Digitalisierung: Mensch oder Maschine?

Der Job-Futuromat, eine Art Orakel für den Arbeitsmarkt, sagt vielen Berufen eine düstere Zukunft voraus, weil die Tätigkeiten angeblich von Computern und Robotern übernommen werden könnten. Doch in vielen dieser Berufe suchen die Unternehmen händeringend Fachkräfte – wie passt das zusammen?

Könnte ein Roboter meinen Job erledigen? Mit dieser Frage empfängt der Job-Futuromat vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung die Besucher der Website. Und wer zum Beispiel „Kassierer/in“ eingibt, bekommt eine recht deprimierende Antwort: „Der Arbeitsalltag dieses Berufs besteht im Wesentlichen aus zwei verschiedenen Tätigkeiten“, heißt es da. Und weiter: „Zwei davon und somit 100 Prozent könnten schon heute Roboter übernehmen.“

Bäckern, Gabelstaplerfahrern und Steuerfachangestellten, ob männlich oder weiblich, geht es ganz genauso; Ärzte, Busfahrer und Friseure dagegen brauchen sich angeblich keine Sorgen zu machen – ihnen attestiert der Futuromat, dass Roboter derzeit 0 Prozent ihrer Tätigkeiten übernehmen können.

Doch nicht nur Bäcker und Gabelstaplerfahrer werden als aussterbende Berufe etikettiert, auch so mancher technische Industrieberuf steht offenbar vor dem Aus (Grafik):

Laut Futuromat konnte der Mechatroniker schon 2016 zu 100 Prozent vom Roboter ersetzt werden – tatsächlich aber ist die Zahl der Beschäftigten in diesem Beruf von 2013 bis 2018 um fast ein Drittel gestiegen.

Und mehr noch: Auf je 100 gemeldete offene Stellen als Mechatroniker kamen 2018 nur 19 Arbeitslose – mit anderen Worten: In diesem Beruf herrscht Fachkräftemangel.

Berufsbilder wandeln sich

Sicherlich sind einige Tätigkeiten eines Mechatronikers automatisierbar, aber es braucht den Menschen, um die vielfältigen Aufgaben zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzusetzen. Es sind Mechatroniker, die in modernen Fabriken die Roboter aufbauen, vernetzen und programmieren. Vor allem aber helfen sie den Robotern in vielen nicht standardisierten Situationen, in denen diese überfordert sind. Der Mechatroniker ist ein digitaler Schlüsselberuf, ohne den die Industrie 4.0 kaum Realität werden kann.

Dass die Vorhersagen des Futuromats so schlecht zur aktuellen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt passen, liegt vor allem daran, dass die Wandlungsfähigkeit von Berufen unterschätzt wird:

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Quelle: www.iwd.de, 06.08.2019