Fachkräfte willkommen: Sie kommen, sie kommen nicht, sie kommen ...

260.000 Menschen müssten jedes Jahr einwandern, um in Deutschland den Fachkräftebedarf zu decken. Ob das neue, kommenden März in Kraft tretende Fachkräfteeinwanderungsgesetz die Not der Firmen lindern hilft, die dringend Auszubildende und Fachkräfte suchen, ist noch offen.

Die Wirtschaft ist verhalten optimistisch. Wie also kommen Unternehmen ab nächstem Jahr an Azubis und Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland? „Die Wirtschaft“ gibt einen Überblick.

Mayenga Kavindja hat es geschafft. Am 21. August, einem sonnigen Mittwoch in der letzten Sommerferienwoche, betrat die 19-Jährige die Eingangshalle des Hotels Collegium Leoninum in der Bonner Innenstadt und damit die Welt der dualen Aus-bildung in Deutschland. Seitdem arbeitet sie im Housekeeping des Vier-Sterne-Tagungshotels, der ersten Station ihrer zweijährigen Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe.

Zwischen ihrem Heimatort in Namibia und ihrem Ausbildungsunternehmen liegen über 8.000 Kilometer, Luftlinie. Eine lange Strecke – und doch kurz im Vergleich zu dem Weg, den sie und die Menschen, die sie unterstützt haben, im übertragenen Sinne zurücklegen mussten.

In Deutschland beklagen immer mehr Firmen in immer mehr Branchen teils erhebliche Fachkräfteengpässe. Der viel zitierte Fachkräftemangel ist und bleibt eine beträchtliche Herausforderung.

Laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gibt es derzeit 1,5 Millionen offene Stellen in Deutschland. Für drei von fünf Unternehmen ist er das größte Geschäftsrisiko, zeigt die DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2019 – mit weitem Abstand zu anderen Risiken wie einer nachlassenden Auslandsnachfrage oder steigenden Arbeitskosten.

Das trifft auch auf Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis zu. „Je nach Branche kann es inzwischen fast ein halbes Jahr dauern, bis eine offene Stelle neu besetzt ist. Für die Unternehmen wird der Produktivitätsausfall zur Kostenfalle“, heißt es in der Fachkräfteanalyse, die die IHK Bonn/Rhein-Sieg Ende 2018 vorlegte.

Spitzenreiter bei offenen Stellen: Berufe der nichtmedizinischen Gesundheit, Körperpflege und Medizintechnik mit 178 Tagen, gefolgt von Verkauf mit 146 und Reinigung mit 145 Tagen.

Doch nicht nur die Fachkräfte von heute sind Mangelware, sondern auch die von morgen. 28 Prozent aller Ausbildungsbetriebe in Bonn/Rhein-Sieg konnten 2018 nicht alle erforderlichen Ausbildungsplätze besetzen, wie jetzt eine Umfrage der IHK bei fast 190 ausbildenden Unternehmen in der Region ergab. Hauptgrund: das Fehlen geeigneter Bewerberinnen und Bewerber.

„Der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel spitzt sich auch in unserer Region zu“, kommentiert Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg, die Ergebnisse.

Zwei Mangelbranchen: Hotellerie/Gastronomie und Pflege

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Quelle: www.ihk-bonn.de, 17.10.2019