Emden in den vergangenen zehn Jahren um 27,5 Prozent gestiegen, landesweit waren es 18,5 Prozent. Diese Zahlen wurden am Montag auf einer Pressekonferenz des Wirtschaftsverbands Ems-Achse präsentiert.

Mehr als sechsmal mehr Jobs als vorhergesagt

2009, zur Zeit der Finanz- und Wirtschaftskrise, wurde für die Ems-Achse eine Studie erstellt, bei der Wissenschaftler ein Wachstum von 12.000 Stellen bis 2025 voraussahen. Tatsächlich sind es schon jetzt 72.500 Stellen - mehr als sechsmal so viele. Wie lassen sich diese geradezu paradiesischen Zustände erklären? Das Wirtschaftsbündnis erklärt die positive Entwicklung mit mehreren Faktoren: Es gebe viele mittelständische, familiengeführte Unternehmen, die am Standort und ihren Arbeitskräften festhielten. Zudem seien die Produktionskosten gering und die Löhne tendenziell niedriger als im Landesdurchschnitt.

VIDEO: Verein Ems-Achse wirbt um Fachkräfte 24.04.2015 19:30 Uhr, Hallo Niedersachsen: Viele Unternehmen im Westen Niedersachsens sind auf der Suche nach Fachkräften. Der Verein Ems-Achse betreibt Akquise und hat Studenten eingeladen, inklusive Rundflug. Video (02:49 min)

Verkehrsanbindung weiterer Pluspunkt

Einen weiteren Pluspunkt sieht der Leiter der Nordhorner Agentur für Arbeit, Joachim Haming, in der Verkehrsanbindung: "Ich hätte nicht gedacht, dass die Autobahn 31 für den Westen so wichtig sein könnte", sagte er. "Die gute Verkehrsanbindung, vor allem durch die neue Autobahn, hat stark dazu beigetragen, dass wir einen Beschäftigungszuwachs hatten." Die Region sei jetzt nach Norden und Süden gut erschlossen. Das gelte für Straßen- und Bahnverbindungen genauso wie für die Wasserwege.

Viel Zeitarbeit, wenige Fachkräfte

Bei so viel Optimismus gibt es aber auch entlang der Ems zumindest ein bisschen Grund zur Sorge: "Wir haben hier nur wenige Hochqualifizierte", sagte Agenturchef Haming. "Stattdessen gibt es einen hohen Anteil an Zeitarbeitnehmern, was das einzelne Arbeitsverhältnis anfälliger macht. Darin liegen die Hauptrisiken für die Zukunft." Dazu komme der Fachkäftemangel, der auch vor der Ems-Region nicht halt mache.

Deutlich mehr Kinder als im Bundesdurchschnitt

Doch insgesamt überwiegt deutlich das Positive. Denn auch in punkto Familienfreundlichkeit scheint in dem Landstrich einiges besser zu laufen als anderswo. In jedem zweiten Haushalt im Landkreis Cloppenburg leben Kinder, das sind 50 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Und während deutschlandweit Ein-Personen-Haushalte dominieren, machen sie im Landkreis Cloppenburg nur 23 Prozent aus - ebenfalls der niedrigste Wert landesweit. Landkreis-Sprecher Frank Beumker führt das im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen auch darauf zurück, dass man viele familienfreundliche Aktionen durchgeführt habe: Immer mehr Kinder könnten betreut werden, es gebe relativ günstiges Bauland, gerade junge Familien würden gesondert unterstützt.

Hoffnung auf Fortsetzung der Erfolgsgeschichte

"Wir sind als ganze Region unterwegs, um deutlich zu machen, dass man hier nicht nur gut Urlaub machen, sondern auch gut arbeiten kann", sagt der Geschäftsführer der Wachstumsregion Ems-Achse, Dirk Lüerßen. "Und dann sehen wir durchaus Chancen, dass wir diese positive Entwicklung fortsetzen können."

Quelle: © Norddeutscher Rundfunk, Stand: 19.02.2018 21:13 Uhr